AirTag

Lange gab es GerĂŒchte rund um Tracking-Devices von Apple. Mit den «AirTag» sind sie nun Tatsache. Wir haben die kleinen Chips ĂŒber die vergangenen Wochen ausfĂŒhrlich getestet. Ein Erfahrungsbericht.

Stefan Rechsteiner

Inhaltsverzeichnis

  1. Einrichten

  2. Wiederfinden

  3. Apples gigantisches «Find My»-Netzwerk

  4. Stalking

  5. Austauschbare Batterie

  6. Wasserdicht und mit integriertem Lautsprecher

  7. Fazit zum AirTag

Mit den AirTag erweitert Apple sein ĂŒber die letzten Jahre kontinuierlich ausgebautes «Find My»-Ökosystem. Das gigantische globale Netzwerk, auf welchem dieses Ökosystem aufbaut, umfasst mittlerweile eine knappe Milliarde GerĂ€te – von iPhones, ĂŒber iPads, Macs und Apple Watches bis hin zu AirPods. Nun hat Apple mit den «AirTag» auch eigene Tracking-Devices vorgestellt. Mit ihnen lassen sich Dinge wiederfinden – die man verlegt hat, scheinbar verloren gegangen sind oder aber entwendet wurden – in der NĂ€he oder weit entfernt.

Solche GerĂ€te gibt es schon seit LĂ€ngerem auch von anderen Herstellern, allen voran beispielsweise von Tile. Zuletzt sind auch Grössen wie Samsung in den Markt vorgestossen – gut möglich deshalb, weil es schon seit Jahren GerĂŒchte gibt, Apple liebĂ€ugle mit diesem Markt.

Dass Apple an alleinstehenden Tracking-Devices arbeitet, darĂŒber gab es bereits 2019 erste Spekulationen. TatsĂ€chlich hiess es in der GerĂŒchtekĂŒche ĂŒber die letzten 12 Monate hinweg gefĂŒhlt im Monats-Rhythmus, Apple werde «demnĂ€chst» entsprechende GerĂ€te vorstellen. Nun ist es also so weit, Apple hat die AirTag vergangenen Monat vorgestellt und seit Kurzem sind sie verfĂŒgbar.

Auch vom Mac-Hersteller gibt es nun alleinstehende Tracking-Devices.
Das AirTag von Apple – Auch vom Mac-Hersteller gibt es nun alleinstehende Tracking-Devices. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Das AirTag ist ein rundes, Batterie-betriebenes GerĂ€t mit einem weissen Plastik-GehĂ€use und einem auf Hochglanz poliertem Metall-Boden. Eine Öffnung gibt es nicht, trotzdem kann das AirTag Töne von sich geben. Ausserdem lĂ€sst sich die Batterie auswechseln. Dazu aber weiter unten mehr.

Durch seine kreisrunde Erscheinung kann ein AirTag gut und gerne als «Chip» bezeichnet werden. Der Durchmesser eines AirTag entspricht ziemlich genau dem eines FĂŒnflibers. Wem die Grössen von Schweizer MĂŒnzen nicht gelĂ€ufig sind: Der Durchmesser des AirTag misst etwas mehr als 3 Zentimeter. Bei der Dicke hĂ€lt der Vergleich zum FĂŒnflieber aber nicht mehr stand. Wenn man drei FĂŒnf-Franken-StĂŒcke aufeinander legt, lugt dahinter das AirTag trotzdem noch hervor. Mit 8 Millimetern an der dicksten Stelle kann man ein AirTag aber nicht mehr wirklich als «sehr flach» bezeichnen.

Das Tracking-Device von Apple hat einen Durchmesser von gut 3 Zentimeter.
Vergleich: AirTag und Fünfliber – Das Tracking-Device von Apple hat einen Durchmesser von gut 3 Zentimeter. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Das weisse Plastik-GehĂ€use des AirTag ist glatt und glĂ€nzend. Auf Wunsch kann diese OberflĂ€che bei Apple ĂŒber den Online-Store auch mit einem Aufdruck versehen werden. Es gibt dazu eine Auswahl an Emojis – oder man kann zwei Buchstaben als Initialen aufdrucken lassen. Das dient nicht nur der Personalisierung eines AirTag, sondern auch dem schnelleren visuellen Auseinanderhalten, wenn man mehrere davon sein Eigen nennt.

