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Die Mac-Story — 30 Jahre Macintosh Des Macintoshs Eltern

Verfasst im Januar 2014

Oft wird Steve Jobs als der Vater des Macs genannt. Falsch ist das nicht — aber auch nicht ganz richtig.





Lesetipp: Die komplette Geschichte von Apple haben wir in 21 ausführlichen Kapiteln aufbereitet.

Mike Markkula

Initiiert wurde das Macintosh-Projekt bereits im Frühling 1979 von Apple-Chairman Mike Markkula. Markkula wollte einen Computer für unter 500 US-Dollar. Damals noch unter dem Projekt-Namen «Annie».

Bei Apple herrschte damals eine Vorliebe für weiblichen Vornamen als Projekt-Bezeichnungen. «Annie» bezog sich auf «Little Annie Fanny», eine damalige Comic-Figur von Harvey Kurtzman and Willy Elder aus dem Playboy.

Playboys Little Annie Fanny

«Macintosh»

Jef Raskin, Apples Mitarbeiter Nr. 31, wurde von Markkula für das Projekt angeheuert. Dieser fand Apples Praxis rund um die Projekt-Namen sexistisch und entschied sich stattdessen für seine Lieblings-Apfelsorte als Name des neuen Projekts. Raskin lancierte das Projekt im Mai 1979 — unter dem Namen «Macintosh».

Der Name von Raskins bevorzugter Apfelsorte wäre eigentlich «McIntosh» gewesen, aber Raskin wollte nicht, dass es zu einem möglichen Streit mit der damals bekannten Audio-Firma «McIntosh Laboratory» kommen könnte und fügte der Bezeichnung ein «a» hinzu — aus «Mcintosh» wurde so «Macintosh», mit der Option den Namen als «Mac» abzukürzen.

Das Logo von «McIntosh Laboratories»

Drei Jahre später, 1982, wollte Apple die Marke «Macintosh» im Markenregister eintragen lassen. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt, da er akustisch zu sehr der bestehenden Marke von McIntosh Laboratory glich. Ein Jahr später gelang es Apple dann doch, die Rechte für «Macintosh» zumindest zu lizenzieren. Drei weitere Jahre später, 1986, übernahm Apple die Markenrechte von McIntosh Laboratory gleich gänzlich.

Jef Raskin

Jef Raskin sagte später, er hätte die Idee für «seinen» Macintosh bereits in den 1960er-Jahren gehabt. Raskin träumte von einem neuartigen Computer, der aus der Sicht des Privatanwenders konstruiert war. Laut Raskin sollte der Macintosh ein Computer werden, bei dem alle Komponenten in einem einzigen Gehäuse untergebracht sind — ohne externe Kabel. Vorgesehen waren ein sehr kleiner Bildschirm von nur 5 Zoll (Zum Vergleich: die iPhones der letzten Jahre haben ein 4-Zoll-Display), wenig Speicher und ein günstiger Prozessor.

Steve Jobs

Während dieser Zeit arbeitete Steve Jobs noch am Apple III und später am LISA. 1979, einige Monate nachdem sowohl das «Annie»- bzw. «Macintosh»-Projekt wie auch das LISA-Projekt bei Apple starteten, besuchte Steve Jobs Xerox und sah dort die Zukunft, als er das erste Mal Einblicke in Xeroxs Ansätze einer grafischen Benutzeroberfläche erhielt. Diese verfolgte er im LISA-Team weiter. Die Idee des Macintoshs hielt er damals für minderwertig und bekämpfte sie vehement. Doch als er das LISA-Team verlassen musste, änderte Jobs seine Meinung. Er erkannte die Chance, mit dem Mac-Team einen besseren Computer als den LISA bauen zu können und übernahm kurzerhand die Leitung des Projektes. Jef Raskin musste die Abteilung schon kurze Zeit später (1982) verlassen, da sich seine Vorstellungen des Macs nicht mit denen von Jobs vereinen liessen.

Jobs wollte aus dem Macintosh ein revolutionäres Gerät machen, welches nicht nur durch seine neuartige Bedienung überzeugte, sondern auch in jeglicher anderer Hinsicht. Statt auf einen wenig Speicher und billigen Prozessor setzte Jobs auf 128KB Speicher und einen teuren und leistungsfähigen 68000er-Prozessor. Der von Raskin und Markkula angestrebte Verkaufspreis von 500 US-Dollar musste bald auf 1000, später auf über 2500 US-Dollar erhöht werden. Auch wollte Jobs zuerst einen anderen Namen für das Projekt — ihm schwebte «Bicycle» vor. Schlussendlich kam Jobs mit seiner Namens-Idee aber nicht durch und später war der für das Projekt wahrlich entfesselte Jobs sogar die treibende Kraft hinter den Anstrengungen, die Markenrechte an «Macintosh» doch noch lizenzieren zu können.

