iPad Air (4. Generation)

2020 ist ein bedeutendes Jahr für das iPad. Apple hat im Frühling bereits das iPad Pro aktualisiert. Gleichzeitig erhielt iPadOS mit der Maus- und Trackpad-Unterstützung und zuletzt auch mit dem Update auf Version 14 immer mächtigere Werkzeuge. Das System öffnet sich, immer mehr wird damit möglich, wozu man davor noch einen Mac benötigte. Nicht zuletzt hat die Corona-Virus-Pandemie der ganzen Produkte-Kategorie einen Aufschwung gebracht – nach mehr oder minder stagnierenden Verkaufszahlen geht es wieder nach oben. Pünktlich zum 10. Geburtstag des Tablets verkaufte Apple das 500-millionste iPad. Mitte September stellte Apple anlässlich eines Special Events eine neue achte Generation des «iPad» und eine neue vierte Generation des «iPad Air» vor. Das neue iPad Air kommt an diesem Freitag, 23. Oktober, in den Handel. Wir hatten die Gelegenheit, das neue iPad Air bereits vorab ausführlich testen zu können. Folgend unser Testbericht.

Stefan Rechsteiner

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Design

  2. Der Chip

  3. Der Rest

  4. Welches iPad darf es sein?

  5. Fazit zum iPad Air

Apples «iPad»-Produkte-Familie besteht mittlerweile aus vier Mitgliedern: das «iPad mini», das «iPad», das «iPad Air» und das «iPad Pro». Sowohl das «iPad mini» wie auch das «iPad» positioniert das Unternehmen als Einsteiger-Geräte. Es sind die kostengünstigsten Modelle der Produkte-Familie. Das «iPad Pro», der Name deutet es bereits an, ist Apples teure professionelle Modell-Reihe. Gedacht für Power-User, bieten diese Geräte das Beste, was Apple zu bieten hat (siehe unser Review zum iPad Pro (2020)). Das «iPad Air» positioniert Apple seit ein paar Jahren genau dazwischen: Es biete «Pro-Funktionen zu einem erschwinglichen Preis». Mit der neuen iPad-Air-Generation will Apple bei diesem Versprechen nachdoppeln.

Das Design

Dass viel Pro im neuen Air steckt, sieht man bereits an dessem neuen Erscheinungsbild. Apple hat beim neuen Air das kantige, aber ultra-dünne Gehäuse-Design des iPad Pro übernommen – inklusive dessen «All-Screen-Design». Ganz so dünn wie ein iPad Pro ist das Air aber nicht. Der Unterschied von nur 0.2 Millimeter (6.1 mm beim Pro vs. 5.9 mm beim Air) ist aber natürlich auch bei direktem Nebeneinander-Halten kaum auszumachen.

Eine Home-Taste sucht man nun auch beim iPad Air vergebens. Die Gesichtserkennung «Face ID» bleibt derweil den Pro-Modellen vorbehalten, auf den Fingerabdrucksensor «Touch ID» muss man deshalb beim neuen iPad Air aber nicht verzichten – dazu gleich mehr.

Ohne Blick auf die Rückseite (wegen der Kamera) ist das neue iPad Air rein äusserlich kaum vom 11-Zoll iPad Pro zu unterscheiden. Es sei denn, es handelt sich um ein iPad Air in den neuen Farben. Anders als das Pro, welches es nur in «Space Grau» und in «Silber» gibt, ist das Air zusätzlich auch in den Farben «Roségold», «Grün» und «Sky Blau» verfügbar. Das Gehäuse der neuen Generation besteht erstmals bei einem Air vollständig aus rezycliertem Aluminium. Das neue iPad Air wiegt nur 460 Gramm.

iPad-Air-Gehäuse neu aus 100% rezycliertem Aluminium (Apple )

Obwohl das neue iPad Air sowohl in Länge wie auch Breite ein paar Millimeter kleiner ist als dessen Vorgänger-Modell, verfügt es über einen grösseren Bildschirm. Dieser misst nun 10.9-Zoll in der Diagonalen (iPad Air 3: 10.2-Zoll, iPad Air 2: 9.7-Zoll). Das «Liquid Retina Display» hat eine Auflösung von 2360 mal 1640 Pixel (264ppi), unterstützt den erweiterten Farbraum «P3» und ermöglicht mit «True Tone» natürlichere Farben bei der Display-Anzeige, da über den Umgebungslicht-Sensor die Farbtemperatur der Umgebung anpasst wird. Gegenüber dem iPad Pro kann beim neuen Air die Display-Helligkeit nicht ganz so hell eingestellt werden – beim Air sind es maximal 500 nits, beim Pro 600 nits. Im direkten Vergleich ist das durchaus auszumachen. Auch die dynamische Bildwiederholungsfrequenz «ProMotion» gibt es beim iPad Air nicht, diese bleibt dem teuren Pro vorbehalten. Abgesehen von diesen beiden Spezifikationen ist es schwierig einen Unterschied zwischen den beiden Bildschirmen auszumachen.