Auf der metallenen Seite prangert in der Mitte das Apple-Logo und am Rand «klein gedruckt» ein paar informative Gravuren. Etwas heller und dicker eingraviert als der Rest ist der Name «AirTag». Weiter kann man lesen, dass dies ein «Bluetooth LE»- und «Ultra Wideband»-GerÀt ist. Und wie bei den meisten Apple-Produkten steht auch geschrieben, dass das AirTag in Kalifornien entworfen und in China zusammengebaut wurde.

Als Tracking-GerĂ€t ist ein AirTag dafĂŒr gemacht, dass man es an einem Gegenstand befestigen und danach ebendiesen Gegenstand jederzeit wiederfinden kann – wenn man es verliert; wenn man nicht mehr weiss, wo man es hingetan hat; oder wenn es von jemandem entwendet wurde.

Nun verfĂŒgt das AirTag aber von Haus aus ĂŒber keine «integrierte» Möglichkeit, es an einem Gegenstand zu befestigen. Es hat weder eine klebende FlĂ€che, noch hat es ein Magnet, noch hat es ein Loch um es beispielsweise an einem SchlĂŒsselbund zu befestigen. Stattdessen gibt es reichlich Zubehör, mit welchem sich ein AirTag an GegenstĂ€nden befestigen lĂ€sst – natĂŒrlich von Apple, aber auch von verschiedenen anderen Herstellern.

Das Zubehör ermöglicht das Anbringen eines AirTag an verschiedenen Objekten.
Apples «Loop» für das AirTag – Das Zubehör ermöglicht das Anbringen eines AirTag an verschiedenen Objekten. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Von Apple gibt es klassische SchlĂŒsselanhĂ€nger und sogenannte «Loops», mit welchen sich ein AirTag an diversen GegenstĂ€nden anbinden lassen. Das Apple-Zubehör gibt es wahlweise in verschiedenen Farben in Plastik oder in hochwertigem Leder. Dieses AirTag-Zubehör von Apple ist nicht ganz gĂŒnstig, dafĂŒr aber wie gewohnt in hoher QualitĂ€t. Von anderen Herstellern – beispielsweise von der bekannten Marke Belkin, aber auch von diversen No-Names – gibt es weitere und vor allem auch gĂŒnstigere Möglichkeiten, wie man ein AirTag an GegenstĂ€nden befestigen kann.

Spannend ist, dass mit einem AirTag an so vielen unserer GegenstÀnde das Apple-Logo nun noch omniprÀsenter in unserem Alltag zu sehen sein wird.

Einrichten

Die Inbetriebnahme eines AirTag könnte einfacher wohl nicht sein. UmhĂŒllt von einer Folie ist das AirTag in einer Kartonschachtel verpackt. Eine Lasche dieser Folie geht auch ins Innere des AirTag – dort ist sie zwischen den Kontakten und der Batterie angebracht. Beim Entfernen der Folie zieht man sie auch aus dem AirTag heraus und schliesst somit den Stromkreis – das AirTag schaltet sich automatisch ein. Ein Ton erklingt. Nun muss der Chip nur noch nahe an das persönliche iPhone gehalten werden (auf dem Apple-Smartphone sollte mindestens das im April erschienene iOS 14.5 installiert sein) und schon kann das AirTag eingerichtet werden.

Die Folie trennt die Batterie noch von den Kontakten.
Kurz vor der Inbetriebnahme – Die Folie trennt die Batterie noch von den Kontakten. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Ähnlich der Kopplung eines AirPod-Kopfhörers erscheint auf dem Bildschirm des iPhone ein Dialogfenster mit einer kurzen AirTag-Animation. In einem ersten Schritt kann dem AirTag ein Name zugewiesen werden. Dazu kann aus einer vordefinierten Liste an Begriffen wie «Fahrrad», «GepĂ€ck», «Portemonnaie», «Jacke» oder «Kamera» ausgewĂ€hlt werden. Alternativ lĂ€sst sich auch ein komplett eigener Name definieren.

Im zweiten Schritt wird das AirTag auf die persönliche Apple ID registriert. Es wird mit den persönlichen Daten verknĂŒpft – sprich der E-Mail-Adresse und der Telefonnummer, die in der Apple ID an den Mac-Hersteller bereitgestellt wurden.

