Streaming-Filme erlaubt: Academy lockert temporär Bestimmungen für Oscar-Auswahlverfahren

Die «Academy of Motion Pictures Arts & Sciences» hat vergangene Woche eine temporäre Regeländerung für das Auswahlverfahren der kommenden Oscars bekanntgegeben. Aufgrund der Corona-Krise und der daher geschlossenen Kinos erlaubt die Academy erstmals auch Filmen, um die begehrtesten Preise der Branche zu konkurrieren, die ihre Premiere auf Streaming-Plattformen hatten.

Um bisher für das Auswahlverfahren der Oscars qualifiziert werden zu können, musster ein Film während mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen mindestens drei Mal pro Tag in einem kommerziellen Kino im LA County laufen. Dokumentarfilme müssen zusätzlich auch in New York City gezeigt werden.

Damit auch finanziell schwächere und kommerziell weniger erfolgsversprechende Produktionen eine Chance auf Teilnahme an den Wettbewerben haben, werden of Dokumentarfilme, Filme von unabhängigen Studios oder auch Kunst-Filme mit einem sogenannten «Limited Theatrical Release» veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine Strategie, bei der ein Film noch vor Jahresende bzw. dem 15. November des jeweiligen Jahres als Submission-Deadline für die Oscars, in nur einer handvoll Kinos in eben diesen Städten gezeigt wird. Ähnlich verfahren Studios, die derlei Produktionen erst in den darauffolgenden Monaten im neuen Jahr «richtig» in die Kinos bringen. Dieses Vorgehen war bisher auch die einzige Chance für Streaming-Anbieter, um mit ihren Filmen eine Chance auf die jeweils im Februar verliehen Academy Awards («Oscar») zu haben.

Die letzte Woche beschlossene Änderung gilt indes einzig für Filme, die vor dem Lockdown eine Kino-Veröffentlichung geplant hatten. Weiter soll die Änderung nur temporär für die 93. Oscar-Verleihung am 28. Februar 2021 gelten. Sobald die Kinos wiedereröffnen, sollen auch die früheren Regeln wiedereingeführt werden.

Es ist schon länger bekannt, dass Apple mit seinen Produktionen ebenfalls Ambitionen für die begehrten Industrie-Preise hat. Die für Apple TV+ produzierte Tier-Doku «The Elephant Queen» und die beiden Spielfilme «Hala» und «The Banker» liefen deshalb ebenfalls kurzzeitig in ausgewählten US-Kinos, bevor die Filme auf dem Streaming-Dienst veröffentlicht wurden. Auch die Musik-Doku «Beastie Boys Story» hätte Anfang April in ausgewählten IMAX-Kinos anlaufen sollen, zu was es aufgrund der grassierenden Corona-Virus-Pandemie aber nicht gekommen ist. Der Film ist seit dem 24. April auf Apple TV+ verfügbar.

Von Stefan Rechsteiner
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