Apples WWDC26: Plattform-übergreifende Neuerungen, Apple Intelligence und Siri im Fokus
Was sich an den WWDC der vergangenen Jahre bereits abgezeichnet hatte, stand dieses Jahr unübersehbar im Zentrum: Statt die Neuerungen wie früher System für System abzuhandeln, präsentierte Apple an der heutigen WWDC26-Eröffnungskeynote kein einziges Betriebssystem für sich allein. Stattdessen zeigte das Unternehmen eine Abfolge neuer Funktionen, die meist gleich auf mehreren Systemen verfügbar sind.
Entsprechend bestand die erste halbe Stunde der Keynote aus Neuerungen «over the board». Danach folgten vierzig Minuten zu einer neuen Generation von Apple Intelligence und Siri – auch sie systemübergreifend vorgestellt. Im Mittelpunkt standen also nicht einzelne Plattformen, sondern die Apps und System-Komponenten selbst, die es entweder auf allen oder zumindest auf mehreren Plattformen gibt.
Durch die Neuerungen führte eine ganze Armada von über einem Dutzend Präsentatorinnen und Präsentatoren – eingeleitet von CEO Tim Cook und angeführt von Plattform-Chef Craig Federighi. Zum Abschluss seiner letzten Keynote als Apple-CEO verabschiedete sich Cook, der Dienstälteste aller bisherigen sieben Apple-Chefs, mit einer persönlichen Nachricht. Per September übernimmt John Ternus.
Bis dahin reifen macOS 27 «Golden Gate», iOS 27, visionOS 27 und Co. in einer Beta-Phase heran und erscheinen wohl Mitte September oder im Oktober – wie gewohnt zunächst mit einem Teil der Neuerungen, die Apple heute für das ganze kommende OS-Jahr gezeigt hat.
Publireportage für CHF 420.– Werbung auf macprime
Inhaltsverzeichnis
Optimiertes «Liquid Glass», bessere Suche, massive Performance-Verbesserungen und mehr
Noch besserer Kinder-Schutz
Apple Intelligence 2 und «Siri AI»
Und viel mehr …
Ab Herbst verfügbar
Tim Cooks Keynote-Abschied
Die heute anlässlich der WWDC26-Eröffnungskeynote gezeigten Neuerungen lassen sich grob in drei Abschnitte einteilen: System-Optimierungen, noch besserer Kinder-Schutz und Apple Intelligence + Siri.
Optimiertes «Liquid Glass», bessere Suche, massive Performance-Verbesserungen und mehr
«Noch reaktionsschneller, zuverlässiger und ansprechender zu bedienen» sollen sie sein, die 27er-Versionen der Apple-Plattformen macOS, iOS, tvOS, watchOS, iPadOS und visionOS.
Apple hat dazu tiefgreifende Optimierungen in den Systemen vorgenommen – beispielsweise sollen neu gemäss Apple iPhone- und iPad-Apps bis zu 30 Prozent schneller und Fotos nach dem Aufnehmen bis zu 70 Prozent schneller geladen werden – AirDrop-Übertragungen sollen bis zu 80 Prozent schneller sein. Der Wechsel von Netzwerken zwischen Mobilfunk und Wi-Fi soll «reibungsloser als je zuvor», und auch das Surfen und Übertragen von Dateien zwischen externen Laufwerken und dem iPad «ist bis zu 5‑mal schneller», so Apple – das sei «genauso schnell wie beim Finder auf dem Mac».
Insbesondere auch auf älteren iPhone-Modellen sei iOS 27 viel schneller – möglich macht das unter anderem ein neuer CPU-Scheduler; das neue System ist dabei «mit mehr iPhone-Generationen den je» kompatibel – wie iOS 26* bis zurück zum sechsjährigen iPhone 11.
Apple hat zudem die System-Suche um Spotlight generalüberarbeitet – mit einem neuen Index der obendrein noch schneller arbeiten soll; und der Mac-Hersteller will mit einem neuen Ranking-System in «Mail» auch dessen Suche (endlich wieder) verbessert haben.
Für das vor einem Jahr mit iOS 26, macOS Tahoe und Co. eingeführte «Liquid Glass» hat Apple weitreichende Optimierungen angekündigt – diese sollen «ein noch fokussierteres und zugänglicheres Erlebnis über Apps und Plattformen hinweg» ermöglichen. Einerseits gibt es einen neuen Schieberegler in den Einstellungen, mit welchem Liquid Glass nach der eigenen Präferenz personalisiert werden kann – von ultratransparent bis zu komplett eingefärbt.