Dank Jobs gewann das Macintosh-Projekt sehr schnell an Bedeutung. Schon kurze Zeit nach seiner Projekt-Übernahme zog die Abteilung in ein eigenes Gebäude und stellte laufend neue Entwickler ein. Jobs suchte nach fähigen Mitarbeitern, die bereit waren, all ihre Zeit in den Mac zu investieren. Während am LISA-Projekt hauptsächlich erfahrene Ingenieure arbeiteten, die jeden Schritt lange vor der Umsetzung auf dem Papier planten, wurde der Mac von einer Gruppe junger Rebellen entwickelt, die sich alle von Jobs’ Vision, mit dem Mac die Welt zu verändern, anstecken liessen — darunter Bill Atkinson, Andy Hertzfeld, Burrell Smith, Jerry Manock und Susan Kare.

Bill Atkinson

Atkinson war Apples Mitarbeiter Nr. 51 und gehörte zum ersten Entwicklerteam der Firma. Atkinson entwickelte das Grafik-System «QuickDraw», auf dem sowohl LISA wie auch der Mac aufbauten. Der talentierte Programmierer verband Xeroxs Icon-Idee mit einer Eintastenmaus-Bedienung und entwickelte die Möglichkeit, Fenster, Dateien und Ordner anzuklicken und zu verschieben. Die Schreibtisch-Metapher wurde geboren. Die Idee wurde bereits früher von Raskin auf Papier gebracht — Atkinson war jene Person, welche die Idee verwirklichte.

Später entwickelte Atkinson in Eigenregie auch die erste «Killer-App» des Macintoshs — das Zeichenprogramm «MacPaint». Mitte 1980er-Jahre konzipierte und entwickelte Atkinson zudem Apples «HyperCard», das erste erfolgreiche Hypermedia/Hypertext-System — gewissermassen der Vorgänger des World Wide Web.

Andy Hertzfeld

Ein weiterer Architekt des Mac-Betriebssystems war Andy Hertzfeld. Der Entwickler mit der Mitarbeiternummer 12 war der Verfasser grosser Code-Bestandteile des Mac-Betriebssystems sowie der «User Interface Toolbox» mit den Fenster- und Menü-Managern.

Hertzfeld gilt heute als jener Entwickler, der am meisten für die einfache Bedienbarkeit der Benutzeroberfläche des Macs verantwortlich war.

Burrell Smith

Für die Revolutionen auf der Hardwareseite sorgte unter anderem Burrell Smith, Apples Mitarbeiter Nummer 282. Burrell stiess Anfang 1979 zu Apple. Er verfügte über keinen College-Abschluss und war zuerst als einfacher Techniker bei Apple angestellt und reparierte im Apple-II-Team defekte Hardware.

Atkinson aber sah Smiths Potential und hielt ihn für ein Genie, brachte ihn zu Raskin und dieser wiederum holte ihn ins Macintosh-Team.

Burrell lernte während seiner Zeit beim Apple-II-Team viel von Apple-Entwickler-Legende Steve Wozniak. Hertzfeld soll mal gesagt haben, dass Burrell und Woz sehr ähnliche Typen seien — beides seien «verrückte Genies» und keine konservativen Arbeiter.

Nur dank dem von Burrells entwickelten Motherboard-Design konnte der Macintosh so gebaut werden, wie Steve Jobs ihn sich vorstellte. Burrell setzte dabei auf eine Technik, bei dem die maximale Funktionsmenge mit einer minimalen Chip-Anzahl erreicht wird. Burrells Entwicklungen erlaubten den kleinen Formfaktor des Macintoshs. Zu den wichtigsten Entwicklungen von Burrell gehörte der «Bus Transformer», welcher die Datenbusse überlagerte und ihm so beispielsweise erlaubte, die 68000er-CPU, welche einen 16-bit-Bus benötigte, über nur 8 Speicherchips anzusteuern. Viele von Burrell entwickelte Verfahren wurden später zum Standard für Computer.

