Intels Probleme mit 10nm: «Cannon Lake»-Prozessoren erneut verschoben

Die Ausbeute bei Intels ersten 10nm-Prozessoren ist nach wie vor zu gering für eine Massenproduktion. Der Halbleiterhersteller muss deshalb die Markteinführung der neuen «Cannon Lake»-CPU erneut verschieben. Zwar liefert Intel bereits heute eine kleine Anzahl an 10nm-Chips an einen unbekannten Abnehmer, die Produktion in grosser Menge wird nun aber in das Jahr 2019 verschoben, statt wie zuletzt geplant per Ende dieses Jahres.

Ursprünglich waren die Cannon-Lake-Prozessoren für 2016 geplant. Intel bekundet aber grosse Mühe mit dem neuem 10-Nanometer-Herstellungsprozess. Konkurrenten TSMC und Samsung haben bereits 10nm-CPU auf dem Markt – beispielsweise der von Apple entwickelte und von TSMC produzierte «A11 Bionic» in den aktuellen iPhone-Modellen. Intel selbst sieht seine 10nm-Technologie jener der Konkurrenz überlegen. Bis Intel die Massenproduktion von 10nm-Prozessoren aufnehmen kann, dürften TSMC und Samsung aber bereits mit 8nm produzieren. Bis auf Weiteres wird Intel nun auf Chips der achten Core-Generation «Coffee Lake» setzen. Bei diesen 14-Nanometer-CPU konnte der Chip-Hersteller laut eigenen Angaben die Leistung seit ihrer ersten Einführung um 70 Prozent steigern.

Für Apple wären die 10nm-«Cannon Lake»-Prozessoren insbesondere auch deshalb interessant, weil diese LPDDR4-Speicherbausteine unterstützen, womit MacBook-Pro-Modelle mit bis zu 32 GB Arbeitsspeicher möglich wären, ohne dass Apple bei den Laptops auf die energietechnisch ineffizienteren DDR4-Speicher setzen müsste. Aktuell sind die Mac-Laptops deshalb auf 16 GB Arbeitsspeicher limitiert. Aufgrund der erneuten 10nm-Verschiebung wird die Wahrscheinlichkeit grösser, dass in diesem Jahr nochmals MacBook-Modelle mit Coffee-Lake-Prozessoren auf den Markt kommen werden. Aufgefrischte 14nm-Modelle hat Intel erst Anfang Monat lanciert.

Bekanntgeben musste das Unternehmen diese erneute Verschiebung der Cannon-Lake-Prozessoren während seiner Quartalszahlen-Konferenz. Intel konnte dort ansonsten aber auch gute Neuigkeiten vorweisen, denn mit einem Umsatz von 16.1 Milliarden US-Dollar und 4.5 Milliarden US-Dollar Gewinn konnte der Halbleiterhersteller neue Unternehmens-Rekorde aufstellen und den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent steigern.

Von Stefan Rechsteiner
Veröffentlicht am