Intro Die NeXT-Story
Alte Mac-Hasen werden sich sicher noch an das Comeback von Steve Jobs 1997 erinnern. Damals kaufte Apple die Firma NeXT auf, welche Jobs zwölf Jahre zuvor nach seiner Kündigung bei Apple gegründet hatte. Doch wer war NeXT überhaupt, welche Köpfe steckten dahinter und welche Produkte stellte NeXT her? In der NeXT-Story erfahren Sie die ganze Geschichte dieser beeindruckenden Firma.
Letztes Update am Samstag, 24. März 2007 | Permalink | Social Bookmarking:
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Die NeXT-Story
Juni 1986: Endlich wusste Steve, wie sein neuer Computer aussehen würde!
Paul Rand hatte ihm soeben einen Entwurf vorgelegt. Fast ein ganzes Jahr lang hatte er auf diesen Augenblick gewartet. Er hatte IBM überzeugen müssen, Rand für ihn arbeiten zu lassen. Ausserdem hatte Rand 100’000 Dollar verlangt. 100’000 Dollar, für einen einzigen Entwurf! Im Voraus, versteht sich. Aber jetzt war er sich sicher, seine Geduld hatte sich gelohnt. Noch nie hatte er 100’000 Dollar so gut investiert. Er, Steve Jobs höchstpersönlich, der von Apple verstossen wurde. Nun konnte er seinen Blick kaum mehr von Rands Arbeit lösen, was er sah, faszinierte ihn. Paul Rand hatte zuvor schon das IBM-Logo kreiert. Doch vor seiner neuesten Schöpfung würden all die alten Werke verblassen.
Was Steve Jobs zu sehen bekam, sah aus wie ein grosser schwarzer Würfel. Auf der dem Betrachter zugewandten Seite standen vier farbige Buchstaben in schnörkelloser Schrift: Ein ‘N’, ein ‘e’, ein ‘X’ und ein ‘T’. NeXT. NeXT, das Nächste. So würde er seine neue Firma nennen, das wusste Jobs seit Monaten. Das Logo war perfekt, auch das wusste Jobs. Das herausstechende ‘e’ stand für ‘education’, ‘excellence’, ‘expertise’, ‘exceptional’, ‘excitement’ und ‘e=mc^2’. Das passte genau! Der Würfel als einfacher geometrischer Körper strahlte Schlichtheit, Perfektion, Eleganz und Macht aus. Der Würfel war ein Baustein; ein Baustein auf dem Weg zu hehren Zielen. Das Logo war perfekt, wahrhaftig. Nur leider hatte Steve ein Detail übersehen: Der stolze Würfel stand auf einer einzigen Ecke. Dadurch wirkte er zwar majestätisch und mächtig, doch irgendwann würde er unweigerlich das Gleichgewicht verlieren, umkippen, und auf dem Boden der Realität aufprallen.
Es sollte nur sechs Jahre dauern, bis der Würfel gefallen war.
Im September 1985 hatte Steve Jobs bei Apple sein Kündigungsschreiben eingereicht. Sein Abgang erfolgte nicht freiwillig, aber Jobs zog es vor, selbst zu springen, bevor er gestossen wurde. Damals war Jobs 30 Jahre alt, hinter ihm lag eine Bilderbuchkarriere. 1976 hatte er Apple gegründet, nur vier Jahre später führte er das Unternehmen an die Börse. Steve hatte John Sculley eingestellt, Steve hatte den Macintosh auf den Markt gebracht. Jeder im Lande kannte ihn. Er war ein ganz Grosser. Er hatte den Menschen den Computer gebracht, sein Gesicht strahlte von den Titelseiten der auflagenstärksten Magazine der Welt. Ein halbes Jahr vor seiner Kündigung war Apple in ernsthafte Probleme geschlittert, der Mac verkaufte sich weit schlechter als ursprünglich prognostiziert. Apples Vorstand geriet zur Überzeugung, dass Jobs dem Unternehmen schade. Apple musste die Interessen der Aktionäre bedienen, der charismatische Medienstar Jobs war dabei nur störend. Steve Jobs wollte grosse Taten vollbringen. Er wollte einen Flachbildschirm entwickeln und bat den Vorstand, 20 Millionen Dollar in dieses Forschungsprojekt zu investieren. Der Vorstand lehnte ab, er hatte kein Vertrauen mehr in Jobs.
Schnell war Jobs bewusst geworden, dass seine Zeit bei Apple abgelaufen war. Er hatte die Kontrolle über Apple verloren, er hatte keine Macht mehr. Bald wurde ihm klar, dass er eine neue Firma gründen würde. Die Firma erhielt den provokativen Namen ‘NeXT’. Vorerst nahm sich Steve Jobs eine Auszeit, er musste sich neu sammeln. Er bereiste verschiedene Länder, er suchte neue Ziele. Doch vor allem brauchte er einen Plan, um sich an Apple zu rächen. Er wollte der Welt zeigen, dass der Mac keine Eintagsfliege gewesen war. Sein Erfolg war kein Zufall, er konnte die Welt ein zweites Mal verändern. Und Apple wollte er beweisen, dass sein Rausschmiss ein Fehler gewesen war. Er würde einen besseren Computer als den Mac bauen, einen Computer, mit dem er Apple vom Erdboden fegen konnte.
