Nokia präsentiert Karten-App für iOS

Nachdem Apple mit dem Launch der neuen Karten-App in iOS 6 ein Desaster erlebte, boomten entsprechende Apps von Drittanbietern. In einem offenen Brief entschuldigte sich damals Tim Cook für den Fehler und empfahl gleichzeitig Apps von Drittanbietern wie Google oder Nokia. Nokia hat nun angekündigt, dass man den eigenen Kartendienst plattformunabhängiger anbieten will. Dazu hat Nokia die Marke «HERE» eintragen lassen.

Überraschend ist, dass Nokia eine spezielle App für iOS-Geräte auf den Markt bringen wird. Diese beinhaltet unter anderem eine Fussgängernavigation, Informationen zum öffentlichen Verkehr sowie die Möglichkeit der Offline-Nutzung. Vor allem die Möglichkeit der Offline-Nutzung der Karten entspricht einem grossen Kundenbedürfnis und wurde in allen bisherigen iOS-Karten vermisst. Basieren wird die App auf HTML5. Erscheinen wird die App in den kommenden Wochen im iOS App Store.

Gegenüber der New York Times sagte Nokias CEO Stephen Elop, dass die Karten von Nokia konkurrenzfähig sein müssen. Um diese Konkurrenzfähigkeit zu erreichen, braucht es viele Kunden, welche mit ihrer Nutzung zur Qualitätsverbesserung beitragen. Mit dem Launch einer iOS-App verschafft sich Nokia Zugang zu mehreren hundert Millionen potenziellen Kunden. Damit könnte die Position von Nokia auf dem Karten-Markt weiter gestärkt werden. Zum Argument, dass nun die eigenen «Lumia»-Smartphones nicht mehr so attraktiv seien, entgegnet der Nokia CEO, dass man immer noch die Möglichkeit habe, exklusive Dienstleistungen den eigenen Smartphones vorzubehalten.

Nokias Vorstoss setzt wiederum Google unter Druck. Der Konzern arbeitet angeblich an einer eigenen App, welche jedoch nicht vor Jahresende erwartet wird. Eric Schmidt meinte dazu, dass man zuerst die definitive Zusage von Apple braucht, dass eine Google Karten-App zugelassen wird, bevor man mit der Entwicklung beginnt. Gleichzeitig verbessert auch Apple die eigene Karten App ständig weiter. Je länger aber grosse Verbesserungen ausbleiben, desto eher gewöhnen sich die Kunden an die alternativen Karten-Lösungen. Damit könnte Apple gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten.

Von Patrick Bieri
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