MacBook Pro mit «PROLED XDR»-Display: Weitere Details

Mit dem «MacBook Pro mit ‹PROLED XDR›-Display» hat Apple gestern seinen ersten Mac mit Touchscreen vorgestellt. Mittlerweile sind weitere Details bekannt geworden – dazu, wie sich macOS mit Fingern bedienen lässt, zum Tandem-OLED-Display, zu Speicher, Sound und dem zurückgekehrten leuchtenden Apple-Logo. Und Apples Führungsriege hat erklärt, weshalb der Konzern nach über einem Jahrzehnt der Ablehnung nun doch auf Touch am Mac setzt. Eine Übersicht.

Stefan Rechsteiner

Inhaltsverzeichnis

  1. Touch und macOS

  2. Display

  3. Speicher, Sound, Logo und Preis

  4. Für Entwicklerinnen und Entwickler

  5. Warum jetzt? Apple-Führung zur Touch-Kehrtwende

  6. Erste Eindrücke

Gestern hat Apple am «Pro and tell»-Event in Los Angeles das neue MacBook Pro mit OLED-Touchscreen und Dynamic Island vorgestellt. Folgend weitere Details, die seither bekannt geworden sind.

Touch und macOS

Berührungen werden zu Klicks

Grundsätzlich übersetzt macOS jede Berührung in einen Klick, wie Apple erklärt hat. Bestehende Apps sollen so ohne Anpassung per Finger bedienbar sein – vom Scrollen einer Webseite über das Zoomen in ein Foto bis zum Verschieben von Folien zwischen Präsentationen. Ein Doppeltipp auf ein Fenster lässt dieses den Bildschirm füllen. Optisch bleibt macOS indes weitgehend unverändert; eine eigentliche Touch-Oberfläche gibt es nicht.

Menüleiste und Fensterknöpfe wachsen mit

Phil Schiller, damals Marketingchef von Apple, hatte 2016 argumentiert, Touch am Mac würde bedeuten, die Menüleiste komplett für Finger umzugestalten: Die Menüleiste etwa sieht aus wie bisher, fährt ein Finger jedoch über einen Menüeintrag, vergrössert sich dieser für eine präzisere Auswahl. Ebenso werden die drei farbigen Schaltflächen oben links bei jedem Fenster bei Berührung grösser – die Auswahl erfolgt dann per Tippen.

Die reagierenden Fenster-Schaltflächen von macOS (*Neil Cybart* auf X)

Dock und Dynamic Island per Wischgeste

Ein Wisch vom unteren Bildschirmrand nach oben blendet ein ausgeblendetes Dock ein. Die Dynamic Island lässt sich nach unten ziehen und öffnet sich dann zu einem schwebenden, Widget-artigen Fenster mit Zugriff auf Siri-Antworten und die Spotlight-Suche.

Wie im Vorstellungs-Artikel erwähnt, zieht Spotlight allerdings nur dann in die Dynamic Island um, wenn «Siri AI» verfügbar und aktiviert ist – ansonsten bleibt die Suche am bisherigen Ort.

Weitere Touch-Anpassungen mit macOS 27.2

Bereits seit macOS 27 «Golden Gate» unterstützen Safari, Mail und Kalender das von iPhone und iPad bekannte «Pull-to-Refresh (Ziehen zum Aktualisieren)» – und über «Sidecar» lässt sich macOS auf dem iPad-Bildschirm per Finger bedienen.

Mit macOS 27.2 kommen touch-spezifische Gesten in Safari, Notizen, Fotos und der «Quick Look (Übersicht)» hinzu. Im Finder zeigt etwa das Menü zum Bearbeiten von Tags bei Fingerbedienung grössere Abstände zwischen den Einträgen, im Kalender erscheinen runde Anfass-Schaltflächen, um die Dauer eines Termins anzupassen.

Scharnier, Kühlung und Beschichtung

Damit der Touchscreen im Alltag funktioniert, hat Apple auch an der Hardware gearbeitet: Ein verstärktes Scharnier soll den Bildschirm beim Tippen stabil halten. Eine überarbeitete Kühlarchitektur verhindere derweil, dass sich das Display warm anfühlt. Dank einer speziellen Entspiegelungsschicht soll der Bildschirm zudem trotz häufigem Berühren nicht öfter gereinigt werden müssen als ein herkömmliches Notebook-Display.

