Apple 27-Zoll iMac Core i5

In diesem Sommer feierte Apples iMac seinen zwölften Geburtstag. Keine andere Rechnerlinie aus der aktuellen Mac-Palette ist auch nur annähernd so alt. Dies beweist, dass das All-in-one-Konzept des iMacs auch heute noch zeitgemäss ist. In Apples Augen entspricht der iMac dem idealen Desktop-Computer für die breite Masse. Doch wie gut sind die aktuellen Modelle wirklich? Wir haben das High-End-Modell der neuen iMac-Serie zum Test antraben lassen.

Daniel Aeschlimann

Alle aktuellen iMacs besitzen Prozessoren aus der Intel-Core-i-Serie und vier Gigabyte Speicher des Typs 1333 MHz DDR3 SDRAM. Maximal werden 16 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt. Unser Testrechner besass einen Prozessor des Typs Intel Core i5 mit vier Prozessorkernen und acht Megabyte L3-Cache. Die Grafikkarte stammt von AMD, zum Einsatz kommt eine ATI Radeon HD 5750 mit einem Gigabyte GDDR5-Videospeicher. Das Display misst in der Diagonale stolze 27 Zoll (knapp 69 cm), besitzt ein Seitenverhältnis von 16:9 und eine Auflösung von 2560 auf 1440 Pixel. Zur Standardausstattung zählen überdies eine Festplatte mit einem Terabyte Speicherkapazität, ein Double-Layer-SuperDrive mit achtfacher Brenngeschwindigkeit, eine iSight, ein SD-Kartenslot, Unterstützung für AirPort Extreme 802.11n und Bluetooth 2.1+EDR, ein eingebautes Mikrofon sowie die integrierten Lautsprecher. Neben je einem optisch/digitalen Audioein- und Ausgang besitzt der iMac einen Gigabit-Ethernet-Port, einen Mini DisplayPort sowie einen Firewire-800- und vier USB-Anschlüsse. In einem Punkt wich unser Testgerät von der Standardkonfiguration ab. Zusätzlich zur normalen Festplatte war ein Solid State Drive mit 256 GB Speicherkapazität verbaut. Im Apple Store kostet ein iMac mit dieser Konfiguration 3’374 Schweizer Franken.

In der Verpackung befinden sich neben dem iMac eine Magic Mouse, ein Wireless Keyboard, ein Netzkabel, ein Reinigungstuch sowie die Installations-DVDs samt der zugehörigen Dokumentation.

Eleganz in Perfektion

Äusserlich unterscheiden sich die neuen iMacs nicht von jenen Modellen, welche Apple Ende 2009 eingeführt hatte. Und das ist durchaus positiv zu werten. Über die Jahre hinweg hat Apple das All-in-one-Design des iMacs Schritt für Schritt in unzähligen Details verbessert. So nah an der optischen Perfektion wie der aktuelle iMac war wohl noch kaum einmal ein Mac-Modell.
Auf den ersten Blick beeindruckt der iMac primär durch seine Grösse. Das Display nimmt bis auf einem schmalen Streifen am unteren Gehäuserand die gesamte Frontpartie des iMacs in Anspruch. Der iMac ist zwar nicht grösser als ein handelsübliches 27-Zoll-Display, mit einer Breite von 65 Zentimetern nimmt er aber einiges an Platz in Anspruch. Die Displayoberkante liegt rund einen halben Meter über der Schreibtischfläche.

Trotz dieser Masse besticht der iMac nach wie vor durch sein elegantes Erscheinungsbild. Schon bei der Einführung des ersten 20-Zoll-iMacs dachten viele, mit dieser Grösse sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Und als Apple später ein 24-Zoll-Modell präsentierte, dachte endgültig niemand mehr an iMacs mit noch grösseren Displays.

Rückblickend lässt sich folgendes festhalten: Der 27-Zoll-iMac ist der vielleicht schönste iMac, den es je gab. Im direkten Vergleich wirken ältere 20- und 24-Zoll-iMacs, insbesondere jene mit weissem Kunststoffgehäuse, beinahe schon klobig. Trotz seiner Grösse weiss der iMac des Jahres 2010 durch stimmige Proportionen und optische Leichtigkeit zu gefallen.

