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FBI hackt Attentäter-iPhone ohne Apples Hilfe — Gerichtliche Anordnung zurückgezogen

1 Kommentar — Veröffentlicht am Dienstag, 29. März 2016, um 06:46 Uhr von Stefan Rechsteiner

Vor einer Woche nahm der Fall «Apple vs. FBI» kurz vor dem grossen Showdown eine überraschende Wendung. Die Behörden wollen mithilfe einer Dritt-Firma das iPhone selbst hacken. Heute nun informieren die Ermittlungsbehörden, dass der Hack erfolgreich war. Der Fall um das iPhone von San-Bernardino-Attentäter Farook ist damit vorerst vom Tisch.

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Eigentlich hätte es vor einer Woche vor Gericht zum Showdown kommen sollen. Die öffentliche Anhörung wurde dann aber kurzfristig durch das FBI «auf unbestimmt» vertagt. Eine «Dritt-Partei» habe den Behörden eine «mögliche Methode» zur Entsperrung des Gerätes angeboten. Die Behörden wollten nun herausfinden, ob das Gerät womöglich nun doch auch ohne Apples Hilfe gehackt werden kann. Bis zum 5. April wollten sich die Behörden dazu Zeit lassen — bis dann würde dem Gericht mitgeteilt, ob der Fall weiterverfolgt wird oder eben nicht mehr.

Während der Karwoche wurde dann bekannt, dass die Ermittlungsbehörden dazu auf die isrealische Sicherheitsfirma «Cellebrite» zurückgreifen werden. Die Firma ist auf das Auslesen von Daten von Mobilgeräten spezialisiert und bietet ihre Dienstleistungen weltweit an Strafverfolgungsbehörden an. Cellebrite kann laut eigener Aussage auch bestimmte iPhones und iPads mit iOS 8 knacken — dies ohne Eingriff auf die Hardware und ohne dass es zu einer Datenlöschung kommen soll, so die Firma. Cellebrite könne dies jedoch nur bei älteren Geräten — sprich solchen ohne Touch ID. Das iPhone 5c von Attentäter Farook gehört entsprechend zu. Da auf Farooks iPhone iOS 9 läuft, dürfte Cellebrite entsprechend auch ältere Geräte mit dem neuen System knacken können.

iPhone gehackt

Wie das FBI nun in der Nacht auf heute bekannt gegeben hat, verlief der Hack offensichtlich erfolgreich. Die Ermittlungsbehörden haben mitgeteilt, dass man nun Zugriff auf die Daten des iPhones habe. Die Hilfe des Technologie-Riesen werde «nicht länger benötigt». Das FBI beantragte dazu das US-Justizdepartement, dass der gerichtliche Befehl gegen Apple aufgehoben wird — die zuständige Bundesanwältin Eileen Decker erklärte in der Folge den entsprechenden Ermittlungsschritt für abgeschlossen.

Apples Stellungnahme

In einer Stellungnahme erklärt Apple, dass man sich von Beginn an dagegen wiedersetzt habe, eine Hintertüre in das iPhone einzubauen weil das Unternehmen dies für Falsch hält und es einen gefährlichen Präzedenzfall setzen würde. Dazu sei es nun nicht gekommen. Der Fall hätte aber erst gar nie zustande kommen dürfen, so Apple. Das Unternehmen werde den Ermittlungsbehörden auch weiterhin, wie bereits bisher, so weit helfen, wie es dem Unternehmen möglich sei. Gleichzeitig werde es aber auch die Sicherheit seiner Produkte immerzu weiter verbessern und abriegeln. Apple glaube fest daran, dass Kunden in den USA und rund um den Globus Datenverschlüsselung, Sicherheit und Privatsphäre «verdienen». «Das Eine für das Andere zu opfern» führe die Bürger und die Länder nur «in eine grössere Unsicherheit».

Apple fordert weiterhin eine nationale Diskussion rund um zivile Freiheiten und das Recht auf Sicherheit und Privatsphäre — dafür stelle sich das Unternehmen gerne zur Verfügung.

Wird Schwachstelle publik gemacht?

Aktuell ist unklar, ob Apple herauszufinden kann, auf welche Weise das iPhone von der israelischen Firma geknackt wurde. Seit vergangener Woche wird darüber gerätselt, ob das FBI Apple über die Schwachstelle informieren muss, über welches Cellebrite das Gerät gehackt hat. Handelt es sich dabei um eine Sicherheitslücke, dann — so zumindest die Meinung einiger Experten — müsste diese von einem Gremium der US-Regierung geprüft werden. Dieses Gremium entscheidet in der Folge, ob die Schwachstelle geheim gehalten wird, sodass die Behörden sie weiter ausnutzen können, oder aber der Hersteller des Systems für die Sicherheit der Nutzer darüber informiert wird. Laut einigen Experten sind die Behörden dazu aber nicht verpflichtet wenn die Schwachstellen nicht einfach zu missbrauchen seien. Ausserdem habe die Regierung bisher immerzu den Grossteil — die Rede ist von etwa 98 Prozent — der durch sie entdeckten Sicherheitslücken offengelegt.

Kategorie: Apple
Tags: Apple, Datenschutz, FBI, iOS, iPhone, iPhone 5c, Privatsphäre, Sicherheit, USA

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1 Kommentar

Kommentar von dkaiser (#29356)

1. iPhone durch Apple einmalig entsperren lassen
2. Den Speicherinhalt auf einen zweiten Chip oder zweites Gerät kopieren
3. Die 1. paar Codeeingaben tätigen bis Sperrung eintritt
4. Den Speicherinhalt erneut kopieren
5. Die nächsten Codeeingaben machen
6. Wiederholen bis sich das Gerät entsperrt

Das ganze automatisiert ausführen und für die möglichen 10000 Passwörter etwas Zeit mit sich bringen.

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