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Kampf gegen Kinderpornografie — Wie weit soll Privatsphäre eingeschränkt werden?

4 Kommentare — Veröffentlicht am Freitag, 15. August 2014, um 09:42 Uhr von Patrick Bieri

Die US-Justiz konnte einem Mann den Besitz von Kinderpornografie nachweisen, weil Google den Mail-Eingang aller Nutzer automatisch durchsucht. Die Verhaftung des Mannes ist ein grosser Erfolg im Kampf gegen den Kindesmissbrauch. Trotzdem stellen sich komplexe Fragen: wie weit dürfen Internet-Konzerne ihre Nutzer durchleuchten? Wer entscheidet, welche Erkenntnisse an die Behörden weitergegeben werden? Sollen alle technischen Möglichkeiten ergriffen werden, um Verbrechen zu bekämpfen?

In den letzten Monaten wurden mehrere Fälle bekannt, in welchen Internet-Konzerne den Strafverfolgungs-Behörden Hinweise auf Kinderpornografie lieferten. In einem Fall informierte Google die US-Behörden über einen Mann, der über sein Gmail-Konto kinderpornografische Bilder verschickt hatte. In einem zweiten Fall hatte ein Mann entsprechende Bilder bei OneDrive von Microsoft gespeichert.

Die beiden Fälle zeigen exemplarisch, wie stark die Internet-Nutzer heute durchleuchtet werden. Aufgrund von automatischen Such-Algorithmen ist es den Internet-Konzernen möglich, das Verhalten der Nutzer zu überwachen.

Mit der Eröffnung eines Google-Kontos bzw. dem Akzeptieren von Googles Geschäftsbedingungen erteilt der Nutzer dem Suchmaschinen-Riesen die Erlaubnis, den Posteingang zu durchsuchen. Diese Funktion war ursprünglich zur Schaltung von personalisierter Werbung gedacht. Heute ist der Einsatzbereich grösser. Auch Microsoft hat mittlerweile verlauten lassen, dass man die Mail-Postfächer entsprechend durchsuche.

Die Meinungsfreiheit endet beim Kindesmissbrauch

Googles Chefjurist Dave Drummond hat in einem Beitrag die Grenzen der Meinungs- und Informationsfreiheit klar definiert. Seiner Ansicht nach endet die Meinungsfreiheit dann, wenn es um den Missbrauch von Kindern geht. Damit legitimiert er Googles Politik zur Weitergabe von Informationen, wenn ein Verdacht auf Kindesmissbrauch vorliegt.

Auch Googles Verwaltungsratspräsident Eric Schmidt stützt die Haltung des Unternehmens-Juristen. Schmidt erklärte im letzten Jahr, dass Google Technologien entwickle, um «das Problem [den Kindesmissbrauch] zu bekämpfen».

Freiwilliger Kampf gegen Kinderpornografie

Google wäre in den USA nicht dazu verpflichtet, aktiv nach illegalen Inhalten zu suchen. Wenn das Unternehmen Hinweise auf illegale Inhalte erhält, dann muss es die zuständigen Behörden informieren.

Google hat sich bewusst dazu entschlossen, im Kampf gegen Kinderpornografie mehr zu tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Bei anderen Verbrechen hat sich Google bewusst gegen dieses Vorgehen entschieden.

Schweizer Stimmbürger wollen Kinder schützen

Die von Google gezogene Grenze dürfte auch in der Schweiz auf Zustimmung stossen. Die Schweizer Stimmbevölkerung hat in den letzten Jahren immer wieder klar gemacht, dass sie Kinder vor Übergriffen schützen will. Dem Eingriff in die Grundrechte der Täter wurde damit bewusst zugestimmt.

Weitreichender Eingriff in Privatsphäre

Google scheint sich in seiner Rolle als Hilfspolizist selbst nicht wohl zu fühlen: das Unternehmen meldet den Behörden nur Fälle von Kinderpornografie. Andere Verbrechen, wie Mord oder Drogenhandel, werden den Behörden nicht gemeldet.

Googles Vorgehen kollidiert mit der Erwartung der Nutzer, dass die übermittelten Informationen privat bleiben. Die Nutzer haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass der Posteingang automatisch durchsucht wird, um personalisierte Werbung zu schalten. Dass die Informationen auch genutzt werden, um Verbrechen aufzuklären, stellt einen weitreichenderen Eingriff dar.

Datenschutz bleibt wichtig

Googles Vorgehen zeigt, welche technischen Möglichkeiten zur Verbrechensbekämpfung vorhanden sind. Mit einer grossflächigen Überwachung könnten einige Verbrechen schneller aufgeklärt werden. Diese höhere Erfolgsrate bei der Verbrechensbekämpfung müsste allerdings teuer erkauft werden: die Privatsphäre aller Nutzer würde stark eingeschränkt.

Diejenigen, welche ihre Verbrechen vertuschen möchten, hätten trotz einer verstärkten Überwachung die Möglichkeit, über gesicherte Kanäle zu kommunizieren. Die vorsichtigeren Verbrecher könnten sich der Massenüberwachung entziehen, während die Freiheit der Bevölkerungs-Mehrheit eingeschränkt würde.

Die Bevölkerung erachtet die Privatsphäre weiterhin als sehr wichtig. Der vom Bund geplante Ausbau der Überwachungs-Möglichkeiten stösst deshalb auf Kritik.

Schutz der Schwächsten

Google wird die eigenen Anstrengungen zur Verbrechensbekämpfung wohl nicht ausbauen. Bei Google ist man sich wahrscheinlich bewusst, dass der Einbezug von weiteren Verbrechen zu einer lückenlosen Überwachung führen könnte.