Äusserst spannend ist «Touch ID»: Da die Home-Taste dem «All-Screen Design» Platz machen musste, brauchte es für den Fingerabdrucksensor eine neue Heimat. Diese fand Apple in der Ein- und Ausschalt-Taste im Gehäuse-Rand. In dieser ist nun eine neue Generation des Sensors integriert. Die Taste ist nun etwas grösser als beim iPad Pro, misst ziemlich genau die gleiche Länge wie jene des iPhone 11 Pro Max, ist aber etwa um 50 Prozent breiter als jene des iPad Pro und jene des iPhone.

«Obere Taste»

Unserer Meinung nach etwas unglücklich gewählt ist der neue Name dieser Taste – bisher wie beim iPhone als «Stand-by Taste» betitelt, nennt Apple sie nun «Obere Taste» (engl. «Top Button»). Der Tatsache, dass die «Obere Taste» je nach Ausrichtung des Gerätes auch mal unten oder auf der Seite sein kann, wird dabei unglücklicherweise nicht Rechnung getragen. 🤔

Die neue Touch-ID-Taste besteht aus einem in Edelstahl eingefassten, mit Laser beschnittenen Saphir-Kristallglas. Unter diesem befindet sich der neue Sensor, welcher die Details des Fingerabdrucks noch effizienter erfassen können soll. Dieser neue Sensor sei der kleinste Fingerabdrucksensor von Apple bisher. Dank einer schnelleren Secure Enclave biete aber auch dieser kleinere Sensor «die gleiche schnelle, einfache und sichere Authentifizierung», die man sich von anderen Apple-Geräten mit Touch ID gewohnt sei, verspricht Apple.

Bei der Entwicklung dieses neuen Sensors war es gemäss Apple eine besondere Herausforderung, dass durch die dünnere Bauweise des Sensors bei der Berührung ein viel kleinerer Bereich des Fingers gelesen werden könne, als noch beim viel grossflächigeren alten Touch ID in der runden Home-Taste. Beim neuen Sensor sei es deshalb noch viel wichtiger, dass dieser bereits bei der Einrichtung und dann auch während der fortlaufenden Nutzung des Gerätes die Details des Fingerabdrucks breiter registrieren kann. Dies habe man durch einen sehr sensiblen Sensor, vor allem aber auch mit ausgefeilten Algorithmen in den Chips des iPad Air ermöglichen können, heisst es seitens Apple.

Gut sichtbar die grössere «obere Taste» beim Air mit integriertem Touch-ID-Sensor.
iPad Pro 4 (12.9-Zoll) links und das neue iPad Air 4 rechts – Gut sichtbar die grössere «obere Taste» beim Air mit integriertem Touch-ID-Sensor. (macprime/Stefan Rechsteiner)

Wird das Gerät aus dem Ruhezustand geweckt, erscheint auf dem Sperrbildschirm dort, wo sich je nach Ausrichtung die «Obere Taste» befindet, ein Hinweis mit der Beschriftung «Touch ID». Dieses kleine Detail erleichtert das Finden der Taste enorm.

Beim Einrichten von Touch ID beim neuen iPad Air wird klugerweise die Möglichkeit offeriert, nicht nur einen Finger zu registrieren, sondern gleich deren zwei – einen der rechten und einer der linken Hand. Hält man das Gerät im Portrait-Modus vor sich, ist durch die Position der «Oberen Taste» rechts an der oberen Seite des iPad Air der rechte Zeigefinder jener Finger, der für Touch ID am meisten benutzt wird. Ist das Gerät aber im Landscape-Modus, dann befindet sich die «Obere Taste» an der linken Seite ganz oben, wodurch der linke Zeigefinger jener ist, der für Touch ID benutzt wird. Dank der initialen Registrierung zweier Finger spielt so auch bei der Nutzung von Touch ID beim neuen iPad Air gleich von Anfang an die Ausrichtung des Gerätes keine Rolle mehr.