Gross und stark

Die Grösse des iMacs steht sinnbildlich für seine Veränderung. Präsentierten sich die ersten iMac-Generationen noch reichlich verspielt, reduzierte Apple das iMac-Design spätestens seit dem iMac G5 auf puristische Schlichtheit. Während die Eleganz erhalten blieb, wich die Verspieltheit des Designs einem gewissen Mass an Seriosität. Mit seinem stabilen Alugehäuse, der mächtigen Glasfront und dem riesigen Display präsentiert sich der iMac als gross und stark - zwei Attribute, die jahrelang als unvereinbar mit der einstigen Knuddeloptik des iMacs galten.

Doch das Selbstbewusstsein des iMacs kommt nicht von ungefähr. Hinter dem stolzen Display versteckt sich ein Rechner, der auch anspruchsvolle Aufgaben mit demonstrativer Leichtigkeit meistert. Sämtliche Schlüsselkomponenten entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Der verbaute Prozessor besitzt vier Kerne mit einem Takt von 2.8 Gigahertz und unterstützt Intels Turbo-Boost-Technologie. Diese Technologie ermöglicht das Deaktivieren nicht verwendeter Kerne bei gleichzeitiger Anhebung der Taktfrequenz der übrigen Kerne. Im Gegensatz zu den in den günstigeren iMac-Modellen verbauten Core-i3-Chips unterstützt der Core i5 jedoch kein Hyper Threading, das heisst er arbeitet nicht mit zusätzlichen virtuellen Prozessorkernen. Dass das Vorhandensein von vier echten Prozessorkernen ein signifikanter Vorteil ist, zeigt der Vergleich mit einem aktuellen MacBook Pro Core i5 2.4 Gigahertz (Dual-Core-CPU mit Hyper Threading). Um ein QuickTime-Video zu konvertieren, benötigt das MacBook Pro über 40 Prozent länger als der iMac. Selbst unter voller Rechenlast bleibt der iMac angenehm ruhig, auch wenn das Gehäuse spürbar warm wird. Wer auf das letzte Quäntchen Performance aus ist, kann den iMac gegen einen Aufpreis von 260 Schweizer Franken überdies mit einem 2.93 Gigahertz schnellen Core-i7-Prozessor ausstatten.

Auch die Grafik weiss zu überzeugen. Apple hatte noch nie eine High-End-Grafikkarte in einem iMac verbaut, daran hat sich auch mit der aktuellen Modellpalette nichts geändert. Trotzdem besitzen sämtliche Modelle eine dedizierte Grafikkarte, was heutzutage alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Die Radeon HD 5750 unseres Testrechners ist eine solide Mittelklasse-GPU, welche für beinahe alle Anwendungsbereiche genügend Leistungsreserven besitzt. Für einmal zeigte sich Apple auch beim Videospeicher grosszügig, der Radeon-Grafik steht ein volles Gigabyte an Speicher zur Verfügung. Mit dieser Grafikkarte lassen sich sämtliche aktuellen Mac-Spiele in guter Grafikqualität flüssig spielen.

Einen grossen Beitrag zur subjektiv gefühlten Performance liefert das Solid State Drive. Dieses verkürzt die Startzeit des iMacs deutlich und sorgt für rasend schnelle Programmstarts. Das SSD spielt seine Stärken gegenüber einer konventionellen Festplatte insbesondere bei Lesevorgängen aus. Die maximal erreichbaren Datenraten liegen bei über 200 Megabyte pro Sekunde, verglichen mit rund 120 MB/s bei der im iMac verbauten Festplatte. Beim Umgang mit kleinen Dateien ist das SSD sogar bis zu fünf Mal so schnell wie die Festplatte.
Aufgrund des hohen Aufpreises und der verhältnismässig geringen Kapazität gelten Solid State Drives nach wie vor als Luxusausstattung mit umstrittenem Mehrwert. Apples Entscheidung, das optionale SSD im iMac zusätzlich zur Festplatte (und nicht als Festplatten-Ersatz) anzubieten, macht den Einsatz eines SSDs definitiv attraktiver. Wer mit einem SSD liebäugelt, sollte sich jedoch überlegen, allenfalls ein anderes Modell als das von Apple angebotene zu verbauen. Einige Hersteller bieten SSDs mit noch deutlich höheren Datenraten an.

