Apple TV 4K (2. Generation, 2021)

Nach drei-einhalb Jahren hat Apple seine Settop-Box aktualisiert. Mit einem Speed-Bump und einer neugestalteten Remote will der Mac-Hersteller die Box für die nächsten Jahre fit machen. Wir haben das neue Apple TV 4K und auch die neue Remote ausführlich getestet.

Stefan Rechsteiner

Inhaltsverzeichnis

  1. Same Same, But Different

  2. High Frame Rate HDR

  3. A12-Chip

  4. Wi-Fi 6, Thread, HDMI 2.1 und eARC

  5. Neue Siri / Apple Remote

  6. Für wen?

  7. Fazit zu Apple TV 4K (2. Generation; 2021)

Same Same, But Different

Die neue sechste Generation von Apples Settop-Box «Apple TV» hört auf den gleichen Namen und kommt im gleichen Äusseren daher wie die Vorgängerversion, die sie ersetzt. Das kompakte schwarze Kästchen hat ein Netzteil integriert und verfügt über einen Gigabit-Ethernet- und einem HDMI-Anschluss. An und für sich handelt es sich beim neuen Apple TV schlicht um einen Speed-Bump gegenüber dem bisherigen Modell. Es gibt einen neuen Chip und einige aktualisierte Komponenten – und eine neue Fernbedienung. Letzteres ist klar eines der Highlights der neuen Settop-Box. Die neue «Siri Remote» respektive «Apple Remote» stellen wir in einem eigenen Review vor.

Dieselben Anschlüsse wie bei der letzten Generation: Strom, HDMI (neu aber nach Spezifikation 2.1) und Gigabit-Ethernet (macprime/Stefan Rechsteiner )

High Frame Rate HDR

Zu den Neuerungen der Settop-Box gehört die Unterstützung für 4K-Videos in HDR / Dolby Vision mit 60 Bildern pro Sekunde – doppelt so viele wie bisher. «High Frame Rate HDR Video» (HFR HDR) nennt sich das.

An sich verspricht die höhere Bildwiederholrate ein flüssigeres und naturgetreueres Abspielen von Videos als zuvor. Der Effekt zeigt sich bei Aufnahmen mit viel Bewegung – allen voran positiv bei Sport-Aufnahmen. Durch die zusätzlichen Bilder und somit Details erscheinen Sport-Aufnahmen in hoher Bildrate lebensechter. HFR vermindert Ruckeln und insbesondere Bewegungsunschärfen.

Nach wie vor aber ungewohnt und befremdend fühlen sich Videos mit 60 fps an, wenn man entsprechende Filmaufnahmen konsumiert. Seit jeher wurden Filme mit 24 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet (tatsächlich sind es eigentlich 23.976 Bilder pro Sekunde). Wir haben uns also an 24 (oder 30) Bilder pro Sekunde gewohnt – nehmen die doppelte Bildrate entsprechend oft als etwas unangenehm war. Nicht wenige Cineasten sehen in HFR gar ein Verlust des «Cinematic Look», des «Kinostils», und setzen HFR dem Soap-Opera-Effekt gleich. Die «Hobbit»-Filme von Peter Jackson beispielsweise waren die Ersten, die mit 60 fps in die Kinos kamen – vielen Zuschauern fiel die hohe Bildrate negativ auf.

Lange Rede kurzer Sinn: 60 fps erscheint uns heute nur deshalb befremdend, weil wir uns 24/30 fps gewohnt sind. Es ist also – wie so manches – Ge­wohn­heits­sa­che.

Wem 60 fps auch nach längerer Zeit nicht gefallen mag, hat jederzeit die Möglichkeit, das Ausgabe-Format der Apple-Settop-Box in dessen Einstellungen fix auf 30fps zu ändern.

Viele Inhalte gibt es bisher noch nicht in «High Frame Rate HDR». Immerhin unterstützt die tvOS-App von YouTube HFR und beispielsweise auch «RedBull TV» bietet erste entsprechende Inhalte an.

Die aktuelle «Killerapplikation» für HFR HDR sind aber Sport-Aufnahmen. Hier ist der Vorteil von 60fps klar ersichtlich. Apple arbeitet eigenen Aussagen zufolge bereits mit Inhalte-Anbietern zusammen, um das Angebot an HFR-Inhalten weiter auszubauen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich HFR tatsächlich durchsetzen wird.

Zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls ist die HFR-Kompatibilität der neuen Apple-TV-Box ein «nice to have», ein nettes Zückerchen, aber kein Grund, nur deshalb die neue Settop-Box kaufen zu müssen.

Die doppelte Bildwiederholrate von 60 statt 30 Frames pro Sekunde in HDR möglich macht der neue Chip im aktualisierten Apple TV.

A12-Chip

War in der ersten Generation «Apple TV 4K» noch ein «A10X Fusion» verbaut (der gleiche Chip wie im iPad Pro von 2017), hat Apple dem neuen Modell nun einen «A12 Bionic» verpasst. Den A12 findet man auch im iPhone XS, iPhone XS Max und im iPhone XR von 2018.

Bezüglich der Architektur ist der A12 Bionic zwei Jahre fortgeschrittener als der A10X Fusion. Letzterer basierte auf dem «A10 Fusion» von 2016.

Der A12 bringt gegenüber dem A10X konkret performantere CPU-Cores, eine bessere Grafik-Leistung sowie bessere Video-Decode-Fähigkeiten und Audio-Verbesserungen. Diese Leistungssteigerung ermöglicht unter anderem HFR HDR.

Wahrscheinlich nie erfahren werden wir, warum Apple in der aktualisierten Settop-Box nicht eine neuere Chip-Generation wie den «A13» (2019) oder sogar den aktuellen «A14» verbaut hat – oder aber vom A12 zumindest den «A12X» (iPad Pro 2018) oder den «A12Z» (iPad Pro 2020).

Seitens Apple sieht man den A12 mehr als geeignet für die Box auch im Hinblick auf die nächsten Jahre. Durch den Chip sei das neue Apple TV anderen Geräten in dieser Kategorie weit voraus – wie dies auch schon die vorhergehende Generation gewesen sei. Es sei wichtig, den richtigen Chip für die entsprechenden Geräte auszuwählen. Apple mache eine Menge an Silicons und eine Menge an Geräten. Der A13 oder der A14 seien mobile Prozessoren, die insbesondere auch stark im Management von mobilen Stromquellen wie Akkus seien – dies sei bei einem Apple TV so nicht nötig. Apple zufolge ist der A12 genau der richtige Chip für das neue Apple TV. Mit dem A12 sei die neue Apple TV fit für die Entwicklungen der nächsten Jahre bezüglich Video-Formate und auch betreffend high-performance Apps wie Spiele.

Dass der Chip die nötige Rechenleistung bringt, um HFR-Inhalte in 4K-Auflösung mit HDR abspielen kann, zeigt sich in unseren Tests. Für den nächsten Schritt, nämlich 8K, dürfte der Chip dann nicht mehr gerüstet sein – aber bis zu einem Apple TV mit 8K dürfte wohl doch nochmals das eine oder andere Jahr verstreichen, so schnell dürfte das nicht kommen. Was Spiele anbelangt, bietet der A12 auf dem Blatt tatsächlich eine 50-prozentige Steigerung bei der Grafik-Leistung gegenüber dem A10X. Die Leistung ist natürlich nicht vergleichbar mit einer top-modernen Konsole wie einer PlayStation oder Xbox. Apple aber versucht mit der Settop-Box auch nicht diese zu konkurrenzieren, sondern fokussiert sich auch mit dem Spiele-Abo Apple Arcade eher auf die Casual Gamer.

Wi-Fi 6, Thread, HDMI 2.1 und eARC

Beim Wi-Fi funkt das neue Apple TV neu mit 802.11ax aka «Wi-Fi 6». Dies mit MIMO und simultanem Dualband von 2.4 und 5 GHz. Der neue Wi-Fi-Standard erlaubt höhere Datenraten, was 4K-HDR in HFR natürlich zugutekommt.

Weiter entspricht der HDMI-Anschluss der Spezifikation HDMI 2.1, welcher unter anderem die Ausgabe von HFR ermöglicht. Diese ist aber durch HDMI 2.1 eigentlich auf bis zu 120 Hz ausgelegt – das neue Apple TV 4K unterstützt aber wie oben ausgeführt bis 60 Hz. Auch erlaubt HDMI 2.1 mit 48 Gigabit pro Sekunde (4 Lanes à 12 Gbps) einen höheren Datendurchsatz, als ihn Apple in der neuen Box nutzt. Theoretisch wäre damit eine 8K- oder in SDR sogar eine 10K-Auflösung möglich. Des Weiteren wäre eine Chroma von 4:4:4 möglich, die wird aber weiterhin auf 4:2:2 reduziert.

