Geburt eines Mythos: Die Gründung von Apple
Dem Mythos nach wurde Apple Computer, die Firma mit dem angebissenen Apfel als Logo, am ersten April des Jahres 1976 vom 21-jährigen Steven Paul Jobs und dem knapp fünf Jahre älteren Stephen Gary Wozniak in der Garage von Jobs Elternhaus in Los Altos bei San Francisco gegründet. Apples Gründungsgeschichte erzählt von einem typischen Garagenunternehmen, wie es sie in den 70er-Jahren im Silicon Valley zu Tausenden gab, und wird heute allgemein als die Wahrheit über den legendären Ursprung der Firma Apple angesehen. An dieser Geschichte gibt es nur einen Haken: Sie ist falsch. Tatsächlich wurde Apple an jenem Tag im April 1976 von drei Partnern in einem Schlafzimmer gegründet. Neben den beiden Steves, Jobs und Woz, war noch eine dritte Person mit von der Partie: Ronald Gerald Wayne, ein 41-jähriger Grafiker, welcher ebenso wie Jobs beim Spielehersteller Atari arbeitete.
Jobs holte seinen Freund Wayne in der Hoffnung an Bord, bei wichtigen Entscheidungen einen Vorteil gegenüber Wozniak zu besitzen. So kam es, dass Wayne zehn, und die beiden Steves je 45 Prozent der Anteile ihres neu gegründeten Unternehmens besassen. Damit war Apple geboren.
Steve Jobs und Stephen Wozniak lernten sich schon einige Jahre vor Apples Gründung kennen. Jobs wuchs bei seinen Adoptiveltern Paul und Clara Jobs in Mountain View und später in Los Altos, zwei Kleinstädten im Silicon Valley, auf. Der Landstrich war bekannt für seine hohe Dichte an Firmen der Elektronikbranche, Unternehmen wie Hewlett-Packard oder IBM hatten dort ihren Sitz.
Es dauerte nicht lange, da entwickelte sich das Silicon Valley zu einem Paradies für leidenschaftliche Bastler und Tüftler, welche ihr Leben der Elektronik verschrieben. Geprägt durch die Arbeit ihrer Eltern in den Elektronikabteilungen der grossen Unternehmen sowie dank der zahlreichen Elektronikhändler und Fertigungsstätten fanden junge Bastler im Silicon Valley optimale Voraussetzungen zur Ausübung ihres Hobbys. Einer dieser Bastler war Stephen Wozniak, von seinen Freunden stets Woz genannt, der Nachbar von Bill Fernandez, eines Mitschülers von Jobs. Woz, der seinen Lehrern bereits zu Schulzeiten als grosses Elektroniktalent auffiel, konstruierte im Alter von 21 Jahren gemeinsam mit Fernandez in dessen Garage seinen ersten Computer. Der Computer verfügte bereits über einige Schalter und LEDs, Woz nannte ihn Creme-Soda-Rechner. Eines Tages lud Fernandez seinen Schulkollegen Jobs in die Garage ein, um ihm den Computer vorzuführen. Dies führte zur ersten Begegnung zwischen Jobs und Woz. Steve Jobs war tief beeindruckt von jenem Computer. Nach diesem ersten Zusammentreffen verloren sich die beiden Steves für eine Weile aus den Augen. Erst als Jobs während seinen Schulferien einige Wochen bei Hewlett-Packard, dem Arbeitgeber von Woz, arbeiten konnte, trafen sich die beiden wieder und freundeten sich an.
Zu jener Zeit beschäftigte sich Woz mit der Konstruktion einer so genannten blue box. Dieses Gerät erlaubte es, kostenlose Ferngespräche zu führen, indem es die Signale der Telefongesellschaft emulierte. Jobs besorgte die Bauteile für die blue boxes zu einem Preis von lediglich 40 Dollar, liess die Geräte von Woz zusammenbauen und verkaufte sie anschliessend für 150 Dollar an Studenten. Den Ertrag teilten die beiden unter sich auf. Als 1972 die Kontrollen massiv verschärft wurden, mussten sie den Verkauf ihrer blue boxes einstellen.