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iPhone Konkurrenz: RIM zeigt BlackBerry 10

Veröffentlicht am Freitag, 04. Mai 2012, um 13:00 Uhr von Stefan Rechsteiner

Am Dienstag präsentierte das in die Kriese gerutschte kanadische Unternehmen Research In Motion — RIM — in Florida ihre nächste Smartphone-Generation: «BlackBerry 10». Das neue Betriebssystem aus dem Hause RIM soll noch dieses Jahr mit neuen BlackBerry-Geräten auf den Markt kommen. RIM hat dazu noch kein Datum genannt. In der Branche vermutet man einen Launch zwischen August und Oktober dieses Jahres. Das am Dienstag an der «BlackBerry World» gezeigte Smartphone und dessen Betriebssystem sind vorerst nur eine Vorschau auf RIMs künftiges System.

Mit «BlackBerry 10 Dev Alpha» konnten BB-Entwickler nach der Vorstellung jedoch bereits ein Prototyp-Gerät mit Alpha-Software mitnehmen. RIM möchte damit das Interesse der Entwickler an der neuen Plattform-Version wecken und hofft, dass die Entwickler so bereits zum Start des neuen OS später in diesem Jahr zahlreiche Softwaretitel über den BlackBerry Store «BlackBerry App World» anbieten werden.

10’000 US-Dollar garantiert

RIMs Versuche, die App-Entwickler von der Plattform zu überzeugen gehen aber noch weiter: Der BlackBerry-Hersteller garantiert App-Entwicklern einen Mindestumsatz von 10’000 US-Dollar im ersten Jahr — wird dieser nicht erreicht, zahlt RIM dem Entwickler die Differenz aus. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Qualität der App geprüft und die App in die BlackBerry App World aufgenommen wurde. Desweiteren muss die App durch Downloads aus dem Store mindestens 1000 US-Dollar generiert haben. RIM ist mit diesem Vorgehen nicht alleine, auch Microsoft verspricht Entwicklern Ähnliches wenn diese für Windows Phone entwickeln. RIM sieht diese Garantie denn auch eher als «Vertrauenserklärung» an die Entwickler.

«BlackBerry 10 Dev Alpha»

Das gezeigte und verteilte Smartphone darf denn auch nicht als finales neues BlackBerry betrachtet werden — obwohl sich die technischen Spezifikationen nicht verstecken müssen: das «BlackBerry 10 Dev Alpha»-Gerät verfügt über ein hochauflösendes 4.2 Zoll Display mit 1280 mal 768 Pixel (IPS-Panel, wahrscheinlich Gorilla Glas) und natürlich WLAN und Bluetooth sowie Anschlüsse wie microHDMI und microUSB. Vom Äussern her ähnelt es stark dem iPhone, jedoch verfügt das Alpha-Gerät über keine physischen Tasten auf der Vorderseite: Unterhalb des Displays prangt ein grosses BlackBerry-Logo. Erste Entwickler melden jedoch, dass das Gerät durchwegs abgespeckt sei, so könne mit dem Gerät weder telefoniert werden, noch könne es mit WLAN-Nezten verbunden werden. Auch beim vorinstallierten Betriebssystem handelt es sich noch nicht um die finale Version von «BlackBerry 10» — insbesondere die Benutzeroberfläche sei noch nicht ganz fertig, so RIM.