Weiter aktualisiert Apple auch die App-Icons mit einem neuen System, mit denen sie «noch schärfer und klarer definiert» werden. Auch werden UI-Eigenschaften rückgängig gemacht, die «Liquid Glass» letztes Jahr auf die Systeme brachte – etwa die durchsichtige Topbar (Symbolleiste) mit Verlauf ist neu wieder einheitlich durchgezogen, die Sidebar ist nicht mehr visuell abgehoben sondern geht wieder durchgehend bis an die Fenster-Ränder, die Symbole in den Seitenleisten sind wieder farbig und von den abgerundeten Fenster-Ecken gibt es keine unterschiedlichen Ausprägungen mehr. Speziell auf dem Mac werden so mit macOS 27 «Golden Gate» wieder einige «wichtige Elemente des macOS-Designs integriert, die die Nutzer:innen schon immer geliebt haben» – so Apple.
Noch besserer Kinder-Schutz
Ebenfalls angekündigt hat Apple eine Reihe neuer Kinderschutz-Funktionen, die mit iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 kommen sollen. Im Zentrum steht das «Child Account (Kinderaccount)»-System, das altersspezifische Schutzmassnahmen systemweit aktiviert – etwa die Einschränkung von Webseiten für Erwachsene und altersbasierte Limits im App Store. Für Kinder unter 13 Jahren ist ein solches Konto künftig Pflicht.
Neu ist zudem «Ask to Browse»: Analog zur bestehenden «Ask to Buy»-Funktion im App Store müssen Kinder künftig auch beim Aufrufen neuer Webseiten in Safari erst die Erlaubnis der Eltern einholen – geräteübergreifend auf iPhone, iPad und Mac.
Eine überarbeitete Screen Time (Bildschirmzeit) gibt Eltern zudem auf einen Blick Auskunft über die durchschnittliche Gerätenutzung und meistgenutzten Apps ihrer Kinder; mit «Time Allowances» lassen sich Zeitlimits nach App-Kategorien wie «Unterhaltung», «Spiele» und «Social Media» festlegen. Dazu gibt es auch von Apple mit Experten in diesem Bereich vorgeschlagene Richtwerte, nach welchen sich unerfahrene Eltern orientieren können. Eltern können ausserdem tägliche Zeitpläne einrichten und so festlegen, auf welche Apps ihre Kinder zu verschiedenen Tageszeiten und Wochentagen Zugriff haben.
Ebenfalls erweitert wird «Communication Safety (Kommunikationssicherheit)»: Die Funktion erkennt neu nicht nur Nacktheit in per iMessages (Nachrichten) erhaltenen Medien und in FaceTime-Anrufen, sondern blendet auch gewalttätige oder brutale Inhalte in geteilten Bildern und Videos aus.
Definiert werden kann auch, mit wem Kinder über Nachrichten, FaceTime und Telefon Kontakt haben dürfen. Wenn Kinder mit neuen Kontakten kommunizieren möchten, können Eltern einstellen, dass die Kinder zuerst um Erlaubnis bitten müssen, bevor sie mit jemand Neuem in Verbindung treten.
Apple Intelligence 2 und «Siri AI»
Das grösste Thema der diesjährigen WWDC-Keynote war die nächste Generation von Apple Intelligence – und damit eng verknüpft: «Siri AI», eine gemäss Apple von Grund auf neu entwickelte Version von Siri. Apple beschreibt die neue Architektur als «von Anfang an auf Datenschutz ausgelegt»: Die unterliegenden Foundation Models laufen On-Device (lokal auf dem Gerät) und auf Servern via «Private Cloud Compute», wobei persönliche Daten laut Apple weder gespeichert noch für Apple oder Dritte zugänglich sind.
Wer die erste Präsentation von Apple Intelligence vor zwei Jahren verfolgt hat, wird vieles wieder-erkennen: Kontextverständnis, On-Screen-Awareness und Private Cloud Compute wurden damals bereits demonstriert, dann aber mehrfach verschoben und nie ausgeliefert. Vieles was heute präsentiert wurde, ist im Wesentlichen ein aktualisierter Anlauf – in einer neuen UI verpackt, auf neuer Architektur mit neben Apple Foundation Models auch unterstützenden Gemini-Modellen von Google im Unterbau und erweitert mit noch mehr Intelligenz und Funktionen.
«Siri AI»
«Siri AI» ist der neue Name für eine komplett neu konzipierte Siri. Sie versteht persönlichen Kontext und durchsucht Nachrichten, E-Mails, Fotos und Videos, greift für aktuelle Fragen auf Daten aus dem Web zu und ermöglicht natürliche Folgegespräche.
