Apple will vermehrt eigene Chips für iPhone und iPad entwickeln

Seit Monatsbeginn häufen sich die Berichte, wonach Apple künftig einzelne iPad- und iPhone-Komponenten vermehrt selber entwickeln möchte. Konkret sollen bald Grafikeinheiten, Display- und Power-Management-Chips aus den Labors von Apple statt von Lieferanten in den iOS-Geräten verbaut werden.

Stefan Rechsteiner

Die Aktien des britischen Grafikchip-Herstellers Imagination Technologies stürzten Anfang April an einem Tag um fast 70 Prozent ab. Schuld am Kurssturz war eine Mitteilung des Unternehmens, man werde Apple als Kunde verlieren. Der iPhone-Hersteller habe sich demnach dazu entschieden, innerhalb der nächsten 15 bis 24 Monaten auf Imagination Technologies als Zulieferer von Grafikchips für die Apple-Geräte zu verzichten.

Eigene Grafik-Chips von Apple

Apple habe sich zu diesem Schritt entschlossen, so das britische Unternehmen in der Mitteilung, weil der Technologie-Gigant künftig eigene Grafik-Chips entwicklen will. Der Chip-Hersteller bezweifelt aber, dass Apple dies gelingen wird ohne dass die Patente, das geistige Eigentum und geheime Informationen von Imagination und deren PowerVR-Technologie missbraucht werden.

Apple ist seit mindestens 2008 ein Lizenznehmer und auch Teilhaber der britischen Firma. Mitte 2009 vergrösserte Apple seinen Anteil an der Firma auf 10 Prozent. Im vergangenen Jahr gab es hartnäckige Gerüchte über eine komplette Übernahme des Chip-Herstellers durch die Mac-Company. Die Briten fuhren 2016 massive Verluste ein und mussten im Zuge laufender Umstrukturierungen Angestellte entlassen. Zu einer Übernahme ist es nicht gekommen, stattdessen haben verschiedene Grafik-Experten von Imagination zu Apple gewechselt. Der Wegfall von Apple als Kunde dürfte Imagination noch weiter vor Probleme stellen. Auch andere Hersteller nutzen die PowerVR-Grafikeinheiten von Imagination, Apple ist aber mit grossem Abstand der grösste Kunde des britischen Unternehmens.

Im vergangenen Jahr hat Apple 60.7 Millionen Pfund (76.45 Millionen Schweizer Franken) an Lizenzgebühren an Imagination bezahlt. In diesem Jahr dürften es dem Unternehmen zufolge sogar etwa 65 Millionen Pfund (fast 82 Millionen Franken) sein.

Neuesten Gerüchten zufolge könnte Apple bereits im für das iPhone des nächsten Jahres erwarteten «A12»-SoC eine eigene Grafikkomponente verbauen.

Schon länger eigene Prozessoren

Im Frühling 2010 lancierte Apple im ersten iPad seinen ersten selbst entwickelten Prozessor. Der «A4» fand im Herbst auch seinen Weg in das iPhone 4 — seither gibt es von Apple keine neuen iOS-Geräte mehr ohne eigens entwickelte hochfortschritliche Mobil-Prozessoren. Damals entschloss sich Apple zu diesem Schritt, um eine grössere Unabhängigkeit von den Zulieferern zu erhalten und um noch gezielter auf die eigenen Bedürfnisse hin zu entwickeln. Das selbe Ziel dürfte Apple nun auch bei den Grafikchips anstreben. Gerüchte um von Apple entwickelte Grafik-Einheiten für iPhone und iPad gibt es schon länger.

Power-Management- und Display-Chips

Ein ähnliches Schicksal wie jenes der Imagination-Aktie hat letzte Woche auch der Kurs von Apples langjährigem Power-Management-Chip-Zulieferer «Dialog Semiconductor» ereilt. Vergangenen Montag stürzte der Aktienkurs des Unternehmens auf den niedrigsten Wert seit 16 Jahren ab. Der Grund ist ein ähnlicher: der Bankhaus-Lampe-Analystin Karsten Iltgen zufolge werde Apple über kurz oder lang seine Abhängigkeit vom britisch-deutschen Zulieferer markant verkleinern. Es gäbe «spezifische Pläne», dass Apple ab 2019 in iPhone und iPad selbst-entwickelte Power-Management-Chips einsetzen wird. In München und Kalifornien baue der Mac-Hersteller dazu eigene Design-Zentren für Power-Management-Chips auf. Angeblich sollen bereits 80 Apple-Ingenieure an solchen Chips arbeiten.

Und zu guter Letzt berichteten Analysten der Credit Suisse vor Ostern, dass Apple auch bald eigene Display-Steuerungs-Chips entwickeln werde — dies auf Kosten des Lieferanten Synaptics.

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