Neues Betriebssystem

Der deutsche CEO Thorsten Heins war sichtlich stolz auf die neuen Errungenschaften des kanadischen Unternehmens: Die neue Betriebssystemversion kommt in einem neuen Look daher — es ist eigenständig, doch erinnert es stark an die Kachel-Oberfläche von Windows Phone und zeigt hier und dort auch Parallelen zu Android. RIM fokussiert bei der neuen Benutzeroberfläche stark auf Touch-Gesten um zwischen und innerhalb der Apps zu navigieren. Heins sagte während seiner Keynote: «It’s all about ‘flow’». Der Homescreen besteht aus vier Kacheln, welche Informationen über das Wetter und aus dem Kalender oder einzelne Fotos aus der eigenen Library zeigen. Unterhalb dieser vier Kacheln hat es eine Direktzugriff-Leiste mit drei Icons für das Telefon, eine Suche und die Kamera. Nachdem eine App aufgestartet wurde, kann man jederzeit durch ein Swipe nach oben zurück auf den Homescreen gelangen. Ein Swipe vom rechten Rand nach Links bringt die vom PlayBook bereits bekannte, «Noficiation Center»-ähnliche Ansicht zum Vorschein, auf der man seine verpassen Anrufe, ungelesenen E-Mails, SMS etc. einsehen kann.

Apps in «BlackBerry 10» sollen jederzeit vollends laufen — auch wenn sie im Hintergrund sind. Damit soll «echtes Multitasking» garantiert werden, die Apps sollen also nicht pausiert werden, wenn eine andere App geöffnet wird. Durch ein Swipe nach Rechts wechselt man von einer laufenden App zu anderen. Wischt man mit dem Finger nur wenig nach Rechts, erscheint eine kleine Vorschau des nächsten, im Hintergrund laufenden Apps, bevor man dann ganz auf diese App wechseln kann.

Auch bei der Tastatur hat sich RIM für BlackBerry etwas spezielles einfallen lassen: während dem Tippen werden mögliche Wörter, die man schreiben möchte, nicht wie von iOS oder Android gewohnt direkt im Text oder oberhalb der Tastatur vorgeschlagen, sondern gleich bei den jeweiligen Buchstaben. Vorgeschlagene Wörter können so direkt beim entsprechenden Buchstaben durch wischen nach oben übernommen werden.

Neue Kamera-App

Am meisten Aufsehen erregte indes eine Funktion der neuen Kamera-App von BlackBerry 10. Die neue Kamera-App ist mit einer «Rewind»-Funktion ausgerüstet, die vor und nach dem eigentlichen Fotografieren weitere Fotos aufzeichnet. Durch diese Funktion sollen «perfekte Gruppenfotos» möglich werden. Blickt eine Person auf dem Foto nicht gerade vorteilhaft oder hat eine Person die Augen just im Augenblick der Fotoaufnahme geschlossen, kann durch die restlichen Fotos gestöbert werden und das ‘perfekte’ Foto ausgewählt werden. Die Kamera-App setzt die Fotos dann gekonnt zusammen. Interessant: bei dieser Funktion dürfte RIM auf eine Technologie von der schwedischen Firma Scalado zurückgreifen, welche eben diese «Rewind»-Funktion bereits vor einem Jahr (mit fast identischer Benutzeroberfläche) vorgestellt hatte. Scalado dürfte diese Technologie auch anderen Herstellern lizenziert haben, sodass «das grösste Highlight von BlackBerry 10» unter Umständen bald auch auf anderen Plattformen verfügbar sein dürfte.

Zukunft

Es bleibt spannend, wie sich RIM mit BlackBerry in der von Apples und Samsung bzw. iOS und Android beherrschten Smartphone-Branche in Zukunft behaupten wird. Während einige in RIM bereits «das nächste Palm» sehen, ist RIM-Verwaltungsrat Prem Watsa davon überzeugt, dass RIM es wieder zurück in die Gewinnzone schaffen wird — bis dahin dürften jedoch, so Watsa, noch drei bis fünf Jahre ins Land streichen.

Aufzeichnung des BlackBerry-10-Events (ab ca. 8:30 folgt der Abschnitt mit der neuen Kamera-App)
Bericht von TheVerge über den BlackBerry-10-Event

Kategorie: Hardware
Tags: Android, BlackBerry, BlackBerry 10, BlackBerry 10 Dev Alpha, Deutschland, Florida, iOS, iPhone, Kamera, Kanada, Microsoft, Research In Motion, RIM, Samsung, Scalado, Schweiz, Software, Thorsten Heins, USA, Windows

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