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Apples PR-Strategie: Wie Apple die Öffentlichkeit steuern will

Veröffentlicht am Montag, 01. September 2014, um 09:56 Uhr von Patrick Bieri

Ein neuer Bericht enthüllt, wie Apple versucht, die Meinungsbildung über das Unternehmen zu beeinflussen. Dem Unternehmen scheint kaum ein Aufwand zu gross, um die öffentliche Wahrnehmung im eigenen Sinn zu beeinflussen.
Apples PR-Aktivitäten könnten in Zukunft noch stärker darauf gerichtet werden, der Öffentlichkeit ein möglichst positives Bild des Unternehmens zu vermitteln. Nach dem diesjährigen Abgang der PR-Chefin scheint Apple eine offenere Kommunikation anzustreben.

In einem ausführlichen Bericht blickt der 9to5Mac-Redaktor Mark Gurman hinter die Kulissen von Apples Werbeabteilung. Wirklich Neues deckt Gurman dabei nicht auf, bietet aber einen umfassenden Blick auf eine für viele unbekannte Seite von Apple.

Damit die eigenen Produkte in einem möglichst guten Licht dargestellt werden, scheut Apple kaum einen Aufwand. In den letzten Jahren hat es Apple geschafft, die öffentliche Meinung über das Unternehmen im eigenen Sinn zu beeinflussen.

30 PR-Angestellte in Cupertino

In Anbetracht von Apples Unternehmensgrösse ist die PR-Abteilung klein. Gemäss Gurman arbeiten rund 30 Angestellte in Cupertino für Apples Werbe-Abteilung. Diese Abteilung ist in insgesamt 7 Bereiche unterteilt worden. In der Abteilung Momentum kümmern sich Apple-Angestellte beispielsweise um die Integration der Apple-Geräte bei Veranstaltungen. So hilft die Abteilung den Organisatoren eines Musik-Festivals, das iPad in den Produktions-Prozess einzubinden. Diese Abteilung macht Journalisten auch auf neue Apps aufmerksam.
Die Abteilung Events bereitet Veranstaltungen wie die WWDC vor. Weitere Abteilungen kümmern sich um die Bewerbung der einzelnen Apple-Produkt-Kategorien.

Einige dutzend weitere PR-Angestellte arbeiten über die ganze Welt verteilt. Diese Mitarbeiter übersetzen Pressemitteilungen, organisieren lokale Veranstaltungen und beantworten Medien-Anfragen.

Aufbau einer eigenen Werbe-Agentur

Apples kontrolliert die eigene Kommunikationsstrategie weitgehend selbst. Für Kampagnen arbeitet das Unternehmen auch mit externen Anbietern zusammen. So besteht seit rund 30 Jahren eine Partnerschaft mit der Werbeagentur TBWA. Aus dieser Partnerschaft gingen legendäre Kampagnen, wie beispielsweise die «1984»- oder die «Think Different»-Kampagne, hervor.

Künftig wird Apple Werbe-Kampagnen vermehrt selbst produzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, baut Apple eine eigene Werbe-Agentur auf.

Pressespiegel für Apple-Manager

Apples PR-Abteilung organisiert nicht nur Events oder entwickelt Kampagnen: Stattdessen werden auch die Berichterstattung der Medien überwacht. Einige Apple-Angestellte sind damit beschäftigt, Bilder von prominenten Personen zu finden, welche ein Apple-Gerät nutzen. Andere Angestellte lesen Nachrichten-Seiten über Apple. Damit kann die öffentliche Meinungsbildung nachvollzogen werden.

Für Apple ist die Berichterstattung in den Medien sehr wichtig. Mehrmals in der Woche erhalten Top-Manager des Unternehmens einen Pressespiegel. In diesem wird den Managern aufgezeigt, in welcher Form Apple in den Medien präsent war.

Wer könnte positiv über Apples Geräte berichten?

Wer die neuen Apple-Produkte als erstes zum Testen bekommt, wird von Apple genau bestimmt. Die Geräte gehen gemäss Gurman zuerst an Journalisten, welche gegenüber Apple positiv eingestellt seien.

Welche Zeitschrift erhält die Testgeräte zuerst? Quelle: 9to5Mac

Die Tester sollten zudem möglichst einwandfreie Geräte erhalten. Einem ungenannten Apple-Angestellten zufolge soll er angewiesen worden sein, die Testgeräte vor dem Versand auf Kratzer oder andere Beschädigungen zu überprüfen.

Apples Tester-Leitfaden mit Falschinformationen

Die Tester erhalten von Apple meist nicht nur die Geräte, sondern auch einen Reviewer’s Guide. In diesem Dokument weist Apple auf die wichtigsten Merkmale eines Produktes hin.

Gemäss Gurman weisen diese Leitfäden zum Teil gravierende Fehler auf. Im Reviewer’s Guide zum iPad Air und zum iPad mini mit Retina Display wurden die beiden Geräte gleichgesetzt. Gemäss Apple unterscheiden sich die beiden Tablets lediglich bei der Bildschirmgrösse. Erste Tester übernahmen diese Feststellung ohne Überprüfung. Doch dies stimmte nicht: Der Bildschirm des iPad Air liefert viel bessere Bilder als der Bildschirm des iPad mini mit Retina Display, wie spätere Tests ergaben. Auch der Prozessor des iPad Air ist schneller als der Prozessor des iPad mini mit Retina Display.

«Tyrannin» verlässt PR-Abteilung

Erst in diesem Jahr verlies die langjährige PR-Chefin Katie Cotton Apple. Offizieller Grund für den Abgang war Cottons Wunsch, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern.

Die Managerin war bei Apple-Mitarbeitern angeblich aber nicht sonderlich beliebt: Angestellte bezeichneten sie als Tyrannin. Angeblich stand sie einer «freundlicheren» PR-Strategie des Unternehmens im Weg.

Aktuell sucht Apple nach einem neuen PR-Chef. Interimistisch wird die Position von den beiden Managern Steve Dowling und Nat Kerris eingenommen.

Weg frei für freundlichere und offenere PR-Strategie?

Unter einem «freundlicheren» PR-Chef wird das PR-Team von Apple deutlich mehr Möglichkeiten haben, wie ungenannte Apple-Angestellte frohlocken. Insidern zufolge könnte Apple auf der Suche nach einem PR-Chef sein, der sich insbesondere auch mit den chinesischen Vorlieben auskennt.

Bereits jetzt deuten erste Anzeichen auf eine freundlichere PR-Strategie hin: die Tech-Seite Gizmodo wurde zum Special Event vom 9. September eingeladen. Seit dem Jahr 2010 wurden Vertreter der Nachrichten-Seite nicht mehr zu Special Events eingeladen — damals kauften die Macher der Seite vor der Veröffentlichung eines iPhone 4 ein Gerät, das ein Apple-Mitarbeiter zuvor in einer Bar verloren hatte und berichtete ausführlich mit Bildern davon.

Kategorie: Apple
Tags: Apple, Bericht, Medien, Medienkompetenz, Retina Display, Review, Special Event, Specials, Tablet, USA, Veranstaltungen, Werbung

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