Apple übernimmt «Ascend.io» und Schweizer KI-Audio-Startup «Samplab»

In den vergangenen zwei Wochen sind gleich zwei Zukäufe von Apple publik geworden: Der iPhone-Konzern hat sich Technologie und Teile des Teams des Schweizer KI-Audio-Startups «Samplab» gesichert. Zudem holt Apple Mitarbeitende des kalifornischen Daten-Spezialisten «Ascend.io» ins Haus und erhält eine Lizenz an dessen Technologie.

Stefan Rechsteiner

«Samplab»: Einzelne Noten in Audio-Aufnahmen bearbeiten

Apple hat über eine Tochtergesellschaft «bestimmte Vermögenswerte» der «Samplab GmbH» erworben und einem Teil der Mitarbeitenden eine Anstellung angeboten. Das geht aus der Übernahme-Liste hervor, die die EU-Kommission im Rahmen des «Digital Markets Act (DMA)» führt. Zustande gekommen sein soll der Deal bereits am 17. Juni. Zum Kaufpreis gibt es wie meist keine Angaben.

Samplab wurde 2020 von Manuel Fritsche und Gian-Marco Hutter gegründet. Mit der gleichnamigen KI-Software – als Plugin für Musikproduktions-Apps wie Apples Logic Pro sowie als eigenständige App für Mac und Windows erhältlich – liessen sich Audio-Aufnahmen so einfach wie mit MIDI bearbeiten: Einzelne Noten in polyphonen Aufnahmen verändern, Akkorde erkennen und anpassen oder Instrumente in einzelne Spuren aufteilen. Ende Juni kündigte Samplab die Einstellung seines Dienstes an und erstattete die Restlaufzeit von Jahresabos zurück. Per Anfang Juli mutierte das Unternehmen in die ebenfalls von den beiden Gründern gehaltene «Quitten GmbH». Seit dem 17. September ist der Samplab-Dienst eingestellt, samplab.com leitet mittlerweile auf Apple.com weiter.

Was Apple mit der Technologie vorhat, ist offen. Naheliegend wäre Logic Pro: Apples Musikproduktions-App beherrscht mit «Stem Splitter» und «Chord ID» bereits ähnliche Funktionen, das Bearbeiten einzelner Noten in polyphonem Audio wäre indes neu. Der Zukauf könnte sich gleichzeitig auch in eine Sammlung weiterer Akquisitionen einreihen, die das Kreativ-Abo Apple Creator Studio stärken könnten – etwa den Deal mit dem KI-Audio-Startup «Huxe» oder die Übernahmen von «MotionVFX» (demnächst Funktionalität in Final Cut Pro) und «Color.io».

«Ascend.io»: KI-Agenten für Daten-Pipelines

Am 30. Oktober folgte ein weiterer Eintrag in der EU-Liste: Apple hat sich mit der kalifornischen «Ascension Labs, Inc.» geeinigt – besser bekannt als «Ascend.io». Das 2015 gegründete Unternehmen entwickelte Software, mit der Firmen das Sammeln und Aufbereiten grosser Datenmengen automatisieren können. Zuletzt setzte Ascend.io unter dem Schlagwort «Agentic Data Engineering» auf KI-Agenten, die Datenteams Routinearbeiten abnehmen sollen.

Gemäss dem Eintrag erhält Apple das Recht, ausgewählten Mitarbeitenden Stellenangebote zu machen, sowie eine nicht-exklusive Lizenz am geistigen Eigentum. Zudem könnten bestimmte Patente an Apple übertragen werden, wie 9to5Mac aufschlüsselt. Auf der eigenen Website verabschiedet sich Ascend.io mit dem Satz «Ascend is winding down operations as we prepare for our next great adventure (Ascend fährt den Betrieb herunter, während wir uns auf unser nächstes grosses Abenteuer vorbereiten)».

Apple-Zukäufe wie diese beiden werden mittlerweile meist dank dem DMA bekannt: Als von der EU eingestufter «Gatekeeper» muss Apple die EU-Kommission über Übernahmen informieren. Auf diesem Weg wurde zuletzt im August etwa auch die Übernahme der tschechischen Materialforscher-Firma «PlasmaSolve» publik.

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