iPod nano 4G

Apple hat mit dem neuen iPod nano einen neuen, ultraflachen iPod geschaffen, der nicht nur äusserlich, sondern auch durch seine Funktionen überzeugt.

Stefan Rechsteiner

Design

Das erste, was einem beim Design des neuen iPod nanos auffällt: er ist unglaublich dünn. Es ist erstaunlich, was man heutzutage in einem so dünnen Gehäuse alles unterbringen kann. Die Farben, in denen der iPod nano angeboten wird, wirken allesamt sehr satt und lebendig - wer sich nicht schon im Voraus auf eine spezielle Farbe eingeschworen hat, dem dürfte die Auswahl nicht leicht fallen, denn alle Farben (Pink, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Violett, Schwarz und Silber) passen wunderbar zum Gerät. Sehr edel anzusehen ist das schwarze Modell, welches einen gar wünschen lässt, dass Apple auch Macs in schwarz-gefärbtem Aluminium herstellen möge. Für unserer Review haben wir uns für das blaue Modell (sogar fast macprime.ch-Blau) entschieden.

Die Verarbeitung ist sehr gut. Das ganze Gerät befindet in einem aus einem Stück bestehenden Aluminium-Mantel, wodurch der iPod nano sehr stabil ist. Gleichzeitig kommt er auch ohne Übergänge zu anderen Materialien aus. Die Verschlüsse oben und unten sind aus weissem Kunststoff. Oben befindet sich der kleine Hold-Schalter mit gut zwei Millimetern Durchmesser. Am unteren Ende wurden wie gewohnt der Dock- und der Kopfhöreranschluss platziert. Die Diagonale des Displays beträgt zwei Zoll beziehungsweise 5.08 Zentimeter - damit wurde das selbe Display in den neuen iPod nano eingebaut, wie bereits im quadratischen iPod nano 3G zu finden war. Das Display ist im Hochformat angebracht, wird aber zum Beispiel bei CoverFlow, Fotos, Games oder Filmen primär waagrecht genutzt, wodurch sich das Display in ‘widescreen’ präsentiert. Das Display selbst ist, wie das ganze Gerät, leicht gebogen, der iPod nano besitzt über seine gesamte Länge einen ovalen Querschnitt. Das gebogene Display sieht zudem sehr gut aus, störende Lichtreflexionen sind dank der Wölbung kaum zu sehen.
Gegenüber dem grossen Display scheint das ClickWheel winzig. Dennoch lässt es sich auch mit grossen Fingern sehr gut bedienen, da der Select-Button in der Mitte die normale Grösse beibehielt.

System

Das überarbeitete iPod-System kann sich sehen lassen. Apple hat den Screen bei einigen Ansichten und Menüs so aufgeteilt, dass die neue Höhe des Displays mit Menü-Punkten sowie zusätzlichen Informationen genutzt werden kann. Zuerst kommt die Menüleiste, wie sie bereits aus früheren iPod-Systemen bekannt ist (rechts Batteriestatus, Play/Pause etc.), darunter folgen z.B. auf dem Startscreen acht Menüpunkte. Noch weiter unten werden je nach ausgewähltem Menüpunkt sich vorbeibewegende Cover («Musik»), Filmplakate («Videos»), Fotos (…«Fotos»), Podcast-Covers («Podcasts») oder Spiele-Screenshots («Extra») angezeigt. Bei den Einstellungen wird der Name des iPods sowie der noch freie Speicherplatz mit einem Statusbalken angezeigt. Unter «Zufällige Titel» kann zudem schnell kontrolliert werden, wie viele Titel sich auf dem iPod nano befinden. Last but not least werden, sofern gerade ein Titel abgespielt wird oder pausiert ist, dessen Cover, Titel, das zugehörige Album und der Interpret angezeigt. Die Anzeigen in der untern Hälfte sind dabei ähnlich jenen des iPod nanos der dritten Generation.