Neu unterstützt die Settop-Box auch die Netzwerktechnik «Thread». Der neue Funk-Kommunikations-Standard wurde speziell im Hinblick auf die Konnektivität von Internet-of-Things-Devices, insbesondere «Smart Home»-Geräten, entwickelt. Das Low-Power-Mesh-Netzwerk soll für zuverlässigere Verbindungen und schnellere Reaktionszeiten sorgen. Das Protokoll wird unter anderem auch ein Grundpfeiler sein vom kommenden Smart-Home-Standard «Matter». Moderne «HomeKit»-Geräte können mit dem Thread-Protokoll direkt von Apple TV aus gesteuert werden. Da Apple TV als HomeKit-Hub dienen kann, können auch alle anderen Geräte Thread-Zubehör nutzen. Noch ist die Unterstützung für Thread sehr überschaubar. Erstmals baute Apple vergangenen Herbst beim HomePod mini Thread ein. Früher oder später wird der Standard wohl aber verbreitet sein – zum aktuellen Zeitpunkt aber kann man noch nicht gross vom neuen Protokoll profitieren.

Last but not least unterstützt die aktualisierte Apple-TV-Generation neu über HDMI auch «ARC» (Audio Return Channel) und «eARC» (enhanced ARC). Die Technologie ermöglicht es Apple TV, alle Audio-Ausgaben vom Fernseher über einen oder mehrere verbundene HomePod auszugeben. Bisher konnte die Apple-Settop-Box einzig ihre eigene Audio-Ausgabe an den HomePod senden. Neu kann Apple TV das also auch für den Fernseher selbst und für alle anderen mit dem Fernseher verbundenen und kompatiblen Geräte übernehmen – auch für Konsolen, Medien-Player oder andere Settop-Boxen.

Die «Audiorückführkanal»-Einstellung unter «Standardmässige Audioausgabe» in tvOS 14 (Apple )

Neue Siri / Apple Remote

Neben den technischen Verbesserungen – aka Speed-Bump – das Highlight der neuen Apple-TV-Generation ist die neugestaltete «Siri Remote» respektive «Apple Remote». Sie ist grösser und schwerer als die bisherige «schwarze» Fernbedienung, hat neue Druckknöpfe – teils neu angeordnet – und ein Touch-fähiges Click-Wheel ähnlich den früheren iPod.

Wie bereits eingangs erwähnt, haben wir die neue Siri-, respektive Apple-Remote in einem separaten Review behandelt. Dieser kann über folgenden Link aufgerufen werden:

Für wen?

Wer bereits ein Apple TV 4K der ersten Generation (2017) besitzt und nicht einen essenziellen persönlichen Mehrwert in HFR HDR, Wi-Fi 6, Thread oder dem Leistungsschub durch den A12 Bionic sieht, gewinnt mit der überarbeiteten Version nicht viel. Durchaus interessant sein könnte aber der Kauf der neuen Siri-/Apple-Remote (zum Review).

Eine andere Geschichte ist es, wenn man noch ein «Apple TV HD» (4. Generation) oder ein älteres Modell sein Eigen nennt. Entsprechend potente Fernseher vorausgesetzt, ist der Sprung von HD zu 4K und dann auch noch mit HDR ein massiver. Hier lohnt es sich definitiv, sich den Kauf einer neuen Apple-TV-Box zu überlegen.

Mit einem Preis von 200 Franken (32 GB) respektive 230 Franken (64 GB) ist die Apple-Settop-Box nicht preisgünstig – vor allem auch im Vergleich zur Konkurrenz – aber aktuell gibt es keine andere Settop-Box auf den Markt, die so komplett ist wie Apple TV. Vor allem – aber nicht nur – für Nutzer, die ohnehin schon Apple-Geräte im eigenen Haushalt haben, denn die Integration in das Apple Ökosystem ist wenig verwunderlich vorzüglich.

Wer noch kein Apple TV hat und sich schon länger eine Settop-Box von Apple zutun wollte, kann jetzt getrost zugreifen. Auch wenn es über die vergangenen Monate Spekulationen über eine umfassendere Apple-TV-Überarbeitung gab, als die nun vorgestellte Box, ist dies nun das neue Apple TV. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass gut möglich so schnell nichts anderes mehr kommen wird.

