Kein heimliches Mithören: Apple erklärt «Audio Intelligence» der neuen Apple Watch
Privatsphäre-Details zu «Live Rewind» und «Siri Recap»
Mit der ab Freitag im Handel erhältlichen «Apple Watch Series 12» und der «Apple Watch Ultra 4» führt Apple eine neue Reihe an Funktionen ein: «Audio Intelligence». Die neuen Smartwatches hören mit – sie erkennen automatisch Umgebungsgeräusche und spielende Musik, transkribieren auf Knopfdruck aber auch die letzten 15 Sekunden von Gesprochenem und können über den Tag hinweg Gesprächs-Notizen anlegen. In einem ausführlichen Supportdokument zeigt der Mac-Hersteller jetzt auf, wie die Daten dafür verarbeitet werden und wie dabei die Privatsphäre von Tragenden und Umstehenden geschützt werden soll.
Apple hat Ende letzter Woche ein Supportdokument zu «Audio Intelligence» publiziert. Unter dem Begriff bündelt der iPhone-Konzern vorerst vier Funktionen der neuen Apple-Watch-Modelle: «Sound Recognition (Geräuscherkennung)» meldet Sirenen, Alarme oder Türklingeln – bekannt von iPhone oder HomePod –, «Music Recognition (Musikerkennung)» erkennt über Shazam automatisch laufende Musik und zeigt Titel und Interpretin oder Interpret im «Smart Stack» an, und die beiden neuen Funktionen «Live Rewind» und «Siri Recap». Vorgestellt hatte Apple die neuen «Audio Intelligence»-Funktionen an der Keynote vom 9. September.
Das komplett neue «Live Rewind» transkribiert nach einem doppelten Drücken der Digital Crown die letzten 15 Sekunden des Gesprochenen und zeigt den Text auf dem Apple-Watch-Display an – gedacht ist diese Funktion für Situationen, in denen etwas überhört oder nicht verstanden wurde, so Apple. Der Text lässt sich an Siri weiterreichen oder in der neuen «Siri»-App sichern; geschieht beides nicht, verschwinde er gemäss Apple rund 30 Sekunden nach dem Dimmen des Displays dauerhaft. Zudem werde im Hintergrund nicht fortlaufend transkribiert.
Das ebenfalls neue «Siri Recap» wiederum soll über den Tag hinweg Notizen zu Gesprächen anlegen und daraus mit Apple Intelligence knappe Zusammenfassungen erzeugen. Ein vollständiges Transkript entstehe dabei aber nicht, betont Apple – die Zusammenfassung sei eher mit Notizen vergleichbar, die nach einem Gespräch gemacht würden. Solche Recaps löschen sich nach sieben Tagen automatisch, wenn sie nicht manuell gesichert werden. Apple weist zudem selbst darauf hin, dass die generierten Zusammenfassungen unvollständig oder fehlerhaft sein können.
Kein heimliches Mithören
Aktivieren lässt sich «Live Rewind» dabei nicht unbemerkt: Beim doppelten Drücken der digitalen Krone ertöne ein Signalton aus dem Lautsprecher der Apple Watch – auch wenn diese eigentlich stummgeschaltet ist oder mit Kopfhörern verbunden ist –, gleichzeitig erscheint auf dem Display eine Vollbild-Animation und der Mikrofon-Indikator ist sichtbar. Damit sollen Umstehende auf die aktive Funktion aufmerksam gemacht werden. Eine Sprechenden-Zuordnung finde bei keiner der Funktionen statt; genannte Namen könnten in Zusammenfassungen auftauchen, Aussagen würden aber keiner Person zugeordnet, führt Apple aus. Heikle Inhalte – etwa «Finanzdaten», «behördliche Identifikatoren» oder «Authentifizierungsdaten» – würden in Recaps weggelassen.
Technisch stützen sich alle vier Audio-Intelligence-Funktionen auf den neuen Apple-Silicon «S11» und dessen «Secure Enclave». Wie bei anderen Apple-Geräten handelt es sich dabei um einen physisch auf der Hardware isolierten Bereich im Apple-Chip, der sensible Daten getrennt vom restlichen System verarbeitet. Das Audio für die Funktionen werde weder aufgezeichnet noch gespeichert und nach der Verarbeitung sofort gelöscht. Für die Zusammenfassungen von «Siri Recap» wird ein auf weniger als die halbe Länge kondensierter Gesprächstext verschlüsselt auf «Private Cloud Compute» zur Verarbeitung übertragen, dort aber wie alle Anfragen nicht dauerhaft gespeichert. Gespeicherte Recaps und Texte werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt in der «Siri»-App abgelegt.
Später im Jahr und zunächst nur auf Englisch
Jede der vier Funktionen ist zudem Opt-in, muss also von den Nutzenden zuerst manuell aktiviert werden. «Siri Recap» lasse sich zusätzlich nach Zeit und Ort planen – sie kann etwa «nur am Arbeitsort» oder «nie nachts» laufen – und auch schnell über das Kontrollzentrum ein- und ausgeschaltet werden.
«Sound Recognition» und die automatische Musikerkennung setzen übrigens eine neue Apple Watch Series 12 oder Apple Watch Ultra 4 mit einem iPhone 11 oder neuer resp. einem iPhone SE ab zweiter Generation mit iOS 27 voraus. «Live Rewind» und «Siri Recap» dagegen verlangen mindestens ein iPhone 16 oder neuer (das iPhone 16e wird hier in Apples Kompatibilitätsliste nicht genannt) – sowie aktiviertes Apple Intelligence und die neue «Siri AI», die selbst noch im Beta-Stadium steckt und derzeit nur in englischer Sprache verfügbar ist. Nutzende unter 13 Jahren können beide neuen Funktionen nicht nutzen, bei unter 18-Jährigen mit einem Kinder-Konto muss ein Elternteil die Funktionen zuerst freigeben.
Sowohl «Live Rewind» als auch «Siri Recap» sind trotz gestern veröffentlichtem watchOS 27 und iOS 27 bisher nicht verfügbar, sondern werden «später in diesem Jahr» als Beta starten. Zum angekündigten Start wird vorerst – wie bei «Siri AI» – ausschliesslich die englische Sprache unterstützt; weitere Sprachen sollen aber demnächst folgen.
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