Wer sich für das Authentifizieren die Gesichter-Erkennung «Face ID» vom iPhone oder iPad Pro her gewohnt ist, wird diese auch beim iPad Air vermissen. Touch ID in der «Oberen Taste» ist aber eine brillante Lösung, um dem iPad Air ein «All-Screen»-Design zu ermöglichen, ohne ein teures Face-ID-Kamerasystem einbauen zu müssen.

Nützliche «Touch ID»-Anzeige auf dem Sperrbildschirm – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Die Nutzung von Touch ID in dieser neuen Generation ist vorzüglich. Das Entsperren des Gerätes oder anderweitiges Authentifizieren des Nutzers für Passwort-Abfragen oder Apple-Pay-Käufe funktioniert auch mit dem kleineren Sensor komfortabel und schnell.

Touch ID ist zudem auch immun gegen Masken. Während sich Face ID mit Mund-Nasen-Schutz-Masken nicht nutzen lässt und stattdessen auf die Passwort-Eingabe zurückfällt, entsperrt Touch ID zügig und unkompliziert auch mit Maske.

Der Chip

Neben dem Design und dem neuen «Touch ID»-Sensor ein weiterer Höhepunkt des iPad Air 4 ist dessen neuer Chip. Der «A14 Bionic» ist der erste im 5-Nanometer-Verfahren gefertigte Chip in Massenproduktion. Dank dem 5-nm-Herstellungsverfahren finden auf dem winzigen Chip 11.8 Milliarden Transistoren Platz. Fast 70 Prozent mehr als noch im A12 des iPad Air 3 – dieser zählte noch 7 Milliarden Transistoren. Durch die kleinere Bauweise konnte Apple beim neuen Chip mehr Funktionen hinzufügen und die Leistungsfähigkeit erhöhen, während gleichzeitig der Stromverbrauch reduziert wird.

Der SoC besteht aus einer CPU mit neuer Architektur und sechs Kernen. Die CPU liefert gemäss Apple bis zu 40 Prozent mehr Leistung als diejenige des bisherigen iPad Air. Zwei der CPU-Kerne sind auf Hochleistung getrimmt, die anderen vier sind auf Effizienz gepolt. Die GPU mit vier Kernen ist Apple zufolge bis zu 30 Prozent leistungsfähiger als beim Vorgängermodell. Weiter umfasst der neue «A14 Bionic» auch eine Neural Engine mit 16 Kernen, die doppelt so schnell ist wie bisher und fähig sein soll, bis zu 11 Billionen Operationen pro Sekunde auszuführen. Der A14 Bionic verfügt in der CPU des Weiteren über neue Machine Learning Accelerators «zweiter Generation» für bis zu 10-mal schnellere ML-Berechnungen.

Der neue Prozessor ist der fortschrittlichste von Apple und übertrumpft denjenigen im teuren iPad Pro. Er ist im Übrigen auch in allen neuen iPhone-12-Modellen verbaut.

iPad Air 4 mit Magic Keyboard und Apple Pencil 2 – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Der Chip ist gebaut für die anspruchsvollsten Aufgaben wie das Bearbeiten von Fotos oder 4K-Video, das Erstellen von Musik, das Spielen von hochauflösenden Spielen und das Wiedergeben von komplexen AR-Erlebnissen.

Gemäss den von uns durchgeführten Benchmarks mit «Geekbench 5» erreicht das neue iPad Air in den «Single Core»-Tests Werte um 1590 und bei den «Multi Core»-Tests gut 4300 Punkte. Als Spezifikationen weist das Tool für den A14 Bionic eine Taktrate von 2.99 GHz aus.

Die Benchmark-Werte zeigen für Single-Core-Operationen eine höhere Leistung als beim iPhone 11 Pro Max (A13 Bionic mit 2.7 GHz und 4 GB RAM) und auch beim iPad Pro trotz dort mehr RAM (A12Z Bionic mit 2.5 GHz und 6 GB RAM). Eben letztere Tatsache (mehr RAM beim Pro) dürfte dafür sorgen, dass das neue Air bei den Multi-Core-Werten trotz A14 nicht ganz an die Pros herankommt. Das Air schlägt hier gleichzeitig aber das iPhone 11 Pro um gut 25 Prozent.

