Apple-Klage gegen OpenAI: Gemäss Bericht dutzende Ex-Angestellte im Visier
Im Rechtsstreit mit OpenAI erhöht Apple den Druck: Rund 40 frühere Apple-Angestellte, die heute beim ChatGPT-Unternehmen arbeiten, sollen per Brief zur Beweissicherung aufgefordert worden sein – ein Zeichen, dass der Konzern den mutmasslichen Geheimnis-Diebstahl über die beiden bereits Beklagten hinaus vermutet. Zugleich wird klarer, weshalb Apple den früheren Chefdesigner Jony Ive nicht namentlich nennt.
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Gut eine Woche nach der Klage gegen OpenAI verschärft Apple das Vorgehen: Wie die Financial Times berichtet, hat der Konzern rund 40 ehemalige Beschäftigte, die inzwischen beim ChatGPT-Unternehmen arbeiten, mit sogenannten «Preservation Letters» (Aufforderungen zur Beweissicherung) angeschrieben. Darin wurden die Empfangenden angewiesen, bestimmte Dokumente und Korrespondenz aufzubewahren; zudem seien sie zu Terminen mit Apples Anwaltschaft geladen worden. Betroffen ist damit rund 10 Prozent der über 400 von Apple zu OpenAI abgewanderten Fachkräfte – ein Hinweis darauf, dass Apple den mutmasslichen Abfluss von Geschäftsgeheimnissen nicht auf die beiden bereits Beklagten Tang Tan und Chang Liu beschränkt sieht.
OpenAI weist die Vorwürfe weiterhin zurück. Gegenüber Bloomberg äusserte sich das Unternehmen jüngst ausführlicher: Man nehme die Anschuldigungen zwar ernst, sei sich aber keiner Beweise bewusst, welche die Klage stützten; man glaube an fairen Wettbewerb und daran, dass Beschäftigte frei wählen dürften, wo sie arbeiten. Man werde sich gegen die Klage verteidigen.
E-Mail-Panne liess Vorgespräche scheitern
In der Klageschrift hält Apple fest, OpenAI habe auf die erste Kontaktaufnahme im Februar «nie reagiert». E-Mails, die NBC News einsehen konnte (via Daring Fireball), zeigen jedoch, dass OpenAI damals durchaus antwortete. Ins Stocken geriet der Austausch demnach, weil ein externer Apple-Anwalt – Gabriel Gross von der Kanzlei «Weil, Gotshal & Manges» – zwei OpenAI-Mitarbeiter mit den ähnlich klingenden Nachnamen Wang und Chang verwechselte und eine für den einen bestimmte Nachricht an den anderen schickte. Gross entschuldigte sich tags darauf; OpenAIs Chefjurist zeigte sich dennoch verärgert und verlangte, den Berater vom Fall abzuziehen – was Apple ablehnte. Weil der betroffene Mitarbeiter die Sache nach der Korrektur-Mail für erledigt gehalten habe, sei keine weitere Reaktion erfolgt, so die Darstellung des Unternehmens. John Gruber von Daring Fireball hält den Vorfall indes für wenig stichhaltig, um Apples Vorwürfe zu entkräften.
Warum Jony Ive fehlt
Auffällig ist, dass Apple den früheren Chefdesigner Jony Ive – der die Hardware-Bemühungen von OpenAI über seine Firma «LoveFrom» mitprägt – nicht namentlich beschuldigt. Wie Mark Gurman von Bloomberg im «Power On»-Newsletter schreibt (via MacRumors), dürfte das bewusst geschehen sein. Zum einen fehlten Belege gegen Ive, der ins Tagesgeschäft von Recruiting und Engineering kaum eingebunden sei. Zum anderen spiele die Rücksicht auf Laurene Powell Jobs eine Rolle: Die Witwe von Steve Jobs – Investorin beim von Ive gegründeten Startup «io Products» und Unterstützerin von LoveFrom – gilt als enge Freundin Ives und einflussreiche Fürsprecherin des Konzerns; an der «WWDC26» sass sie in der ersten Reihe neben Tim Cook und dessen designiertem Nachfolger John Ternus. Eine namentliche Nennung Ives hätte laut Gurman Sympathie für den Designer geweckt und Apple den Vorwurf einer persönlichen Abrechnung eingebracht. In der Klageschrift ist denn auch nur unspezifisch von «former Apple leaders» («ehemaligen Apple-Führungskräften») die Rede.
Insgesamt tritt Apple im Streit deutlich offensiver auf als in den vergangenen Jahren gewohnt. Mit den Rechtsbriefen dürfte der Konzern darauf zielen, im Rahmen des Beweisverfahrens (Discovery) weitere Belege zu sichern – die bislang dokumentierten Fälle seien erst «die Spitze des Eisbergs», heisst es in der Klage. Ein rasches Ende ist derweil nicht absehbar.
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