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Interessensgruppe: Apple umgeht 59 Milliarden USD Steuern durch im Ausland gehaltene Gelder

8 Kommentare — Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2015, um 06:48 Uhr von Stefan Rechsteiner

Eine linksgerichtete Interessensgruppe macht in den USA auf die aus Steuergründen im Ausland gehorteten Barreserven grosser US-Unternehmen aufmerksam. Gemäss einer Studie der Gruppe entgehen dem amerikanischen Staat damit jährlich viele Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen — Apple sei dabei der Spitzenreiter.

Apple macht nicht nur im Heimatland, sondern auch ausserhalb der USA gute Geschäfte. Die immensen Gewinne der letzten Jahre haben dem Unternehmen zu einer prall gefüllten Kriegskasse verholfen. Der Mac-Hersteller hortet mittlerweile die grössten Barreserven des Marktes. Da der Grossteil der Milliarden im Ausland erwirtschaftet wurde, deponiert Apple dieses Geld auch ausserhalb der USA — denn eine Rückführung in die USA hätte immense Steuern von über 30 Prozent zur Folge.

Konkret habe Apple 181.1 Milliarden US-Dollar auf drei Steueroasen liegen. Diese Tatsache ist nichts neues, sorgt derzeit in den USA aber mal wieder für Aufsehen. Geht es nach der Interessen-Gruppe «Citizens for Tax Justice», dann müsste die iPhone-Company dieses Geld eigentlich zurück ins Heimatland holen und dafür dem Staat die geschuldeten Steuern verrichten.

Der legalen, aber für einige US-Amerikaner unverständliche Praktik der Vermeidung der immensen Steuern auf Offshore-Milliarden durch Tochterunternehmen im steuergünstigen Ausland geht nicht nur Apple nach. Auch viele andere US-Unternehmen horten Milliarden ausserhalb der USA. Laut einer Studie der «Citizens for Tax Justice» halten alleine die fünfhundert grössten US-Unternehmen Gelder in der Höhe von 2.1 Billionen US-Dollar im Ausland. All diese Unternehmen würden dem Staat den Interessensvertretern zufolge 620 Milliarden US-Dollar an Steuern «schulden». Apple alleine müsste bei einer Rückführung der 181.1 Milliarden im Ausland gehorteten US-Dollar geschätzte 59.2 Milliarden US-Dollar Steuern abdrücken. Apple-Konkurrent Microsoft beispielsweise lässt seine ausserhalb der USA erwirtschafteten Gewinne ebenfalls Offshore versteuern — mittlerweile ebenfalls in immenser Höhe: 108.3 Milliarden US-Dollar soll der Software-Gigant im Ausland horten. Microsoft würde den USA bei einer Rückführung 34.5 Milliarden US-Dollar Steuern schulden.

Wie es in der Studie weiter heisst, würden den USA so jährlich etwa 90 Milliarden US-Dollar durch die Lappen gehen.
Die Interessensgruppe fordert Washington auf, dieser Praktik ein Riegel vorzuschieben.

Apple CEO Tim Cook selbst argumentierte zu diesem Thema vor zwei Jahren, als dieses Thema bereits einmal hochgegriffen wurde und der Apple-Chef sich gar vor einem Senatsausschuss rechtfertigen musste. Das Unternehmen zahle den USA jeden einzelnen Dollar, den man dem Staat durch die Produkt-Verkäufe im Land schulde. Apple würde die Gewinne korrekt dort versteuern, wo sie anfallen.
Einige Politiker setzen sich indes auch für eine Reform der Gesetze ein, damit die hohen Rückfuhrsteuern gesenkt werden. US-Unternehmen sollen damit dazu bewogen werden können, ihre immensen Offshore-Milliarden in das Heimatland der Unternehmen zu holen.

Kategorie: Apple
Tags: Apple, Barreserven, Irland, Microsoft, Steuern, Steueroase, USA

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8 Kommentare

Kommentar von Grumbl-fyx (#29135)

Ha, 90 000 000 000 $ wären vernachlässigbar? In welcher Finanzliga spielst Du, nightrider?

Klar ist, dass die 90 Mia $ irgendwie ausgeglichen werden, wahrscheinlich durch eine Kompensation durch:
- mehr Steuern für die ‘kleinen Leute’…
- Abbau bzw. fehlender Aufbau des Service Public (Infrastrukturaufbau und -pflege, Schulung/Forschung, Umweltschutz, Sozialversicherungen, …). Gerade die ersten 3 Punkte unterstützen auch in hohem Masse die Wirtschaftswelt.