Bildstabilisierung bei Videocalls

Wackelt das Display beim Antippen trotzdem, gleicht die Kamera dies bei Videoanrufen in Echtzeit per Bildstabilisierung aus, informiert Apple.

Display

16.3 statt 16.2 Zoll

Dank schmalerer Ränder als beim bisherigen MacBook Pro wächst die Diagonale beim grossen Modell von 16.2 auf 16.3 Zoll; beim 14-Zoll-Modell bleibt es bei 14.2 Zoll.

Exklusive Referenzmodi und Werkskalibrierung

Nur das «PROLED XDR»-Display bietet Referenzmodi für «Adobe RGB» (D50 und D65), «HDR Photography» sowie zwei DICOM-Modi für die medizinische Bildgebung (350 und 600 nits).

Die P3-Modi laufen mit bis zu 2000 statt 1600 nits beim regulären MacBook Pro.

Apple kalibriert jedes Panel ab Werk auf Leuchtdichte, Weisspunkt und Farbraum; der Farbraum soll gegenüber dem Mini-LED-Display vor allem in den Grün- und Cyan-Bereichen deutlich breiter sein und über 80 Prozent von «Rec. 2020» abdecken.

Display-Engine gegen Einbrennen

Die Display-Engine steuert Farbe und Helligkeit jedes einzelnen Pixels im Sub-Millisekunden-Bereich und berücksichtigt dabei Inhalt, Temperatur, Umgebung sowie Alter und Nutzung jedes Pixels. Damit soll der Alterung der organischen Pixel und dem Einbrennen entgegengewirkt werden. Die 2000 nits Helligkeit sind übrigens ein Spitzenwert – auch bei SDR-Inhalten in heller Umgebung – und kein Dauerwert.

Mehr Details zum Display hat Apple in einem technischen Whitepaper (PDF) zusammengefasst.

Speicher, Sound, Logo und Preis

Bis zu 16 TB Speicher

Wie im Vorstellungs-Artikel bereits erwähnt, fasst das neue MacBook Pro bis zu 16 statt wie bisher 8 Terabyte Speicherplatz. Das hat seinen Preis: Beim «M5 Max»-Modell kostet das Upgrade von 2 auf 16 TB 7000 Schweizer Franken resp. 7700 Euro oder 7000 US-Dollar, jenes auf 8 TB «nur» 3000 Franken resp. 3300 Euro oder 3000 US-Dollar.

Neue Lautsprecher, eigene Abstimmung für geschlossenen Deckel

Apple hat sowohl die Tief- als auch die Hochtöner des Sechs-Lautsprecher-Systems neu entwickelt – neben dem um 50 Prozent tieferen Bass sollen die Hochtöner dank veränderter Schallverteilung für mehr Klarheit sorgen.

Neu ist zudem eine eigene Klangabstimmung für den Betrieb mit geschlossenem Deckel, etwa wenn das MacBook Pro an einem externen Monitor hängt und die eingebauten Lautsprecher weiter genutzt werden.

Das leuchtende Apple-Logo ist zurück

Erstmals seit rund zehn Jahren leuchtet bei einem Apple-Notebook wieder das Apple-Logo auf dem Deckel. Dessen Helligkeit ist an jene des Displays gekoppelt, wie beispielsweise ein Hands-on-Video des YouTubers Judner Aura zeigt.

«This MacBook Pro Display Is Ridiculous!» (UrAvgConsumer)

Und: Das Leuchten des Logos soll sich abschalten lassen.

Warum Apple das Leuchtlogo einst abgeschafft hatte, hat der Konzern nie öffentlich erklärt.

Voll ausgebaut für 14’449 Franken

Mit 16-Zoll-Display, Nanotexturglas, «M5 Max» mit 18-Core-CPU und 40-Core-GPU, 128 GB Arbeitsspeicher und 16 TB SSD kostet das neue MacBook Pro 14’449 Franken resp. 16’264 Euro oder 14’549 US-Dollar. Bei diesem Preis ist übrigens in Europa kein Netzteil dabei – bei der US-Version schon.

Beim Einstiegsmodell beträgt der Aufpreis gegenüber dem weiterhin erhältlichen «normalen» MacBook Pro mit Mini-LED-Display übrigens 400 Franken.