Einen dritten Schritt gibt es nicht beim Einrichten eines AirTag. Nach den beiden genannten kurzen Konfigurationen ist das AirTag einsatzbereit. Es lÀsst sich nun in der «Wo ist?»-App auf dem persönlichen iPhone, iPad oder Mac lokalisieren.

Die «Wo ist?»-App listet im neuen Reiter «Objekte» alle AirTags. Die angegebene Adresse stimmt nicht immer – wie in diesem Screenshot – ist aber immerhin in der Nachbarschaft. Gefunden wird das AirTag aber trotzdem sehr genau. (macprime / Stefan Rechsteiner )

Interessanterweise listet die «Wo ist?»-App auf iCloud.com (dort heisst sie nach wie vor «iPhone-Suche») auch Ende Mai noch keine AirTag. Der Grund dazu ist uns nicht bekannt. Es bleibt zu hoffen, dass Apple diese FunktionalitÀt baldmöglichst auch auf iCloud.com nachliefert.

Wiederfinden

Verlegt man nun ein mit einem AirTag ausgestatteten Gegenstand, dann kann das AirTag ĂŒber die «Wo ist?»-App schnell lokalisiert werden.

In der App beim neu eingefĂŒhrten Reiter «Objekte» kann der entsprechende Gegenstand ausgewĂ€hlt und so lokalisiert werden. Auf einer Karte ist sichtbar, wo sich der Gegenstand in etwa befindet.

Verlorengegangene Gegenstände lassen sich dank dem AirTag schnell wiederfinden.
AirTag am Schlüsselbund – Verlorengegangene Gegenstände lassen sich dank dem AirTag schnell wiederfinden. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Befindet sich der gesuchte Gegenstand in der NĂ€he vom Nutzer selbst, dann steht beim Eintrag in der App «Bei dir». In diesem Falle nĂŒtzt einem die eingeblendete Karte fĂŒr das Auffinden des scheinbar verlorenen Gegenstandes nicht viel mehr denn als BestĂ€tigung, dass es irgendwo in der NĂ€he sein muss.

In diesem Falle kann mittels der SchaltflĂ€che «Ton abspielen» der im AirTag integrierte Lautsprecher aktiviert werden. Anhand einer Ton-Abfolge könnte man den Gegenstand durch das eigene Gehör selbst lokalisieren. Die Ton-Ausgabe ist erstaunlich laut – das vereinfacht das Finden des Gegenstandes enorm.

Wenn man das Objekt aber auch mithilfe der Ton-Ausgabe nicht lokalisieren kann, gibt es bei den neueren iPhone der Generationen «iPhone 11» oder «iPhone 12» zudem die Möglichkeit des «In der NĂ€he suchen». Hierbei kommt der in diesen neueren iPhone integrierte U1-Chip zum Tragen – ein solcher ist auch im AirTag verbaut. Dieser Chip basiert auf der Ultra-Wideband-Technologie und ermöglicht im Zusammenspiel mit anderen Sensoren des iPhone sowie dessen Kamera und ausgeklĂŒgelten Algorithmen eine angeleitete Suche des Objektes.

Dazu wird auf dem Bildschirm des iPhone ein sich bewegender Pfeil eingeblendet, welcher in die Richtung zeigt, in welcher sich der Gegenstand mit dem AirTag befindet. Die Anzeige wird ergÀnzt durch Angaben wie «4 Meter rechts von dir».

Sobald man sich in die richtige Richtung bewegt, wird die Bildschirmanzeige grĂŒn hinterlegt. Weiter gibt das iPhone durch seine Taptic-Engine auch leichte Vibrationen ab, wenn man sich dem AirTag nĂ€hert – damit erhĂ€lt man beim Wiederfinden eines AirTag nicht nur visuelles, sondern auch haptisches Feedback. Auch durch Signal-Töne kann dieser Prozess weiter unterstĂŒtzt werden.

Damit das von Apple im Englischen ĂŒbrigens «Precision Finding» genannte Feature ĂŒberhaupt funktioniert, muss man sich im gleichen Raum wie der verlorene Gegenstand befinden. Es funktioniert theoretisch bis zu einer Entfernung von knapp 15 Metern, ab 10 Meter war die Angabe in allen unseren Tests ausgesprochen genau. Diese Funktion wurde hervorragend umgesetzt und die Benutzung ist sehr intuitiv.