Ob man nun zum 199 fränkigen 32-GB-Modell oder zum Modell mit 64 GB für 229 Franken greifen soll, ist schnell beantwortet. Wer mit dem Apple TV gedenkt viele Spiele zu nutzen, ist mit dem 64-GB-Modell wohl besser beraten. Für alle anderen reicht wohl auch die 32-GB-Variante. tvOS verwaltet den Speicherplatz komplett automatisiert. Es gibt bis dato keine Möglichkeit, den internen Speicherplatz einer Apple-TV-Settop-Box manuell zu verwenden. Es gibt keine Möglichkeit, Filme und Serien oder andere Inhalte manuell herunterzuladen und lokal zu speichern. Alles wird gestreamt und der interne Speicherplatz ausschliesslich für die Zwischenspeicherung verwendet. Gleiches gilt für grössere Spiele unter tvOS – auch diese werden nicht komplett heruntergeladen, sondern vorzu in einzelnen Teilen. Der interne Speicher wird also ausschliesslich für das Zwischenspeichern von Inhalten verwendet. tvOS macht dies übrigens grossartig. Nun entspricht dies dem aktuellen Stand, heisst: Es kann möglich sein, dass ab einer künftigen tvOS-Version der interne Speicher direkter manuell genutzt werden kann. Dann macht es vielleicht durchaus einen Unterschied, ob man nun 32 oder 64 GB Speicherplatz zur Verfügung hat. Bis dato gibt es aber keine Anzeichen dafür. Und bis dahin sind für die meisten Nutzer 32 GB Speicherplatz genug – auch in Zeiten von 4K- und HFR-HDR-Streams.

Weiterhin nicht wirklich empfehlen können wir den Kauf der preislich zwar tiefer angesetzten, aber nunmehr doch ziemlich alten vierten Generation, die Apple weiterhin zum (nun wirklich überrissenen) Preis von 169 Schweizer Franken mit 32 GB Speicherplatz im Angebot behält. Die aktualisierte 4K-Box kostet 199 bzw. 229 Franken mit 32 bzw. 64 GB Speicherplatz. Für nur 30 Franken mehr erhält man das neue, viel performantere und auch zukunftssichere Gerät. Wie schon vor drei-einhalb Jahren können wir diese Empfehlung auch halten, wenn man keinen 4K-Fernseher besitzt. Früher oder später könnte ein solcher angeschafft werden – dann besitzt man zumindest bereits eine 4K- und HDR-fähige Settop-Box und musste dafür nur 30 Franken mehr bezahlen.

Stiehlt die Show: Die neue Remote (Apple )

Fazit zu Apple TV 4K (2. Generation; 2021)

Die neue Box sieht aus wie die alte und auch in der alltäglichen Nutzung zeigt sich kaum ein Unterschied. Wer durch die hochgekochten Gerüchte der letzten Monate mehr von der neuen Apple-TV-Generation erwartet hatte, dürfte auf den ersten Blick vom neuen Apple TV 4K enttäuscht sein. Grund dazu gibt es aber eigentlich nicht. Die bisherige Settop-Box «Apple TV 4K» war vorzüglich und auch die überarbeitete Version ist es. Viele Komponenten wurden aufgefrischt und die grösste Schwachstelle der Box, die Fernbedienung, ist durch eine grandiose Neue ersetzt worden. Die Settop-Box ist klar nicht in jeglicher Hinsicht perfekt, aber sie ist sehr solide. Das stabile tvOS, das grosse Angebot an Apps und Streaming-Diensten dafür, AirPlay 2 und die tiefe Integration in das Apple-Ökosystem sind starke Argumente für die neue Apple-TV-Generation. Dank dem Speed-Bump durch den leistungsfähigeren Chip und die aktualisierten anderen Komponenten dürfte sie abermals für die nächsten Jahre gut gerüstet sein und für viele Stunden guter Unterhaltung sorgen.

Kommentare

Anmelden um neue Kommentare zu verfassen

Allegra Leser! Nur angemeldete Nutzer können bei diesem Inhalt Kommentare hinterlassen. Jetzt kostenlos registrieren oder mit bestehendem Benutzerprofil anmelden.