RAM-Krise: China-Option für Apple wird noch unwahrscheinlicher
Die weltweite Knappheit bei Arbeitsspeicher dürfte sich weiter verschärfen: Einem Bericht von DigiTimes zufolge haben die drei grössten Hersteller von DRAM und «High Bandwidth Memory (HBM)» ihre gesamten Produktionskapazitäten für das Jahr 2027 bereits verkauft. Auch die Kapazitäten für NAND-Flash-Speicher sollen noch vor Ende August ausgebucht sein. Treiber der Krise ist demnach die enorme Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren; die Preise dürften entsprechend weiter steigen. Als Gradmesser dienen die Endkundenpreise für DDR5-Module, die sich Berichten zufolge seit Februar 2025 beinahe versechsfacht haben sollen – Apple selbst kauft allerdings keine fertigen Speicherriegel, sondern Speicher- und Flash-Zellen.
Vor diesem Hintergrund suchte Apple nach günstigeren Bezugsquellen und verhandelte mit dem chinesischen Speicherhersteller «ChangXin Memory Technologies», kurz «CXMT» – auch, um gegenüber den bisherigen Partnern Samsung und SK Hynix ein Druckmittel in der Hand zu haben. Dieser Schachzug ist gemäss einem weiteren DigiTimes-Bericht nach hinten losgegangen. CXMT darf unter den US-Exportkontrollen keine EUV-Lithografie einsetzen und ist auf ältere DUV-Technik angewiesen, was laut einer von TechTimes durchgeführten Kostenanalyse rund 30 Prozent mehr Wafer-Durchläufe für dieselbe Ausbeute erfordert. Ein Preis auf dem Niveau der koreanischen Hersteller sei damit für CXMT die Untergrenze und kein Rabatt – weshalb der Hersteller Apples Wunsch nach einem tieferen Angebot demnach abgelehnt habe. Zudem sollen sich Huawei und Xiaomi bereits den Grossteil der CXMT-Produktion gesichert haben. Apple habe damit sein wichtigstes Druckmittel verloren; da Samsung, SK Hynix und Micron zusammen rund 94 Prozent des Marktes kontrollieren, bliebe dem Konzern kaum eine Alternative, als die Konditionen zu akzeptieren. Politisch ist ein CXMT-Deal in den USA ohnehin umstritten: US-Senatoren haben Apple aufgefordert, auf chinesische Speicherchips zu verzichten, da Washington Verbindungen des Herstellers zur chinesischen Volksbefreiungsarmee sieht.
Zwei jüngste Entwicklungen lassen einen CXMT-Bezug noch unwahrscheinlicher erscheinen: Laut der New York Times haben die beiden Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses John Moolenaar – Vorsitzender des «House Select Committee on China» – und George Whitesides US-Handelsminister Howard Lutnick in einem Brief aufgefordert, CXMT auf die «Entity List» zu setzen und US-Unternehmen den Einkauf bei gelisteten Firmen zu untersagen; damit wäre ein solches Geschäft nicht mehr bloss politisch heikel, sondern rechtlich verboten. Und selbst ohne ein solches Verbot wäre CXMT gemäss dem Wall Street Journal für Apple keine Lösung: Das Unternehmen habe seine Produktionskapazität für dieses Jahr bereits ausgeschöpft und kaum Spielraum für neue internationale Kunden.
Noch-CEO Tim Cook sprach an der jüngsten – und für ihn letzten – Quartalskonferenz erneut von einer «hundred-year flood on the memory pricing» («Jahrhundertflut bei den Speicherpreisen»). Eine Entspannung ist gemäss den Aussagen der Speicherhersteller nicht vor 2028 in Sicht; SK Hynix rechne gar damit, dass die Nachfrage bis über 2030 hinaus höher bleibe als die Kapazität. Für Endkundinnen und Endkunden dürften die Preise damit weiter steigen – nachdem Apple bereits Ende Juni zahlreiche Produkte verteuert hatte.
Von Stefan Rechsteiner
Veröffentlicht am
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