Ein AirTag lĂ€sst sich natĂŒrlich auch via Siri finden: «Hey Siri, wo sind meine SchlĂŒssel?»

Befindet sich der gesuchte Gegenstand nicht in der NĂ€he vom Nutzer selbst, sondern hat man den Gegenstand beispielsweise beim Aussteigen im Zug liegen gelassen, dann ist die Karte in der «Wo ist?»-App schon einiges nĂŒtzlicher. Bei der Auflistung in der App steht dann beim verloren gegangenen Objekt die Adresse des Standorts, an welchem sich der Gegenstand aktuell befindet, und die Entfernung des AirTag zu einem selbst.

Auch bei entfernten Objekten kann man einen «Ton abspielen» lassen, vor allem aber gibt es hier den «Verloren»-Modus. Wird dieser aktiviert, kann man sich benachrichtigen lassen, sobald der aktuelle Standort des AirTag wieder verfĂŒgbar ist. Da das AirTag mit der eigenen Apple ID verknĂŒpft ist, können andere Personen diesen nicht einfach Â«ĂŒbernehmen» und ihn als ihr eigenes AirTag verwenden. Stattdessen wird anderen Personen beim Scannen des AirTag eine Telefonnummer und eine Nachricht angezeigt. Sowohl anzuzeigende Nummer wie auch Nachricht können selbst definiert werden. Sinn und Zweck davon ist, dass der Finder den Besitzer benachrichtigen kann, dass sie oder er den Gegenstand gefunden hat und dass man dann weitere Schritte miteinander abmachen kann.

Dank dem integrierten NFC-Tag lässt sich ein AirTag von jedem Smartphone erkennen.
AirTag scannen – Dank dem integrierten NFC-Tag lässt sich ein AirTag von jedem Smartphone erkennen. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Wer schon einmal die «Finde mein iPhone»-Funktion genutzt hat, dem dĂŒrfte dies sehr bekannt vorkommen. Apple bietet diese FunktionalitĂ€t schon seit vielen Jahren fĂŒr verloren gegangene (oder entwendete) iPhone an. Auch iPads, Macs, Apple Watches oder AirPods lassen sich so wiederfinden oder als «Verloren» kennzeichnen.

Apples gigantisches «Find My»-Netzwerk

Das alles funktioniert ĂŒber das sogenannte «Find my»-Netzwerk von Apple. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes «Peer-to-Peer» oder «Crowdsourced»-Netzwerk. Die GerĂ€te sind mithilfe der drahtlosen Bluetooth-Technologie untereinander verbunden, auch wenn nicht alle GerĂ€te Verbindung zum Internet haben oder eine solche Verbindung ĂŒberhaupt herstellen können. Apple-GerĂ€te erkennen Bluetooth-Signale von anderen Apple-GerĂ€ten, sobald sie in deren Reichweite befinden. Diese winzig kleinen Datenmengen werden dann untereinander und an andere GerĂ€te weitergeleitet und enden schlussendlich in der iCloud. Apple-GerĂ€te fungieren sozusagen als Relais-Stationen. Da das AirTag selbst ĂŒber kein Wi-Fi oder Mobilfunk-Technologie verfĂŒgt, ĂŒber welches es seinen Standort selbststĂ€ndig an den Nutzer ĂŒbermitteln könnte, baut Apple beim AirTag komplett auf dieses globale Netz.

Das AirTag funktioniert deshalb, weil sich hochwahrscheinlich immer mal wieder ein Nutzer mit einem Apple-GerĂ€t in der NĂ€he des AirTag befindet. Dieses Apple-GerĂ€t nimmt dann im Hintergrund die Position des AirTag auf und leitet diese Information selbststĂ€ndig an die Apple-Server weiter. Oder aber es leitet die Information wiederum an ein nĂ€chstes Apple-GerĂ€t weiter, mit welchem das Apple-GerĂ€t womöglich spĂ€ter in Kontakt kommt und dieses sendet die Information dann ĂŒber das Internet an Apple respektive an iCloud. Der gesamte Prozess respektive das ganze «Find my»-Netzwerk ist Ende-zu-Ende verschlĂŒsselt und anonymisiert, sodass niemand – nicht einmal Apple oder Hersteller von anderem Find-my-Zubehör – den Standort oder die Informationen eines GerĂ€tes sehen können. Auch wird im AirTag kein Standort-Verlauf oder dergleichen abgespeichert.

