Klage: Apple sieht systematischen Geheimnis-Diebstahl bei OpenAI
Apple geht juristisch gegen OpenAI vor: In einer Klage wirft der iPhone-Konzern dem ChatGPT-Unternehmen vor, systematisch Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben, um damit die Entwicklung eigener KI-Hardware voranzutreiben. Mitbeklagt sind die Hardware-Tochter «io Products» sowie zwei ehemalige Apple-Angestellte, die heute für OpenAI arbeiten.
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Wie unter anderem MacRumors berichtet, reichte Apple die Klage am Freitag, 10. Juli 2026, beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien (U.S. District Court for the Northern District of California) ein. Als Beklagte nennt Apple neben OpenAI und «io Products» den heutigen OpenAI-Hardwarechef Tang Tan – bis Ende 2023 / Anfang 2024 bei Apple Vizepräsident für das Produktdesign von iPhone und Apple Watch – sowie den früheren Apple-Ingenieur Chang Liu, der das Unternehmen nach rund acht Jahren im Januar dieses Jahres in Richtung OpenAI verliess. Der Vorwurf: widerrechtliche Aneignung von Geschäftsgeheimnissen und Vertragsbruch.
Gemäss der 41-seitigen Klageschrift (PDF) soll Tan Apple-Beschäftigte, die sich bei OpenAI bewarben, dazu angehalten haben, in den Bewerbungsgesprächen Details zu unveröffentlichten Geräten, Komponenten, Fertigungsprozessen und Zulieferer-Beziehungen preiszugeben. In mindestens einem Fall habe er eine Angestellte angewiesen, Bauteile aus ihrer Arbeit – etwa Batterien, Platinen und «System-in-Package (SIP)» – zum Gespräch mitzubringen; laut Apple kein Einzelfall. Zudem soll Tan sein Wissen über Apples Austrittsprozesse genutzt und ein als vertraulich markiertes internes Dokument zu den Sicherheitsabläufen bei Kündigungen behalten haben, um neue OpenAI-Mitarbeitende auf Apples Sicherheitsprotokolle vorzubereiten.
Noch detaillierter fallen die Vorwürfe gegen Chang Liu aus. Er soll nach seinem Weggang einen Firmen-Laptop nicht zurückgegeben und – so die Klage – eine Authentifizierungs-Schwachstelle in Apples Infrastruktur ausgenutzt haben, um über Wochen Dutzende vertraulicher Dokumente herunterzuladen. Eine noch bei Apple beschäftigte Kollegin habe ihn demnach weiterhin mit Interna zu Projekten, Zulieferern und Technik versorgt. Den Fund seines fortbestehenden Zugriffs habe Liu ihr gegenüber salopp kommentiert: «LOL, I found out I can access the [network storage], so funny.» («LOL, ich habe herausgefunden, dass ich auf den [Netzwerkspeicher] zugreifen kann, so lustig.»)
Apple beschränkt die Vorwürfe nicht auf einzelne Personen: OpenAI habe das Abschöpfen vertraulicher Informationen auf institutioneller Ebene normalisiert. So soll das Unternehmen mithilfe von Insiderwissen etablierte Apple-Zulieferer kontaktiert und einen langjährigen Partner dazu gebracht haben, eine geschützte Metallveredelungstechnik auch für ein OpenAI-Gerät anzuwenden – im Glauben, dafür Apples Erlaubnis zu haben. Das noch junge Hardware-Geschäft von OpenAI ruhe deshalb auf brüchigem Fundament und sei von Grund auf auf gestohlenen Geheimnissen aufgebaut, heisst es in der Klage – Apple spricht von einem Geschäft, das «bis ins Mark verdorben» («rotten to its core») sei. Gegenüber MacRumors erklärte der Konzern, man nehme den Schutz der Arbeit und des geistigen Eigentums der eigenen Teams sehr ernst und ergreife alle angemessenen Schritte.
Namentlich nicht in der Klage genannt werden Apples ehemaliger Chefdesigner Jony Ive, der die Hardware-Bemühungen von OpenAI leitet, sowie OpenAI-CEO Sam Altman; eine Beteiligung legt Apple in der Klageschrift beiden nicht zur Last. OpenAI hatte Ives Startup «io» 2025 für rund 6.5 Milliarden US-Dollar übernommen – mitgegründet unter anderem von Tang Tan. Gemäss Klageschrift arbeiten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Angestellte bei OpenAI. Die bestehende Partnerschaft der beiden Firmen rund um die ChatGPT-Integration in Apple Intelligence ist laut einer Fussnote in der Klage ausdrücklich nicht Gegenstand des Verfahrens.
OpenAI weist die Vorwürfe zurück
OpenAI wies die Anschuldigungen zurück: Kommunikationsdirektor Drew Pusateri erklärte auf X, das Unternehmen habe «no interest in other companies’ trade secrets» («kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen») und konzentriere sich weiterhin darauf, innovative Technologie zu entwickeln.
Our statement in response to this suit: We have no interest in other companies' trade secrets. We remain focused on building innovative technology that empowers people everywhere. https://t.co/lIxGW6hyz5
— Drew Pusateri (@drewpusateri) July 10, 2026
Das Verhältnis der beiden Unternehmen gilt zuletzt als angespannt: OpenAI wirbt seit Monaten Apple-Fachkräfte ab, wie der Apple-Gerüchte-Koch Mark Gurman von «Bloomberg» schildert (via Daring Fireball) – erst kürzlich wechselte mit Paul Meade der Leiter von Apples «Vision Products Group» zum ChatGPT-Unternehmen.
Mit der Klage verlangt Apple eine gerichtliche Unterlassungsverfügung, die OpenAI den Besitz, die Nutzung und die Weitergabe der betroffenen Technologien untersagt, sowie Schadenersatz in noch zu bestimmender Höhe. Tang Tan und Chang Liu verklagt Apple zusätzlich wegen Vertragsbruchs.
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