Für Entwicklerinnen und Entwickler

Videos und Group Labs

Auf der neuen Developer-Seite «Get ready for Touch on Mac» hat Apple drei Videos veröffentlicht: «Design for Touch on Mac», «Bring Touch to your Mac app» und «Bring Live Activities to Mac». In zwei Online-«Group Labs» beantworten Apple-Ingenieurinnen und -Designer zudem Fragen zur Optimierung von Apps für Touch – sie finden am 18. November von 18 bis 19 Uhr und am 20. November von 3 bis 4 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) statt.

Eine Beta zu Xcode 27.3 sowie Dokumentation und Design-Ressourcen zu Touch-Bedienmustern sollen «bald» folgen, so Apple.

Design-Ressourcen

Im «Design Resources»-Portal von Apple stehen bereits Vorlagen des neuen MacBook Pro zum Download bereit – transparente PNG-Bilder in beiden Farben und verschiedenen Grössen sowie Photoshop-Dateien mit maskierter Displayfläche.

iOS-Simulator per Touch

Praktisch für App-Entwickelnde: iOS-Apps im Simulator von Xcode lassen sich auf dem neuen MacBook Pro direkt per Finger bedienen.

Warum jetzt? Apple-Führung zur Touch-Kehrtwende

«Wer hätte das gedacht?»

In einem Interview mit Steven Levy vom US-Magazin Wired hat sich der seit September amtierende Apple-CEO John Ternus zum ersten Touch-Mac geäussert. Auf die Frage, ob Apple damit ein lange gepflegtes Tabu breche, antwortete er schlicht: «Who knew? (Wer hätte das gedacht?)». Ternus betont, der Mac bleibe «first and foremost an indirect input device, built around the trackpad and keyboard (in erster Linie ein Gerät für indirekte Eingaben, gebaut rund um Trackpad und Tastatur)». Es gebe aber Momente, in denen Touch bequem und praktisch sei. Apple habe warten müssen, bis Touch das Produkt «in keiner Weise» schlechter mache: Das Gerät sei dadurch weder schwerer noch dicker geworden. Das OLED-Display bezeichnet Ternus als das beste, das Apple je in einem Mac verbaut habe – «all of these things, and, oh yeah, it has touch as well (all diese Dinge – und ach ja, Touch hat es auch)».

Srouji und Joswiak

Hardware-Chef Johny Srouji verweist auf die Fortschritte bei Display-Technologie, eigenen Chips und Software: Seit den oben genannten Aussagen von Schiller sei viel Zeit vergangen – «ten years is a very, very long time (zehn Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit)». Marketingchef Greg Joswiak sieht derweil eine Nachfrage von Profis wie Ingenieurinnen, Wissenschaftlern, Software-Entwickelnden und Medienschaffenden, die seit Jahren direkt mit dem Bildschirm interagieren wollten: «Most pros own an iPad, and almost every pro owns an iPhone (Die meisten Profis besitzen ein iPad, und fast jeder Profi ein iPhone)». Zudem gebe es eine Generation junger Kreativer, die beim MacBook Pro Touch schlicht erwarte.

Jobs’ «Arm, der abfällt»

Die Kehrtwende ist bemerkenswert: Steve Jobs hatte Touch an Notebooks 2010 (bei der Vorstellung von Mac OS X 10.7 Lion) als «ergonomically terrible (ergonomisch furchtbar)» abgetan – Touch-Flächen wollten horizontal sein, nach längerer Nutzung fühle es sich an, als falle einem der Arm ab. Und noch 2021 hatte auch Ternus die indirekte Eingabe am Mac betont.

Weitere Mac-Modelle mit Touch?

Ob Touch künftig auch beim MacBook Air oder iMac Einzug hält, liess Ternus im Interview – natürlich – offen.

Erste Eindrücke

Erste Hands-on-Eindrücke und Einordnungen gibt es etwa bei Engadget (dort ist von Apples bisher bestem Display die Rede) oder bei Daring Fireball (wo John Gruber seine Bedenken bezüglich einer verwässerten Mac-Oberfläche nach einer ausführlichen Vorführung als ausgeräumt bezeichnet).

Das neue MacBook Pro mit PROLED-XDR-Display kann bereits vorbestellt werden und ist ab dem 6. November im Handel erhältlich – auch hierzulande.

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