Systemweit ist Siri AI per Seitenknopf und «Dynamic Island»-Wischgeste (iPhone), über Spotlight und Kontextmenüs (iPad und Mac) sowie direkt vom Handgelenk (Apple Watch) aufrufbar. Siri spricht auch neu und die neue Stimme lässt sich in ihrer Stimmausdruckskraft und Sprechgeschwindigkeit den eigenen Wünschen anpassen.
Neu ist auch eine eigene Siri-App, die Gesprächsverläufe geräteübergreifend via iCloud synchronisiert.
Visual Intelligence – die Objekterkennung in Fotos und Videos – kommt nun auch auf iPad, Mac und Apple Vision Pro. Auf dem iPhone ist ein neuer Siri-Modus direkt in die Kamera-App integriert. Ebenfalls neu: integrierte Schreibwerkzeuge, mit denen «Siri AI» systemweit Texte verfassen und überarbeiten kann – inklusive automatischer Rechtschreibkorrektur auch in Drittanbieter-Apps.
Apple Intelligence in Apps
Neben «Siri AI» bringt Apple Intelligence eine Reihe weiterer Neuerungen: In der Fotos-App etwa ermöglicht «Spatial Reframing» eine eindrückliche nachträgliche Neukomposition von Bildern – quasi ein nachträgliches Verschieben des Aufnahmewinkels; das «Extend»-Werkzeug erweitert Bilder an den Rändern; und das verbesserte «Clean Up» entfernt Störendes noch präziser. Safari organisiert Tabs automatisch nach Themen, überwacht Webseiten auf Änderungen («Notify Me») auch wenn sie geschlossen sind, und erstellt auf Beschreibung in natürlicher Sprache hin persönliche Erweiterungen.
Die «Passwörter»-App kann schwache Passwörter neu vollautomatisch ersetzen – die App meldet sich dazu im Hintergrund am zugehörigen Dienst oder Webseite an und wechselt das Passwort dort selbstständig in ein sicheres.
In Messages (Nachrichten) und Mail schlägt Apple Intelligence kontextbezogene Aktionen vor; «Call Context» blendet bei Anrufen bei Unternehmen relevante Informationen ein – etwa in einer E-Mail gefundene Buchungs- oder Bestellnummern; und «Image Playground» generiert neu auch fotorealistische Bilder.
Verfügbarkeit – und Einschränkungen in der EU
Apple Intelligence und «Siri AI» kommen diesen Herbst mit iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27 und visionOS 27 auf kompatible Geräte – wobei die fortgeschrittenen Funktionen auf neuere Geräte limitiert sind. Deutsch gehört zu den unterstützten Sprachen; wobei «Siri AI» zum Start erst in Englisch verfügbar sein wird.
Für Nutzende innerhalb der 27 EU-Mitgliedstaaten gilt eine erhebliche Einschränkung: Aufgrund des Digital Markets Act (DMA) ist «Siri AI» auf iPhone und iPad in der EU zum Start nicht verfügbar. Apple erklärt, die EU-Regulatoren hätten keinen der vorgeschlagenen Lösungsansätze akzeptiert – darunter auch den «Trusted System Agent», einen Vermittlungsmechanismus, der anderen Sprachassistenten denselben sicheren Zugang ermöglicht hätte wie «Siri AI». Dem Unternehmen zufolge verlangte die EU-Kommission hingegen, dass jedes KI-System nahezu uneingeschränkten Gerätezugang erhält, was Apple aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen ablehnt. Auf Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro ist «Siri AI» in der EU hingegen verfügbar. In China bleibt «Siri AI» vorerst ebenfalls aus, während Apple regulatorische Anforderungen klärt.
Und viel mehr …
Die neuen Systeme bringen noch eine Vielzahl weiterer Neuerungen und Optimierungen mit sich – folgend einige während der Keynote gezeigten Features:
- Über iCloud geteilte Alben können neu plattformübergreifend für Fotofreigaben genutzt werden – also auch mit Windows-Computern oder Android-Geräten; neu unterstützen die «Shared Albums» auch die volle Auflösung ihrer Inhalte.
- In der «Health»-App werden neu auch Perimenopause und Menopause im Zyklusprotokoll unterstützt – dabei gibt es auch Mitteilungen über Zyklusabweichungen, einschliesslich der Perimenopause, so Apple.
- Für AirPods steht mit den neuen Systemen (endlich) ein benutzungsdefinierten EQ zur Verfügung, um den Klang der intelligenten Kopfhörer «weiter zu personalisieren». Ausserdem lassen sich via «GymKit» von Apple die Herzfreqzenzdaten der AirPods Pro 3 über das iPhone synchronisieren.