Nach dem Macintosh entwickelte Burrell Smith auch das Motherboard des legendären Apple LaserWriters und jenes des Apple-II-Low-Cost-Modells «Apple IIe».

Jerry Manock

Jobs wollte mit dem Macintosh etwas «komplett anderes als alles bisher Dagewesene» erschaffen — das galt nicht nur für die Software und die Innereien, sondern ganz speziell auch für das Design des Computer-Gehäuses. Jobs verlangte nach einem klassischen Design das «nie aus Mode komme […] wie der Käfer von VW». Raskins ursprüngliche Idee von einem Gerät in einem einzigen, horizontal ausgerichtetem Gehäuse ohne zusätzliche Geräte lehnte Jobs wehement ab.

Um dem Mac auch ein entsprechendes Äusseres zu verpassen, holte sich Jobs Jerry Manock zum Macintosh-Team. Manock stiess bereits im Jahr 1977 zu Apple — zu einem Zeitpunkt, als Apple erst fünf Mitarbeiter hatte. Der Industrial-Designer arbeitete fortan zum Stundenlohn von 20 US-Dollar als Design-Berater für Apple. Manock wollte unabhängig bleiben und bestand deshalb darauf, seine Arbeiten nicht als fixer Apple-Angesteller, sondern als Auftragnehmer zu verrichten. Manock gestaltete das Apple-II-Design (für 1800 US-Dollar) und gilt heute als der Gründer von Apples Design-Abteilung. Als Manock einige Zeit später realisierte, dass er fast ausschliesslich für Apple arbeitete, liess er sich dann doch noch fix anstellen. Statt der Mitarbeiternummer sechs und dem damit verbundenen Millionengewinn im Rahmen von Apples späterem Börsengang, wurde Manock so ‘nur’ zum Mitarbeiter Nummer 246.

Jobs und Manock entschieden, dass der Mac nicht horizontal wie alle Computer damals, sondern vertikal ausgerichtet sein sollte. Damit der Macintosh möglichst wenig Platz auf dem Schreibtisch benötigt, platzierten die beiden das Display nicht wie damals üblich neben der Festplatte bzw. dem Floppy-Drive, sondern über diesem Laufwerk. Ausserdem wurde die Tastatur zu einem externen Gerät.

Susan Kare

Ebenfalls Teil der Design-Abteilung war die Grafikdesignerin Susan Kare. Kare stiess als Mitarbeiterin Nummer 3978 im Jahr 1982 zu Apple. Ihr offizieller Titel hiess «HI Macintosh Artist», denn sie war neben einigen Arbeiten an Marketingmaterialien für den Macintosh vor allem für etwas verantwortlich, was uns noch bis heute begleitet: Kare entwarf die Icons und einige Schriftarten des Macintoshs.

Kares Icons entwickelten sich sofort zu einem Branchen-Standard. Sie arbeitete später als eine der ersten Mitarbeiterinnen von «NeXT» erneut für Jobs und entwarf für Microsoft auch diverse Icons und Grafiken für Windows 3.0. Einige von Kares Icons (insbesondere für Grafik-Applikationen) haben bis heute überlebt: zum Beispiel das «Lasso», die Farb-Pinzette oder der Farb-Kessel.
Ebenfalls von Kare stammt die Verwendung des «Blumenkohl»-Symbols für die Apple- bzw. cmd-Taste, die «Happy Mac»-Grafik und «Clarus» die «Dogcow». Zu den von Kare gesetzten Schriftarten gehören «Chicago» (Standard-Schrift des klassischen Mac OS sowie die System-Schrift der ersten vier iPod-Generationen), «Geneva» und die originale Monospace-Schrift «Monaco».

Übrigens: das Lippen- bzw. Kuss-Bild, welches standardmässig in der Profilbild-Auswahl von Mac OS X angeboten wird, stammt ebenfalls von Kare.

Das Mac-Team 1984

Teamwork

Initiiert von Markkula und Raskin. Zu etwas ganz Grossem gemacht von Steve Jobs. Ermöglicht von einer Gruppe junger, talentierter Rebellen rund um Bill Atkinson, Andy Hertzfeld, Burrell Smith, Jerry Manock und Susan Kare. Das ist der originale Macintosh.

Heute vor 30 Jahren wurde der Mac der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein einschneidendes Ereignis — nicht nur für Apple, sondern ein Meilenstein hin zur digitalen Revolution.

Happy Birthday Mac.