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Angriff auf den Business-Markt mit dem Apple III

Kapitel 03 — 2. Ausgabe vom Dezember 2009

Mit dem Apple II hatten Jobs und Woz die Heimcomputerrevolution ins Rollen gebracht. 1978 nahmen rund 50 Ingenieure die Arbeit am Nachfolger, dem Apple III auf, um damit den noch unerschlossenen Office-Markt zu erobern. In diesem Kapitel erfahren Sie, wie Apple eine erste Niederlage hinnehmen muss und Jobs' Stand in der Firma erstmals zu wackeln beginnt.

Nachdem Apple mit dem Apple II einen neuen Industriezweig erschaffen hatte, kamen in den späten 70er-Jahren immer mehr Konkurrenzprodukte auf den Markt. Unternehmen wie Atari und Commodore entwickelten eigene Computer, es erschienen aber auch zahlreiche illegale Apple-II-Clones. Deshalb arbeitete Apple an einer überarbeiteten Version des Apple II, dem Apple II Plus, welcher 1979 auf den Markt kam. Doch auch dieser konnte nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Konzept des Apple II den steigenden Ansprüchen der Kunden in der Zukunft nicht mehr gerecht werden konnte. Apples Management setzte frühzeitig die Entwicklung von Nachfolgeprodukten in Gang, um die Führungsposition im gerade erst entstehenden Markt behaupten zu können. Als auch IBM ankündigte, ins PC-Geschäft einzusteigen und den Office-Markt erobern zu wollen,  konzentrierten sich Apples Bemühungen immer mehr auf die Entwicklung eines bürotauglichen Computers, den Apple III.

Als Apple im Frühling des Jahres 1978 mit der Entwicklung des Apple III begann, lautete das Ziel, einen leistungsstarken Business-Computer zu bauen und eine technologische Basis für die kommenden Jahre zu erschaffen. Im Gegensatz zu den Vorgängern wurde der Apple III nicht von Stephen Wozniak, sondern von einem 50-köpfigen Ausschuss, dem Steve Jobs vorstand, entwickelt. Der noch unerfahrene und junge Jobs hatte ehrgeizige Pläne und schrieb die Gehäuseform vor, ohne sich um die genauen technischen Anforderungen zu kümmern. Ausserdem verlangte er von seinen Ingenieuren eine Konstruktion, die ohne aktive Kühlung durch einen Ventilator auskommen musste.

Nach zweijähriger Arbeit wurde der Apple III am 19. Mai 1980 auf der National Computer Conference präsentiert. Die technischen Daten waren beeindruckend. Für Preise zwischen 4’340 und 7’800 Dollar erhielt der Käufer einen vollständigen Computer inklusive Tastatur mit Zahlenblock und passendem Bildschirm. Der Apple III war ausgestattet mit einem 2 MHz schnellen 6502-Prozessor, 128 KB RAM, einer Echtzeituhr sowie einem 5 1/2-Zoll-Diskettenlaufwerk mit 143 KB Speicherkapazität. Dank der leistungsfähigen Grafik konnte der Apple III Text mit 24 Zeilen und 80 Spalten darstellen. Ausserdem verfügte der Computer über zahlreiche Steckplätze und Anschlüsse, damit die Erweiterungen für den Apple II auch am Apple III genutzt werden konnten.

Bereits während der Entwicklung des Apple III warnten zahlreiche Ingenieure vor den Problemen, welche die von Steve Jobs vorgeschriebene Bauweise des Computers mit sich brachte. Schon kurz nach der Auslieferung sollten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten. Das Kühlkonzept des Apple III erwies sich als mangelhaft, wodurch die Computer nach wenigen Tagen im Einsatz den Dienst versagten. Durch die starke Erhitzung dehnten sich einige Chips so sehr aus, dass sie sich langsam aus ihrer Fassung schoben. Doch das war nicht das einzige Problem, auch die eingebaute Uhr funktionierte bei vielen Exemplaren nicht.
Diese Probleme waren für Apple eine völlig neue Erfahrung. Der Apple III war Apples erstes Produkt, welches sich auf dem Markt als Flop erwies.

Der Apple III entsprach einem Baby, das auf einer Gruppenorgie gezeugt worden war. Später klagten alle über starke Kopfschmerzen, und über das Mischlingsbaby sagte jeder: Meins ist es jedenfalls nicht

Randy Wigginton, Mitentwickler des Apple III und Angestellter Nr. 6 bei Apple

Im November 1981 kündigte Apple eine überarbeitete Version des Apple III an, bei der die Fehler des ursprünglichen Gerätes behoben waren und die zu einem deutlich günstigeren Preis angeboten wurde. Doch obwohl der überarbeitete Apple III ein überzeugendes Produkt darstellte, blieb die Nachfrage gering. Durch die Probleme des originalen Apple III erhielt Apples Image einige tiefe Kratzer, die Kunden hatten kein Vertrauen in die Produktlinie. Daran konnte auch der Apple III Plus, eine stark verbesserte Ausgabe des Apple III, nichts mehr ändern. Zwar trug die Überarbeitung noch dazu bei, die Zahl der verkauften Exemplare auf 120’000 zu erhöhen, doch wurde die gesamte Produktlinie des Apple III am 24. April 1984, nur vier Monate nach der Präsentation des Apple III Plus, für immer aus Apples Produktpalette gestrichen.

Bildergalerie

Bild: bild_011

Die ganze Geschichte

#00 Einleitung

#01 Geburt eines Mythos: Die Gründung von Apple

#02 Der Durchbruch mit dem Apple II

#03 Angriff auf den Business-Markt mit dem Apple III

#04 David gegen Goliath - Apple im Kampf mit IBM

#05 Krieg der Divisionen

#06 Das dynamische Duo

#07 Aufschwung unter John Sculley

#08 Das Zeitalter des Newton

#09 Ein neuer Feind naht - Microsoft

#10 Hoffnungsvolles Projekt: Copland

#11 We’re a clone now!

#12 Radikalkur in 500 Tagen

#13 On the firing Line - Amelios undankbarer Abgang

#14 Der iMac

#15 Generationenwechsel durch Mac OS X

#16 Die PowerPC-Krise

#17 Erfolgsstory iPod

#18 iTunes und die Revolution der digitalen Musik

#19 Die Geschichte des iPhones

#20 Epilog