- Wer eine Apple Vision Pro hat, kann neu auch Panorama-Fotos in eindrückliche räumliche Szenen wandeln. Panoramas können zudem neu als persönliche Environments (Umgebungen) verwendet werden.
- Mithilfe von KI sollen die Luftaufnahmen von Apples FlyOver-Ansicht in der «Maps (Karten)»-App noch detailreichere Visuals ermöglichen und so das Erlebnis weiter verbessern.
- In Messages (Nachrichten) gibt es neu einen Senden-Fortschrittbalken, wenn das Versenden eines Fotos oder Videos mal wieder etwas länger dauert – so ist immerzu sichtbar ohne alles aufzuhalten, wann ein Medien-Inhalt tatsächlich verschickt wurde.
- Sowohl in «Calendar (Kalender)» als auch in «Reminders (Erinnerungen)» können Ereignisse und Erinnerungen mit ganz natürlicher Sprache erstellt und auch bearbeitet werden.
- Mit «Describe an Extension» können eigene Safari-Erweiterungen erstellt werden, indem das gewünschte Ergebnis einfach beschrieben wird.
- Ebenfalls in natürlicher Sprache können neu Shortcuts (Kurzbefehle) – also Automationen von Aktionen – erstellt werden.
- Die «Home»-App bündelt neu zusammengehörige Mitteilungen von Zubehör als eine einzelne Aktivität. Und die App generiert neu Videobeschreibungen automatisch, damit Kameraclips durchsuchbar werden.
Ab Herbst verfügbar
Für die meisten gezeigten Neuerungen gibt es spezielle Developer-API, damit auch Dritt-Apps davon Gebrauch machen können.
Apple hat macOS 27 «Golden Gate», iOS 27 und Co. für den Herbst angekündigt – wohl wird es wieder Mitte September oder im Oktober so weit sein. Bis dahin werden die Systeme in einer Beta-Phase für Developer und ab Juli auch in einem öffentlichen Beta-Programm zum Testen verfügbar sein und stetig weiterentwickelt. Wie gewohnt dürften einige der heute von Apple gezeigten Neuerungen nicht mit den ersten Veröffentlichungen – den 27.0-Versionen – verfügbar sein; die jeweils zur WWDC von Apple gezeigten Neuerungen sind jeweils für das ganze OS-Jahr vorgesehen, gut möglich also, dass einige Features erst mit einem 27-Punkt-Update im Winter oder kommenden Frühling veröffentlicht werden. Wann genau «Siri Ai» auch auf Deutsch verfügbar sein wird, ist beispielsweise bisher nicht bekannt.
Tim Cooks Keynote-Abschied
Bevor die WWDC26-Eröffnungskeynote mit einem App-inspirierten Musik-Video zu Ende gegangen ist, nutzte der scheidende Apple-CEO Tim Cook seinen letzten Keynote-Auftritt für eine kurze Abschieds-Rede:
Für mich persönlich gehörten Veranstaltungen wie diese zu den grössten Höhepunkten meiner Zeit als CEO. Euch allen leistungsstarke neue Tools vorzustellen und dann zu sehen, was ihr damit erschafft, hat mir immer wieder vor Augen geführt, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Im Laufe der Jahre habt ihr Menschen dabei geholfen, auf aussergewöhnliche neue Weise miteinander in Kontakt zu treten, kreativ zu sein, zu lernen und die Welt zu erleben. Angesichts der unglaublichen Funktionen, die wir heute vorgestellt haben – und der vielen weiteren, die noch kommen werden – bin ich fest davon überzeugt, dass das Beste noch vor uns liegt. Bei Apple war es schon immer unser Leitstern, die weltweit besten Produkte zu entwickeln – um Erlebnisse zu schaffen, die das Leben der Menschen bereichern. Es war mir die Ehre meines Lebens, diese Mission gemeinsam mit Teams voranzutreiben, deren Kreativität, Sorgfalt und Überzeugung das Leben der Menschen nachhaltig verändern.
Ab CHF 5.– im Monat
👉🏼 Wir benötigen deine Unterstützung! Unterstütze macprime mit einem freiwilligen Gönner-Abo und mache die Zukunft unseres unabhängigen Apple-Mediums aus der Schweiz mit möglich.
Kommentare
Anmelden um neue Kommentare zu verfassen
Allegra Leser! Nur angemeldete Nutzer können bei diesem Inhalt Kommentare hinterlassen. Jetzt kostenlos registrieren oder mit bestehendem Benutzerprofil anmelden.