Jobs gründete NeXT gemeinsam mit einer Reihe von ehemaligen Apple-Mitarbeitern. Mit von der Partie waren Rich Page, George Crow, Bud Tribble, Dan’ L Lewin und Susan Barnes. Einige der Gründer hatten zuvor bei Apple am ‘Big Mac’-Projekt gearbeitet. Ihr Ziel war die Entwicklung eines Computers gewesen, der eine Million Rechenoperationen pro Sekunde abarbeiten konnte und auf dem ein UNIX-System lief. Apple räumte dem Projekt höchste Priorität ein. Als Sculley realisierte, dass seine Angestellten zu NeXT überliefen, verklagte er Jobs’ neues Unternehmen. Doch schon bald wurde ihm die Lächerlichkeit seines Unterfangens bewusst. Wie sollte jemand eine Bedrohung für Apple darstellen, der nur wenige Wochen zuvor als inkompetent abgestempelt wurde? Sculley zog seine Klage still und heimlich zurück.
Unterdessen hatte sich NeXT in Jobs’ Villa in Woodside eingenistet. Einige Zeit später wurde der Firmensitz nach Palo Alto verlagert. Steve hatte entschieden, dass NeXT die Arbeit an einem Computer für das höhere Bildungswesen aufnehmen solle. Für das nötige Startkapital sorgte der Chef gleich selbst, indem er 7 Millionen Dollar in NeXT investierte. Damals besass Steve Jobs noch Apple-Aktien im Wert von 100 Millionen Dollar. Bis im Februar 1986 verkaufte Jobs jedoch sämtliche Aktien zu einem - wie sich im Nachhinein herausstellte - äusserst ungünstigen Kurs. Insgesamt erhielt er lediglich 70 Millionen Dollar für seine vier Millionen Anteilsscheine. Jobs gab an, er habe seine Aktien abgestossen, weil er kein Vertrauen mehr in die Apple-Führung besass. Einen einzigen Anteilsschein behielt Jobs, damit er die Jahresberichte von Apple weiterhin zugeschickt bekam.
NeXT stand von Beginn an im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Steve Jobs kündigte an, seinen Computer spätestens im Frühjahr 1987 auf den Markt zu bringen. Und die Medien trauten es ihm durchaus zu, nach dem Mac einen weiteren Erfolg zu landen. Bereits 1985 veröffentlichte die Newsweek einen ausführlichen Bericht über NeXT. Jobs mochte es überhaupt nicht, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Um einen Computer zu entwickeln, musste Jobs ein Team aus fähigen Mitarbeiten aufbauen. Er suchte nach Leuten, für die er selbst nicht eine Ikone war. Bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern nutzte Jobs seine Bekanntheit gnadenlos aus. Seine Mitbegründer von NeXT hatten zuvor allesamt hohe Posten bei Apple innegehabt. Und trotzdem zögerten sie keine Sekunde, als Jobs ihnen eine neue Arbeit anbot, sie hatten blindes Vertrauen in Steves Fähigkeiten. Die meisten von ihnen waren erst 30 oder jünger, sie alle waren unglaublich talentiert und willensstark. Für Steve sollten nur die besten arbeiten. Jeder Bewerber wurde von Jobs persönlich beurteilt. Dabei spielte Steve mit seinem Charisma, er wirkte unglaublich verführerisch. Auf einmal wollte jeder in seiner Umgebung arbeiten. Jobs konnte es sich leisten, selbst Anfängerposten mit hoch qualifizierten Leuten zu besetzen.
Steve Jobs hatte eine Vision: Sein neuer Computer sollte das Bildungswesen revolutionieren. Seinen Angestellten bot er die verlockende Aussicht, ein Werkzeug für Studenten zu kreieren. Jeder, der an Jobs’ Mission teilnahm, konnte die Zukunft der Gesellschaft lenken. Mit ihrem Computer würde jeder Mensch Simulationen durchführen können, für die zuvor millionenteure Labors nötig waren! Doch bis es soweit war, bestand Jobs auf strikter Geheimhaltung. Im ganzen Silicon Valley begann man zu rätseln, woran genau Steve arbeitete.
Allison Thomas, Beraterin Hinter den Kulissen dauerte es einige Monate, bis die Arbeit am NeXT-Computer in Gang kam. Jobs wollte mit der konkreten Planung erst beginnen, als Apples Klage vom Tisch war. Erst im Februar 1986 zog Sculley die Klage endgültig zurück. In der Zwischenzeit beschäftigte sich Jobs mit dem Gedanken, wie er NeXT zu einem perfekten Unternehmen machen könnte. Verglichen mit der Anfangszeit bei Apple standen die Zeichen jetzt viel besser. NeXT verfügte über alle erdenklichen Ressourcen. Bei Apple hatte alles in einer Garage begonnen, NeXT hingegen stand von Beginn an eine moderne Infrastruktur zur Verfügung. Geld war im Überfluss vorhanden. Und genau das wurde Jobs zum Verhängnis.Wir haben die Arbeit bei Jobs angenommen, weil wir das Bildungswesen revolutionieren wollten. Die Anfänge von NeXT hatten etwas von einer Mission und einem Kreuzzug. Es war so wie damals, als er den ersten Mac erfunden hat.
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