Mit einem «Loop» von Apple am Rucksack befestigter AirTag.
Gepäck mit AirTag – Mit einem «Loop» von Apple am Rucksack befestigter AirTag. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Das «Find My»-Netzwerk verbindet mittlerweile weltweit gegen eine Milliarde GerĂ€te. WĂ€re dieses Netz nicht so gross, wĂŒrden die AirTags nicht so gut funktionieren. Heisst im Umkehrschluss aber auch, dass in Gebieten, in welchen es keinerlei Apple-GerĂ€te gibt, auch ein AirTag nur bedingt funktioniert.

Das gigantische globale Netz von Apple ist denn auch eines der grossen Vorteile der AirTags gegenĂŒber anderen Tracking-Devices. Die Chips von Konkurrent «Tile» beispielsweise basieren auf dem gleichen Prinzip – damit deren Tracking-Devices lokalisiert werden können, mĂŒssen sich andere Tile-Nutzer in der NĂ€he befinden. Was an den meisten Orten doch eher einem Zufall entspricht. Apples Netzwerk ist also viel dichter, womit ein AirTag wahrscheinlich fast ĂŒberall einiges schneller lokalisiert werden kann, als ein Tracking-Device eines anderen Herstellers.

Apple hat das «Find My»-Netzwerk erst kĂŒrzlich fĂŒr andere Hersteller geöffnet – diese könnten sich theoretisch also auch in das Apple-Netzwerk integrieren.

Digitales Adress-Etikett: AirTag an der Tasche aussen befestigen statt im Innern verstauen

«Warum Zubehör kaufen, um einen AirTag aussen an einer Tasche, einem Rucksack oder einem Koffer zu befestigen, wenn man ihn doch auch einfach in die Tasche/Rucksack/Koffer legen kann?» Diese Frage stellte sich der Autor dieses Reviews am Anfang auch. Es ist schliesslich viel einfacher und natĂŒrlich auch kostengĂŒnstiger, wenn man das AirTag einfach in ein Fach im Rucksack verstaut, statt ihn mit einem AnhĂ€nger an die Aussenseite des Rucksacks zu befestigen. Nun ist es aber so, dass wenn man beispielsweise eine Tasche im Zug vergisst, jemand anderes dann nicht weiss, dass sich dort ein AirTag darin befindet – zumindest ohne den Tascheninhalt zuerst akribisch zu durchsuchen. Die FunktionalitĂ€t, dass andere Personen mit ihren Smartphones den AirTag einlesen und so die Kontakt-Daten anzeigen können, ist dann nicht sofort gegeben. HĂ€ngt das AirTag stattdessen gut zugĂ€nglich an der Tasche, kann es Ă€hnlich einem Adress-Etikett an einem GepĂ€ckstĂŒck einfach eingescannt werden.

Das AirTag im ledernen Schlüsselanhänger in der Farbe Product(RED) von Apple.
AirTag am Schlüsselbund – Das AirTag im ledernen Schlüsselanhänger in der Farbe Product(RED) von Apple. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Stalking

NatĂŒrlich birgt so ein «Tracking-Device» auch seine Gefahren – Stichwort «Stalking»: Man könnte den kleinen Chip dazu verwenden, um Personen heimlich zu verfolgen. Apple ist nicht mĂŒde aufzuzeigen, wie viel das Unternehmen genau gegen solche AktivitĂ€ten unternommen hat.

Bewegt sich ein fremdes AirTag mit einem mit, dann erkennt dies das persönliche iPhone. Dabei schlĂ€gt das iPhone aber nur dann Alarm, wenn der eigentliche Besitzer des fremden AirTag sich nicht mehr in der NĂ€he befindet. Heisst: Wenn man sich zum Beispiel in einem Zug mit vielen anderen Personen fortbewegt, die AirTags mit sich fĂŒhren, erkennt dies das iPhone und es wird nichts gemeldet. Versucht aber jemand, einem ein AirTag zur heimlichen Verfolgung unterzuschieben, informiert das iPhone den scheinbar heimlich verfolgten Nutzer ĂŒber dieses fremde AirTag.