Bei den GPU-Benchmarks übertrifft das neue iPad Air alle anderen bisher verfügbaren iOS- und iPadOS-Geräte.

Wie dem Benchmark-Tool ebenfalls hervorgeht, besitzt das neue iPad Air 4 GB Arbeitsspeicher. Das ist ein zusätzliches Gigabyte im Vergleich zur Vorgängerversion. Das «normale» iPad in der neuen achten Generation besitzt 3 GB RAM und die im Frühling aktualisierten «iPad Pro»-Modelle sind alle mit 6 GB RAM ausgestattet.

Benchmarks CPU (mit Geekbench 5)
Modell Single-Core Multi-Core
iPhone 11 Pro Max (2019) 1332 3470
iPad Pro 12.9-Zoll (4G; 2020) 1138 4645
iPad (8G; 2020) 1116 1766
iPad Air (4G; 2020) 1587 4322
Benchmarks GPU (mit Geekbench 5)
Modell Punkte
iPhone 11 Pro Max (2019) 7488
iPad Pro 12.9-Zoll (4G; 2020) 11628
iPad (8G; 2020) 5405
iPad Air (4G; 2020) 12749

Die meisten Anwender werden die schiere Leistung dieses Chips im neuen iPad Air erst gar nicht zu nutzen wissen. Aber sie ist verfügbar – und auch im täglichen Gebrauch überall spürbar. Alles reagiert super-schnell, ist flüssig und zügig. Neben der geballten Arbeitskraft in diesem iPad bedeutet der A14 Bionic aber auch, dass der Kauf eines neuen iPad Air eine sehr zukunftssichere Investition ist. In diesem neuen Consumer-Gerät steckt nicht ein Prozessor vom letzten oder vorletzten Jahr, sondern der neueste und leistungsfähigste Chip, den Apple derzeit zu bieten hat.

Der Rest

Die Kamera auf der Frontseite löst beim iPad Air neu mit 7 Megapixel auf. Videos können in Full HD (1080p) und 60 Bildern pro Sekunde (fps) aufgenommen werden. Dank dem A14 Bionic gibt es nun auch bei dieser Kamera Unterstützung für «Smart HDR». Überdies bietet die «FaceTime HD»-Kamera dank einer Blende bis ƒ/2.2 auch bessere Resultate bei schlechten Lichtverhältnissen.

Bei der Kamera auf der Rückseite handelt es sich um die gleiche wie im iPad Pro (Standard-Kamera). Sie löst mit 12 Megapixel auf und die Blende öffnet bis ƒ/1.8. Das Objektiv besteht aus fünf Elementen. Die Kamera verfügt über sogenannte «Focus Pixels». Wie viele der Pixel für den Phasenerkennung-Autofokus abkommandiert werden können, ist leider aber nicht bekannt.

Focus Pixels 📸

Bei der Bezeichnung «Focus Pixels» handelt es sich um Apples Namen für den «Phasenerkennung-Autofokus». Eigentlich handelt es sich bei einem «Phase-Detection-Autofocus» um einen schnellen Autofokus, der in einem Sensor-Paar zwei leicht versetzte Halbbilder miteinander vergleicht. In diesem System berechnet der Autofokus anhand der Phasenverschiebung der beiden Halbbilder die optimale Objektiv-Position für die Scharfstellung. Bei der iPad-Air-Kamera (und anderen modernen Kameras in Smartphones und Tablets) wird nun aber nicht mit Halbbildern gearbeitet, sondern mit auf dem Sensor speziell für den Autofokus abkommandierten Pixeln, den «Fokus Pixels», auf die jeweils phasenverschoben die Lichtstrahlen fallen. Anhand deren Berechnung werden die Objektive bewegt, sodass der Autofokus sofort scharf stellen kann. Bei der neuen Weitwinkel-Kamera sind nun also Pixel für den Autofokus abkommandiert. Der Autofokus kann so schneller arbeiten – insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen.

Die Kamera kann 4K-Video mit 24, 30 oder 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Slo-mo-Video in 1080p-Auflösung mit 120 oder 240 fps. Für HD- und FullHD-Aufnahmen bietet Apple sogenanntes «Cinematic Video Stabilization», also Apples Software-basierte Video-Stabilisierung, die in den meisten Fällen einen sehr guten Job macht.