Mindestens ebenso lohnenswert dürfte eine Investition in zusätzlichen Arbeitsspeicher sein. Vier Gigabyte RAM sind für den Anfang zwar ausreichend, bei vielen offenen Programmen wird der verfügbare Speicher aber schnell knapp. Da nur zwei der vier Speicherslots ab Werk belegt sind, lässt sich der Arbeitsspeicher aufrüsten, ohne dass die vorhandenen Speicherriegel entfernt werden müssten. Empfehlenswert sind mindestens acht Gigabyte Speicher, wobei es durchaus auch mehr sein darf.

Überzeugendes Display

Neben der reinen Rechenleistung bildet auch die Displayqualität ein Schlüsselkriterium für oder gegen den Kauf eines iMacs. Zwar verbaut Apple dieselben Panels wie in den iMacs aus dem Herbst 2009, dennoch sind die Fortschritte gegenüber den Displays älterer iMac-Generationen beeindruckend. Sämtliche iMacs besitzen eine LED-Hintergrundbeleuchtung, was eine ausgeglichene Helligkeitsverteilung garantiert. Ausserdem sind die Panels mit der so genannten In-Plane-Switching-Technologie (IPS) ausgerüstet. Mithilfe dieser Technologie wird sichergestellt, dass die Farben auch bei schiefem Betrachtungswinkel korrekt dargestellt werden.
Verglichen mit den ersten Alu-iMacs konnte Apple die Qualität der Displays durch den Einsatz höherwertiger Panels massiv verbessern. Die vereinzelte Kritik an der durch die Glasscheibe erzeugten Reflexionen wird auch bei den aktuellen iMacs anhalten, in den Augen einer Mehrheit der Anwender dürfte das Display aber alle Ansprüche erfüllen.

Fazit

Von allen Desktop-Macs verkauft sich der iMac mit Abstand am besten. Wer einmal einen aktuellen iMacs benutzt hat, weiss auch wieso. Der iMac ist ein Computer, der sehr viele Dinge sehr gut beherrscht. Sämtliche Modelle besitzen zeitgemässe Prozessoren, gute Displays und ordentliche Grafikkarten. All das ist verpackt in einem eleganten Aluminiumkleid und wird zusätzlich aufgewertet durch das vorinstallierte Softwarepaket bestehend aus Mac OS X Snow Leopard und iLife.

Von den einstigen Nachteilen des All-in-one-Konzeptes ist nicht mehr viel zu sehen. Die verbauten Displays brauchen sich vor externen Bildschirmen nicht zu verstecken. Und auch die Leistungsfähigkeit des iMacs ist eines Desktopcomputers durchaus würdig. Auch an den Preisen gibt es nichts auszusetzen, sofern man sich mit der Tatsache abfindet, dass sich Apple mit dem iMac längst aus dem Tiefpreissegment zurückgezogen hat. Man muss ziemlich weit suchen, um allfällige Schwachpunkte beim iMac auszumachen. Am ehesten wäre der Apple-typisch knapp bemessene Arbeitsspeicher zu nennen. Der Einbau von zusätzlichem Speicher lässt sich aber problemlos bewerkstelligen, mit der Unterstützung von bis zu 16 Gigabyte RAM erfüllt der iMac auch die Bedürfnisse von anspruchsvollen Kunden. Neben dem eher knappen Speicher gelten die Hochglanzdisplays sowie die fehlende Blu-ray-Unterstützung als einzige nennenswerte Schwachpunkte, wobei diese von der überwiegenden Mehrheit der Käufer kaum wahrgenommen werden dürften.

Alles in allem ist der iMac in seiner aktuellen Form absolut empfehlenswert. Die Unterschiede zur Vorgängergeneration sind zwar nicht gross, entsprechen aber einer soliden Modellpflege. Für alle, die auf einen leistungsfähigen und vielseitig einsetzbaren Desktop-Mac angewiesen sind und dabei auf die Erweiterungsmöglichkeiten des Mac Pro verzichten können, stellt der iMac eine ideale Wahl dar.

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