Eine Nachricht mit dem Wortlaut «Ein AirTag bewegt sich mit dir» erscheint auf dem persönlichen iPhone. Im Sicherheitshinweis schreibt Apple weiter, dass «der EigentĂŒmer des AirTag deinen aktuellen Standort» sehen könne. Falls einem das AirTag nicht bekannt vorkommt, kann man es einfach deaktivieren und somit das Teilen des Standorts beenden. Dazu kann die Batterie aus dem AirTag entfernt werden – wie das genau funktioniert, zeigt Apple Betroffenen anhand einer animierten Anleitung. Es muss aber natĂŒrlich nicht immer gleich ein Stalking-Versuch dahinterstecken, so heisst es im Sicherheitshinweis weiter «Das AirTag befindet sich eventuell an einem Objekt, das du dir geliehen hast».

Damit das vermeintliche Stalking-AirTag einfach gefunden werden kann, gibt es die Möglichkeit, direkt ĂŒber die Benachrichtigung den Signal-Ton des AirTag abspielen zu lassen. Weiter informiert die «Wo ist?»-App, wann das AirTag «zuerst bei dir gesehen» wurde und stellt dies auf einer Karte auch visuell dar. Man kann also sehr genau herausfinden, seit wann und wo sich das AirTag mit einem selbst mitbewegt, respektive seit wann der Besitzer des AirTags nicht mehr in der NĂ€he seines, nun einem selbst untergejubelten AirTags befindet.

In unseren Tests zeigt sich, dass dies tatsĂ€chlich einwandfrei und genau funktioniert und dass man auch sehr zeitnah ĂŒber ein potenzielles Stalker-AirTag informiert wird.

Alternativ lassen sich die Sicherheitshinweise in der «Wo ist?»-App pro «fremden» AirTag auch komplett anhalten – man erhĂ€lt dann keine Mitteilungen mehr zu diesem AirTag.

Eine weitere «Sicherheitsfunktion» ist, dass ein AirTag, welches sich seit mehr als drei Tagen nicht mehr in der NĂ€he des Besitzers befindet und eine Art von Aufmerksamkeit erhĂ€lt (z. B. in dem es berĂŒhrt oder bewegt wird; das AirTag hat einen Beschleunigungssensor integriert), beginnt ein Signal-Ton abzugeben. Damit soll auf das AirTag aufmerksam gemacht werden. Finder dieses womöglich verloren gegangenen AirTag können es mit ihrem iPhone oder auch Android-Smartphone einlesen (via NFC-Tag) und den Anweisungen folgen. Entweder wurde das AirTag als verloren markiert, in diesem Falle werden die Kontakt-Angaben und die entsprechende Nachricht angezeigt, um womöglich dem Besitzer zurĂŒckgebracht zu werden – oder aber es kann analog einem «Stalking-AirTag» einfach deaktiviert werden.

Austauschbare Batterie

Betrieben wird das AirTag von einer handelsĂŒblichen und austauschbaren Knopfbatterie. Eine solche Batterie vom Typ «CR2032» ist im Lieferumfang enthalten.

Apple zufolge soll das AirTag mit einer Batterie etwa ein Jahr lang betrieben werden können.

Im AirTag befindet sich eine Standard-Knopfbatterie vom Typ «CR2032».
Ein geöffnetes AirTag mit Batterie – Im AirTag befindet sich eine Standard-Knopfbatterie vom Typ «CR2032». (macprime/Stefan Rechsteiner)

Ausgetauscht werden kann die Batterie ganz ohne Werkzeug. Dazu muss schlicht die metallene Unterseite des AirTag leicht gedrĂŒckt und dann entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht werden. Das Metall-PlĂ€ttchen rastet aus seiner Verankerung und kann abgenommen werden. So lĂ€sst sich die Batterie aus dem AirTag entfernen. Sobald die Unterseite geöffnet oder die Batterie aus dem AirTag entfernt wurde, ist das AirTag ausgeschaltet und der Standort wird nicht mehr ĂŒbermittelt.

Neue Batterien vom verwendeten Typ «CR2032» gibt es wohl an jedem Kiosk, an jeder Tankstelle und in jedem Supermarkt fĂŒr etwa 1 bis 3 Franken zu kaufen.