Musik

«It’s all about the Music»: Die eigentliche Musik-Funktionalität des iPod nanos hat mit dem neuen System grosso-modo zwei Neuheiten zu bieten. Zuerst aber zu den neuen «Ansichten». Der neue iPod nano verfügt erstmals über einen Beschleunigungssensor, der die aktuelle Ausrichtung des iPod nanos erkennt. So ist es möglich, dass wenn man den iPod nano beim Startscreen oder jederzeit im «Musik»-Menü in die Horizontale neigt, das Menü in die CoverFlow-Ansicht wechselt. Hier lassen sich dann die Covers mittels ClickWheel durchblättern, dabei erscheint zur Navigationshilfe jeweils der Anfangsbuchstabe der aktuellen Alben, so dass man schneller nach Alphabet durch die Alben blättern kann. Dabei wird, obwohl der nano in der Waagerechte ist, das ClickWheel nicht mit gedreht, d.h. die Menü-Taste bleibt die Menütaste, Play/Pause bleibt Play/Pause und so weiter.

Durch das neue, hohe Display wurden auch informativere Titel- und Alben-Listen möglich. Die Auflistungen der Alben und Hörbücher zum Beispiel zeigen rechts das Cover und links gross den Albumtitel und darunter den Albuminterpret. Dito die Titelliste, wobei dort nur Song-Titel und Interpret, jedoch nicht das Albumcover angezeigt werden (wohl zur visuellen Abgrenzung von der Albumliste). Die Genreliste zeigt neu neben dem Genretitel auch die Anzahl dazugehöriger Interpreten und Alben an.
Wird ein Titel abgespielt, wird neu das ganze Cover ohne darüberfliessende Schrift angezeigt. Infos wie Titel, Interpret, Fortschrittsbalken, Lautstärke, Bewertung et cetera werden unterhalb des Covers eingeblendet. Wird die Select-Taste (Mitteltaste) länger gedrückt, erscheint über dem Cover ein Menü mit weiteren Funktionen. Bei Hörbüchern lässt sich hier die Geschwindigkeit einstellen, ohne (wie bisher) den Abspielscreen verlassen zu müssen. Bei Musikstücken lassen sich dadurch Titel direkt einer On-the-go-Wiedergabeliste hinzufügen, auch kann man direkt in der Musik-Bibliothek nach dem Album oder dem Interpreten des gerade ausgewählten Titels suchen. Weiter lässt sich hier die Genius-Funktion benutzen: Eine der zwei angesprochenen «grösseren» Neuheiten ist Genius, welches mit iTunes 8 eingeführt wurde und auch direkt auf dem iPod funktioniert. Dabei funktioniert Genius auf dem iPod sehr ähnlich wie in iTunes selber. Wird Genius bei einem laufenden Titel ausgewählt, wird eine Genius-Wiedergabeliste angelegt, welche Titel enthält, die dem gerade gespielten Titel ähnlich sind. So lassen sich einfach, automatisch und «on the go» Wiedergabelisten erstellen, die Titel mit ähnlicher Musik enthalten. Diese so angelegte Liste erscheint danach im Menü «Musik: Genius». Hier kann die Liste jederzeit aktualisiert und gespeichert werden. Wird eine Genius-Liste gespeichert, so wird diese in der Wiedergabeliste-Übersicht mit einem Genius-Icon versehen. So kann dort sehr einfach zwischen intelligenten Wiedergabelisten, normalen Wiedergabelisten und Genius-Listen unterschieden werden.
Die zweite «grössere» Neuheit im Menü «Musik» betrifft die Suche. Neu ist es nämlich möglich, eine getätigte Suche temporär zu speichern. Die getätigte Suche ist auch beim nächsten Aufruf der Suche noch aktiv und kann weiter benutzt werden. Auch hier wurde an der Anzeige gefeilt, so werden die Suchresultate live beim Tippen angezeigt und dabei Titel, Interpreten und Alben mit entsprechenden Icons unterschieden. Dies macht das Suchen um einiges komfortabler.

Videos und Fotos

Bei den Videos hat sich wenig getan. Ausser der Albumlisten-ähnlichen neuen Auflistung von Filmen, TV-Shows und Musikvideos (mit Cover, Titel, Dauer etc.) ist hier mehr oder weniger alles beim Alten geblieben. Gleiches trifft auf die Fotos zu. Die verschiedenen Alben werden nun mit einem Zufalls-Foto aus dem Album geschmückt und unterhalb des Album-Titels wird die Anzahl Fotos angezeigt. Die Fotomatrix wurde dem neuen Overall-Design des Systems angepasst, sonst blieb aber auch hier alles beim Alten. Interessant bei den Fotos ist natürlich der Ausrichtungs-Sensor, welcher die Fotos dreht, sobald der iPod nano selber gedreht wird.