Der Kampf gegen Kindesmissbrauch ist allerdings ein wichtiger Schritt des Suchmaschinen-Konzerns. Das Unternehmen schützt mit der gezielten Überwachung die Schwächsten der Gesellschaft: unsere Kinder.

Kategorie: Internet
Tags: Datenschutz, Google, Internet, Kinderpornografie, Microsoft, Pornographie, Schweiz, Strafe, Technologien, USA

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4 Kommentare

Kommentar von Robin (#28155)

Ich finde diese Vorgehensweise von Google (und anderen Unternehmen) einen Skandal. Die Unternehmen stellen es so hin als würden sie etwas gutes tun und polieren auf kosten von Datenschutz ihr eigenes Image auf.
Es mag ja sehr ehrenhaft sein das man ein System aufbaut das gegen gewisse Materialien arbeitet, Google (und andere Unternehmen) dürfen jedoch bei weitem nicht die Macht bekommen mit diesen Informationen zu handeln, geschweige denn diese Informationen sprichwörtlich zu petzen. Und niemand kann mir sagen das Google alle gesammelten Daten einfach verschenkt. Genau das ist doch Googles Kerngeschäft… Der Verkauf von Informationen.

Das sie einst sagten, sie durchsuchen Inhalte von Mails um Werbung zu schalten, das war schon ein bisschen kritisch… Das sie sich nun erlauben auch über den Tellerrand hinauszublicken (bis hin zu den Geräten die man so im Haushalt hat), ist nicht mehr akzeptabel.

Und wer glaubt, es betrifft ja nur Google Mail und Android… Nein. Überlegt mal ganz genau wo Google inzwischen überall seine Finger drin hat und damit auch die Option zu analysieren, was DU gerade so machst. Nehmen wir hier z.B. mal das Stichworte Chromecast. Der kleine und sehr preiswerte HDMI Stick für das TV Gerät. Was wenn Google plötzlich lust bekommt die geklauten Filme aus dem Internet der Polizei zu melden?
Wenn man nämlich sein ehrenhaftes Ziel erreicht hat, Kinderpornos aus dem Netz zu verbannen (was im Grunde wohl unmöglich sein dürfte), dann wird einem schnell langweilig weil kein Geld mehr reinkommt und man findet ganz neue Ideen. Und weil damals schon keiner etwas gesagt hat, kann man ja noch einen ganzen Schritt weitergehen. Schließlich sind alle die Filme aus dem Netz klauen grundsätzlich böse Menschen die nichts anderes tun als klauen. Oder wenn jemand ein Ballerspiel spielt, ist er ja vielleicht ein potentieller Mörder?

Minority Report lässt grüßen. Meine Konsequenz dieser Aktion von Google ist, dass ich mich zunehmend von den Angeboten die Google mir so liefert, verabschiede. Seien es bequeme Logins über mein Google Profil, mein E-Mail Verkehr über Google und normale Logins die ich mit meiner Google Mailadresse erledigt habe worüber dann ggf. auch Mails an mich gingen für Benachrichtigungen wie Bestellbestätigungen.

Ich hoffe nur das Apple nicht den gleichen Mist treibt. Jedenfalls nicht in diesem Umfang. Das auch sie Informationen sammeln, dass ist auch mir bewusst.

Kommentar von Patrick Bieri (#28157)

@Robin: es gibt im Moment keine Hinweise darauf, dass Google auch andere Verbrechen «petzen» wird. Die technischen Möglichkeiten, die Google und anderen IT-Konzernen zur Verfügung stehen, bereiten allerdings sorgen.
Dass Google und andere IT-Konzerne kinderpornografische Inhalte melden, lässt sich wohl nicht mehr rückgängig machen. Die Ausweitung auf andere Verbrechen dürfte bei den Nutzern allerdings auf grossen Widerstand stossen. Im Kampf gegen Kindsmissbrauch/Kinderpornografie scheint die Bevölkerung bereit zu sein, stärker in die Freiheitsrechte der Täter und der Bevölkerung einzugreifen als bei anderen Verbrechen.

Möglicherweise werden die Behörden in Zukunft die IT-Konzerne vermehrt dazu auffordern, ihre Erkenntnisse weiterzuleiten. Die vorhandenen Daten wecken nicht nur bei den IT-Konzernen, sondern auch bei den Behörden Begehrlichkeiten.
Dann bewegen wir uns allerdings auf eine Gesellschaft zu, in welcher die Privatsphäre ausgeschaltet wäre: jeder müsste ständig damit rechnen, überwacht zu werden.

Dass Google so mächtig geworden ist, ist auch auf die Bequemlichkeit der Nutzer zurückzuführen — mit der Bündelung der Daten wird die Internet-Nutzung einfacher, dafür ist die Überwachung auch umfassender.

Kommentar von Robin (#28158)

@ Mc Urs
Danke :-)

@ Patrick
Wie ich schon in meinem Beitrag sagte, ist dieser eine Schritt schon zu viel und du scheinst ja bereits ein Auge zu zu drücken, weil man ja gegen Kinderpornos arbeitet.
Doch warum darf Google (und andere) plötzlich bestimmten welche Messlatte festgelegt wird, wenn es um Kriminalität geht und ab wann es absolut legitim ist, einfach alles zu durchforsten und weiterzugeben? Ich dachte diese Aufgabe obliegt der Justiz?

Hier geht es einfach nicht mehr um Mitleid der Betroffenen oder besserer Prävention, sondern der Suche nach einem Alibi nach dem Motto: “Ich darf nun alles durchsuchen weil ich nur gutes tu wenn ich Kinderpornos auf einen Index packe” und dem großen Geldgewinn.

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