Preis-Fixierung und eingeschränkter Wettbewerb: Apple wird in Frankreich zu Milliarden-Busse verurteilt

Apple wurde gestern von der Französischen Kartellbehörde «Autorité de la Concurrence» aufgrund wettbewerbswidrigen Verhaltens in seinem Vertriebsnetz und Missbrauchs der wirtschaftlichen Abhängigkeit seiner Wiederverkäufer zu einer Strafe von 1.1 Milliarden Euro verurteilt.

Stefan Rechsteiner

Ursprung war ein Streit zwischen Apple und einem seiner führenden Händlern im Land – eBizcuss. Das Unternehmen warf Apple vor, dass der Mac-Hersteller seine Position missbraucht habe. 2012 musste der Händler seine Tore schliessen, angeblich aufgrund unlauteren Wettbewerbs seitens Apple.

Wie die Französische Wettbewerbsbehörde verlauten liess, würden die Mitglieder des «Apple Premium Reseller»-Programms – wie auch eBizcuss einer war – von Apple jeweils im Vorab erfahren, wie viel Stück eines Produktes sie für ihre Verkaufsläden erhalten werden. Apple soll den Händlern «vorgeschlagene Preise» kommuniziert haben und die Werbe-Materialien, die die Verkäufer nutzen dürfen, stark eingegrenzt vorgegeben haben.

Die Behörde will von einem Händler erfahren haben, welcher eine Werbekampagne gefahren hatte, die Apple nicht gefiel – der Mac-Hersteller soll diesem Händler in der Folge die Lieferungen gekürzt haben. Dieser Vorfall habe den Preiswettbewerb laut der Behörde um die Hälfte des Einzelhandelsmarktes für Apple-Produkte in Frankreich beschränkt.

Die Kartellbehörde habe ausserdem herausgefunden, dass Apple die Lieferungen an Premium-Reseller in Zeiten grosser Nachfrage zurückgefahren habe, um interessierte Käufer gezielt in die hauseigenen Verkaufsläden zu locken. Wie die Behörde weiter ausführte, wusste Apple, dass eine Angebotsknappheit für die Händler fatal sein könnte, weil diese mit einer sehr dünnen Gewinnmarge operieren mussten.

Apple will Einspruch gegen das Urteil einlegen und den Entscheid der Behörde anfechten – das Urteil sei «entmutigend» und das Unternehmen sei «überhaupt nicht damit einverstanden», so ein Apple-Sprecher. Die Behörde beziehe sich «auf Praktiken von vor mehr als einem Jahrzehnt» und «verwerfe einen 30 Jahre alten Präzedenzfall», auf welchen sich «alle Unternehmen in Frankreich» verlassen. Die Entscheidung werde nun bei Unternehmen aller Branchen «Chaos verursachen».

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