Extras

Die Extras kommen allesamt neu gestaltet daher. So ist es beispielsweise beim Kalender nun durch das hohe Display möglich, unterhalb des Kalenders auch die entsprechenden Termine anzeigen zu lassen.
Dem neuen iPod nano wird auch ein neues Spiel namens «Maze» beigelegt, welches wohl vor allem die Möglichkeiten des integrierten Beschleunigungssensors demonstrieren soll. Es handelt sich dabei um eine Art Brett-Labyrinth, bei dem eine Kugel durch das Labyrinth manövriert werden muss. Das Spiel läuft zwar flüssig, jedoch fühlen sich die Kugelbewegungen etwas träge an.

Einstellungen

Auch in den Einstellungen wurde einiges visuell aufgebessert. So zum Beispiel «Über», welches auf drei Screens den benutzten Speicherplatz (aufgeteilt nach Musik, Video, Fotos etc.), die Anzahl Titel, Kontakte etc. sowie Seriennummer, Versionsnummer usw. anzeigt.

Bedienungshilfen

Eine grosse Neuerung sind die gesprochenen Menüs als Bedienungshilfe. Diese lassen sich über iTunes aktivieren. Leider spricht keine der OS X beigelegten Stimmen (auch die sehr gute Stimme «Alex» in Leopard) Deutsch, wodurch die Menüs nur in Englisch wirklich gut vorgelesen werden. Die Installation der Stimmen dauert ein paar Sekungen. Vorgelesen werden alle Menüs, Titel, Interpreten, Film-Titel und so weiter.

Sprachmemos

Wird ein Kopfhörer mit Mikrofon mit dem iPod nano verbunden (z.B. die iPhone-Kopfhörer oder die neuen In-Ear-Kopfhörer), dann erscheint ein neuer Menüpunkt «Sprachmemos». Hier können Sprachmemos über das Mikrofon aufgenommen werden. Die Aufnahme kann pausiert und später fortgesetzt und gespeichert werden. Den gespeicherten Aufnahmen lassen sich vordefinierte Etiketten zuweisen, beispielsweise «Interview», «Vortrag» oder «Idee». Sämtliche Aufnahmen können jederzeit abgespielt und gelöscht werden. Es ist auch möglich, alle Aufnahmen auf einmal zu löschen. Während dem Aufnehmen können der Aufnahme auch Kapitel zugewiesen werden, was später das Abspielen vereinfacht (z.B. bei der Aufnahme eines Vortrages) - dazu drückt man einfach während dem Aufnehmen die Mitteltaste und schon wird eine Kapitel-Markierung gesetzt. Die Qualität der Aufnahmen ist sehr gut - erstaunlicherweise auch wenn die Person, die spricht, sich nicht direkt am Mikrofon befindet (Test-Mikrofon: Mic im iPhone-Kopfhörer).

«Shake it»

Eine nette Funktion ist «Shake to shuffle»: Schüttelt man den iPod nano während dem Musikabspielen, wechselt dieser in den Shuffle-Modus und wählt zufällig ein neues Lied. Nett! :-)

Batterielaufzeit

Die Batterielauftzeit dieses kleinen Kerls ist verblüffend. Apple proklamiert 24 Stunden Akkulaufzeit für Musik bei voller Ladung. Mehrere Tests von uns haben gezeigt, dass der iPod zwischen 28 und 33 Stunden Audio bei voller Lautstärke abspielt. Bei Videos haben wir eine Akkulaufzeit (ebenfalls bei voller Lautstärke und Standard-Displayhelligkeit) von 3.5 bis 5.75 Stunden festgestellt - Apples Angabe: 4 Stunden.

Preis

Für CHF 229.– ist ein 8-GB-Modell und für CHF 299.– ein 16-GB-Modell erhältlich. In unseren Augen gute Angebote zu guten Preisen.

Fazit

Der iPod nano 4G ist der beste, dünnste und sexieste iPod, den wir bisher gesehen haben. Der einzige Wunsch, der beim iPod nano 4G offen bleibt: mehr Speicherplatz!