Tipp: Übrigens hat Apple im Innern des AirTag hingeschrieben, was fĂŒr ein Typ Batterie fĂŒr das GerĂ€t benötigt wird. Wird ein AirTag geöffnet, kann man dort den Aufdruck «CR2032» lesen.

Wasserdicht und mit integriertem Lautsprecher

Obwohl sich das AirTag so einfach öffnen lĂ€sst, ist das AirTag ĂŒbrigens IP67-Wasser- und Staub-resistent. Das heisst, das GerĂ€t kann theoretisch bis zu einer halben Stunde in bis zu einem Meter tiefen Wasser sein. Ausserhalb von Labor-VerhĂ€ltnissen bedeutet das konkret, dass man bei einem AirTag absolut keine Angst vor etwas Regen oder mal einem Spritzer Wasser haben muss.

Die schon öfter erwĂ€hnten Signal-Töne kann das AirTag in einer erstaunlichen LautstĂ€rke von sich geben – dies, obwohl das Tracking-Device ĂŒber keinerlei Öffnungen verfĂŒgt. TatsĂ€chlich befindet sich ein nicht gerade kleiner Lautsprecher im kreisrunden GehĂ€use des AirTag. Da es keine Öffnung fĂŒr den Lautsprecher gibt, nutzt dieser spannender-weise die OberflĂ€che des AirTag als Resonanzkörper fĂŒr die Ton-Ausgabe.

Das neue kleine Tracking-Device von Apple.
Das AirTag von Apple – Das neue kleine Tracking-Device von Apple. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Fazit zum AirTag

Ein AirTag ist zwei in einem: Eine moderne Variante eines GepĂ€ck-Adressetiketts – digital lesbar zeigt es den Besitzer. Und mit ihm lassen sich verlorene oder entwendete GegenstĂ€nde lokalisieren. Beides auf einfachste Weise.

Das AirTag ĂŒberzeugt. Es ĂŒberzeugt durch kinderleichtes Einrichten, eine intuitive Bedienung und eine makellose Umsetzung und Integration in das gigantische globale «Wo ist?»-Netzwerk von Apple. Und mit 29 Franken – im 4er-Pack nur 25 Franken – ist ein AirTag ausserdem sehr erschwinglich. Sehr löblich ist auch die Tatsache, dass die Batterie austauschbar ist – noch dazu wird eine Standard-Variante verwendet, die es schier ĂŒberall zu kaufen gibt.

An und fĂŒr sich ist es bei einem AirTag wie mit einem Backup: Einrichten, laufen lassen und vergessen. Die gebotene FunktionalitĂ€t benötigt man im Grunde nur dann, wenn etwas schiefgelaufen ist. Aber genau dann ist die gebotene FunktionalitĂ€t von unendlichem Nutzen.

Bildergalerie

2 Kommentare

Kommentar von Richard L.

Sie haben vergessen, Kratzfestigkeit zu erwĂ€hnen. Jawohl, Kratzfestigkeit. Man kann nĂ€mlich fest mit Kratzen rechnen, z.B. von den SchlĂŒsseln am SchlĂŒsselanhĂ€nger. Und eine Version, die man in die Brieftasche stecken kann, wĂ€re auch nĂŒtzlich. Sonst sehr nett. Sehr schlau vom Apple, AirTags nicht im Winter auf den Markt zu bringen, weil ich zumindest verliere haufenweise Handschuhe, und die AirTags lassen sich auch schwer in die Handschuhe stecken (und pro Paar braucht man zwei!).

Profilfoto von Stefan Rechsteiner

Kommentar von Stefan Rechsteiner

Absolut korrekt, Richard L.. Die AirTag sind tatsĂ€chlich sehr schnell verkratzt, wenn man sie am SchlĂŒsselbund hat – das ist natĂŒrlich nichts neues und logisch bei einem auf Hochglanz poliertem Metal-GehĂ€use.

Ich warte dann mal auf die ersten Handschuhe mit AirTag-Fach. Die kommen bestimmt! 😅

Anmelden um neue Kommentare zu verfassen

Allegra Leser! Nur angemeldete Nutzer können bei diesem Inhalt Kommentare hinterlassen. Jetzt kostenlos registrieren oder mit bestehendem Benutzerprofil anmelden.