Deutschland: Apple warnt Bundespolitik vor Söldner-Spyware

In Deutschland sollen die iPhone von Bundestagsabgeordneten und Mitgliedern der Bundesregierung ins Visier von Spionagesoftware geraten sein. Wie Heise unter Berufung auf ARD berichtet, haben die Geräte seit dem 29. Oktober «Threat Notifications (Bedrohungsbenachrichtigungen)» von Apple erhalten. Darin soll es heissen, Apple habe einen Angriff mit «Mercenary Spyware (Söldner-Spyware)» erkannt, der auf die Kompromittierung des iPhone abgezielt habe. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) bestätigte den Vorgang am 1. November in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin»: Es gebe «eine Meldung von Apple, dass bestimmte Geräte gegebenenfalls kompromittiert wurden mit sogenannter Spyware». Um was es sich konkret handle, sei «jetzt rein spekulativ».

Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe laut Wildberger «superschnell reagiert» und alle bekannten Betroffenen schriftlich informiert. Gemäss dem BSI-Schreiben, das der ARD vorliegt, stuft die Behörde die Warnungen als glaubwürdig ein, hat aber keine weiteren Erkenntnisse zu Anlass und Hintergrund, wie Golem schreibt. Ob ein Angriff tatsächlich erfolgreich war, geht aus den Benachrichtigungen nicht hervor – das BSI rät Betroffenen daher, vorsorglich von einem kompromittierten Gerät auszugehen. Welche Abgeordneten oder Regierungsmitglieder betroffen sind und um wie viele Geräte es sich handelt, ist nicht bekannt.

Die aktuelle Warnwelle ging an Nutzende in 99 Ländern – knapp drei Monate nach der letzten umfangreicheren Meldung im August, die 110 Länder umfasste. Nach eigenen Angaben verschickt Apple solche Warnungen seit 2021 mehrmals jährlich und hat bislang Nutzende in über 150 Ländern informiert.

Solche Angriffe sind gemäss Apple teuer – sie können Millionen kosten –, kurzlebig und richten sich gegen sehr wenige Personen, meist Medienschaffende, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Personen aus Politik und Diplomatie. Dabei werden bislang unbekannte Sicherheitslücken ausgenutzt; Angreifende können so etwa Nachrichten und Standortdaten auslesen sowie auf Mikrofon und Kamera zugreifen. Als bekanntes Beispiel nannte Apple schon öfter die Spyware «Pegasus» der Firma «NSO Group». Wer konkret angreift oder welche Regionen betroffen sind, nennt der iPhone-Konzern grundsätzlich nicht – auch, um die eigenen Erkennungsmethoden nicht preiszugeben.

Als zusätzlichen Schutz empfiehlt Apple Empfängerinnen und Empfängern einer Warnung, auf allen persönlichen Geräten den «Lockdown Mode (Blockierungsmodus)» zu aktivieren sowie sich Unterstützung durch Fachleute zu suchen. Apple ist nach eigenen Angaben bislang kein Fall bekannt, in dem ein Gerät mit aktiviertem Blockierungsmodus von Söldner-Spyware erfolgreich kompromittiert wurde.

Weitere Details liefert Apple in einem Support-Dokument, das zusätzlich auf die «Digital Security Helpline» der Non-Profit-Organisation «Access Now» verweist.

Ob eine Warnung echt ist, lässt sich durch eine direkte Anmeldung auf account.apple.com prüfen. Apple fordert in solchen Benachrichtigungen zudem nie dazu auf, Apps oder Profile zu installieren oder Passwörter preiszugeben.

Von Stefan Rechsteiner
Veröffentlicht am

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