Nicht verfügbar ist bei beiden Kameras des neuen iPad Air der von den iPhone-Kameras her bekannte «Porträt-Modus». Ebenfalls nicht zu den Fähigkeiten der iPad-Air-Kamera gehört der im letzten Jahr mit dem iPhone 11 eingeführte «Nachtmodus», sowie das auf der Neural Engine basierende Bild-Verarbeitungssystem «Deep Fusion». Dies, obschon der A14 Bionic diese Funktionen eigentlich rein technisch gesehen ermöglichen sollte.

Man sei bei Apple immer bestrebt, diejenigen Funktionen in einem Gerät anzubieten, die auf dem jeweiligen Gerät am sinnvollsten seien. «Deep Fusion» gehöre beispielsweise nicht unbedingt zu den häufigsten Anwendungsfällen bei einem iPad. Man wisse, dass die Kamera häufig genutzt werde, aber nicht für derart spezifische fotografische Anwendungen. Deshalb werde die Funktion für das iPhone priorisiert. Bei der Entwicklung der iPad-Kameras fokussiere sich Apple auf ein möglichst breites Feld an Anwendungsmöglichkeiten für die Nutzer – vom Aufnehmen alltäglicher Fotos und 4K-Video über das Scannen von Dokumenten bis hin zu AR-Anwendungen.

iPad Air 4 (2020) – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Wie immer bei einem iPad-Review sehen wir die beiden Themen «Kamera» und «Fotografieren» im Verbund mit einem iPad allgemein eher etwas schwierig. Ein fast 11-Zoll grosses iPad ist nicht gerade die erste Wahl für viele, wenn es ums Fotografieren geht. Entsprechend erscheint es auf den ersten Blick komisch, dass Apple überhaupt Anstrengungen unternimmt, die Kameras der iPad-Modelle zu verbessern. Andererseits werden die Kameras im iPad vor allem im professionellen Umfeld oft für Scan-Anwendungen und ähnliches benutzt, ganz zu schweigen immer mehr für AR-Applikationen. Und dann gibt es noch die allgemein-gültige Weisheit, dass die beste Kamera jene ist, die man gerade dabei hat. Demzufolge ist die Kamera durchwegs auch ein wichtiger Teil eines jeden iPad – auch wenn es nicht alle Nutzer gleich betrifft.

Bei unseren Tests machen sowohl die Kamera auf der Rückseite wie auch auf der Front eine gute Figur. Im direkten Vergleich mit den ausgezeichneten Kameras eines iPhone bleiben sie freilich stark zurück – vor allem diejenige auf der Rückseite des Gerätes. Für ein Tablet in dieser Preiskategorie leisten sie aber einiges. Für die meisten Anwendungen einer Tablet-Kamera reichen sie sehr gut aus – jede Verbesserung an jedem Ort ist schlussendlich willkommen. Als Standard-Kamera ist sie zusammen mit jener im iPad Pro (dieselbe Kamera) das Beste, was Apple aktuell in einem Tablet zu bieten hat.

Das neue iPad Air verfügt nicht mehr über einen «Lightning»-Anschluss, sondern über den neuen Industrie-Standard USB-C. Bei den iPad-Pro-Modellen ist Apple bereits vor zwei Jahren auf USB-C umgestiegen.

Der Anschluss ermöglicht Datenübertragungen bis zu 5 Gigabit pro Sekunde. Ein darüber angeschlossenes externes Display kann mit einer Auflösung bis zu 4K beliefert werden.

Beim Wi-Fi wird neu auch beim iPad Air der neue Wireless-Standard 802.11ax aka «Wi-Fi 6» mit bis zu 1.2 Gbps und MIMO unterstützt. Wie schon die Vorgängerversion wird ausserdem Bluetooth 5.0 unterstützt und wenn ein «Wi-Fi + Cellular»-Modell gekauft wird, kann über eine nano SIM oder eSIM Verbindung mit Mobilfunknetzen aufgenommen werden. Bei LTE spricht Apple ausserdem von «bis zu 60 Prozent schnellerem Gigabit-LTE» als noch beim Vorgänger-Modell.

Auch die Tonausgabe des iPad Air ist überarbeitet worden und bietet analog der iPad-Pro-Modelle neu auch Stereo-Sound. Das «Wide Stereo Audio System» wird von Apple «Landscape Stereo Speakers» genannt. Es ist jedoch nicht identisch mit dem Lautsprecher-System der iPad Pro. Dort sind vier Lautsprecher verfügbar, beim Air nur deren zwei. Bei den Pro-Modellen passt sich die Ausrichtung der Lautsprecher jener des Gerätes an: Nur jeweils die beiden Lautsprecher, die je nach Ausrichtung «oben» sind, zeichnen sich für die Hochtöne verantwortlich. Alle vier Lautsprecher kümmern sich gleichzeitig um den Bass. Beim iPad Air ist das System nicht dynamisch, sondern immer auf den Landscape-Modus ausgerichtet.