Die OECD hat vor kurzem Massnahmen vorgeschlagen, die es erschweren, einer zwar juristisch erlaubten, moralisch aber zumindest fragwürdigen Steuerpraxis nachzugehen. Strategien wie der “Double Irish with a Dutch sandwich” sind nicht fair und eigentlich auch nicht liberal im ursprünglichen Sinne.

Klar ist, dass die grossen Geldkässeli Apple, Google etc. einen Milliarden-schwere Motivation haben, gegen gerechtere internationale Steuergesetze zu lobbyieren…

Kommentar von mbl (#29137)

Abgesehen von den Umgehungsmöglichenkeiten wie “Lizenzahlungen” an Firmen in Steueroasen ist der Ansatz der Interessensgruppe vollkommen falsch. Steuern gehören nicht in die USA, sondern sollen dort bezahlt werden, wo sie anfallen.

Diese Interessensgruppe sieht nur den eigenen US-Vorteil. Das würde für eine US-Firma bedeuten, dass sie nicht nur die Steuern im Handelsland (z. B. Schweiz) zahlen müsste, sondern ZUSÄTZLICH auch noch für den gleichen Umsatz Steuern in den USA. Und das kann es nicht sein.

Oder will diese Interessensgruppe, dass nur noch Steuern in den USA bezahlt werden, die anderen Länder aber leer ausgehen?

Kommentar von Grumbl-fyx (#29138)

Abgesehen von den Umgehungsmöglichenkeiten wie “Lizenzahlungen” an Firmen in Steueroasen ist der Ansatz der Interessensgruppe vollkommen falsch. Steuern gehören nicht in die USA, sondern sollen dort bezahlt werden, wo sie anfallen.

Diese Interessensgruppe sieht nur den eigenen US-Vorteil. Das würde für eine US-Firma bedeuten, dass sie nicht nur die Steuern im Handelsland (z. B. Schweiz) zahlen müsste, sondern ZUSÄTZLICH auch noch für den gleichen Umsatz Steuern in den USA. Und das kann es nicht sein.
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ich stimme Dir zu, die Steuern sollen dort bezahlt werden, wo der Marktvorgang stattfindet. Und wegen der Doppelbesteuerung: ich habe in den Zeitungen gelesen, dass immer mehr Schweiz/US-Doppelbürger ihre US-Bürgerschaft abgegeben haben, u.a. wegen der für sie geltenden Doppelbesteuerung (wenn auch, soweit ich weiss, zu einem reduzierten Steuersatz). Die Doppelbesteuerung ist bei den natürlichen Personen also schon Realität.

Gerne würde ich mal erfahren, wieviele Steuern Apple Schweiz zahlt. Wahrscheinlich macht Apple Schweiz faktisch fast keinen Gewinn, da sie die exklusiv in der Schweiz verkauften Geräte von Apple (Irland) zu einem genau tarierten ‘Schweizer’ (sprich: höheren) Preis bekommen und somit in der Schweiz fast kein “Nettogewinn vor Steuern” anfällt. Der Gewinn fallt in Irland an, wo er aber zu einem extrem tiefen Prozentsatz versteuert wird, weil Apple mit Irland irgendso einen speziellen Steuerdeal hat…. so geht das! [/Maloney]

Kommentar von Grumbl-fyx (#29141)

Besten Dank für den Link auf den interessanten und tollen Artikel… leider scheinen sich die Befürchtungen zu bestätigen, dass Apple bei einem Milliardenumsatz in der Schweiz sehr wenige bis keine Steuern zahlt. Dies wäre nicht nur für uns als natürliche Personen stossend, sondern auch im Vergleich zu den vielen inländischen KMUs, die keine solchen bzw. weniger Steuertricks anwenden können.

Mal überlegen, eigentlich könnte man eine Bürgeranfrage an das Eidg. Steueramt / das Eidg. Finanzdepartement starten.

Die im Artikel erwähnten 21.x % Marge kollidiert etwas mit der Zahl von 34% oder so, welche Apple angeblich als Marge bei Hardware-Verkäufen einnimmt… ich weiss aber nicht mehr, woher ich diese Zahl habe. Viellleicht sind die 21.x % auch eine Mischrechnung mit der kleineren Marge bei App-/Musicstore….

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