Stereo-Lautsprecher, USB-C, Smart Connector – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Der Stereo-Effekt ist entsprechend am besten erkennbar, wenn das Gerät längs gehalten wird.

Im direkten Vergleich mit einem 12.9-Zoll iPad Pro kommt das neue iPad Air nicht ganz an die Lautstärke und auch nicht ganz an die vom Pro erreichten Bässe und an die Klarheit heran, dennoch sind die Lautsprecher des neuen iPad Air sehr eindrücklich und nicht weit von der Pro-Power entfernt.

Wie bei den anderen iPad-Modellreihen von mini bis Pro gibt Apple auch beim neuen iPad Air eine Batterielaufzeit von bis zu 10 Stunden für «Im-Internet-Surfen über Wi-Fi» oder das Abspielen von Videos angibt. Beim Surfen über Mobilfunk (bei entsprechend ausgerüsteten Modellen; «Wi-Fi + Cellular») sollen bis zu 9 Stunden Surfen möglich sein.

Wie sich auch bei allen anderen Geräten zeigt, leert sich die Batterie am schnellsten, wenn das Display auf 100 Prozent Helligkeit eingestellt ist. Natürlich sind auch rechenintensive Aufgaben wie das Bearbeiten von 4K-Video oder deren Exports überdurchschnittlich Energie-raubend. Bei normalen Tätigkeiten hält der Akku aber ausgesprochen lange durch. Wird der Bildschirm also nicht voll aufgedreht und das Gerät nicht andauernd ins Schwitzen gebracht, läuft das iPad Air sehr lange. Auch nach einem ganzen Arbeitstag mit fast konstanter Nutzung weist die Batterie-Anzeige in iPadOS auf dem neuen iPad Air noch gute Restkapazitäten aus. In unseren Tests überzeugt der Akku vollends.

Neben der USB-Type-C-Buchse verfügt das neue iPad Air auch über einen «Smart Connector» auf der Rückseite sowie über einen magnetischen Anschluss links (Portrait) oder oben (Landscape). Über diese beiden Schnittstellen ist das neue iPad Air kompatibel mit Zubehör-Artikeln des 11-Zoll iPad Pro.

Das neue iPad Air ist kompatibel mit dem Apple Pencil 2 – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Über den magnetischen Anschluss lässt sich der Apple Pencil 2 befestigen und aufladen. Wie die Pro-Modelle ist auch das Air neu mit der zweiten Generation des Apple Pencil kompatibel. Diese bietet gegenüber der ersten Generation unter anderem noch mehr Präzision.

Beim iPad Pro sorgt unter anderem auch die dynamische Bildwiederholungsfrequenz beim Display mit bis zu 120 Hz («ProMotion») mit dafür, dass das System auf die Bewegungen des Pencil 2 noch schneller reagieren kann. Dieser extra Schuss an Geschwindigkeit gibts beim Air nicht im Vergleich zum Pro. Die meisten dürften den Unterschied aber gar nicht bemerken – er ist kaum sichtbar. Den Unterschied bemerken dürfte wohl nur, wer sehr detailreiche Zeichnungen und Malereien mit dem Pencil erstellt. Und wer die beiden Geräte Seite-an-Seite miteinander vergleicht.

Die Nutzung des Stifts am iPad geht immer mehr über reines Zeichnen oder Malen hinaus. Im neuen iPadOS 14 haben viele Funktionen für den Pencil Einzug gehalten – darunter Handschrift-Erkennung und «Scribble».

Dank dem Smart Connector» ist das iPad Air auch mit dem «Magic Keyboard» des 11-Zoll iPad Pro kompatibel. Die Tastatur mit integriertem Trackpad ermöglicht einen noch vielfältigeren Einsatz des iPad Air. Wir haben die Tastatur im Frühling zusammen mit dem damals neuen iPad Pro ausführlich getestet.

Weiter ist das iPad Air auch kompatibel mit dem «Smart Keyboard Folio» des kleineren iPad Pro. Apple hat ausserdem zusammen mit dem iPad Air ein neues «Smart Folio» lanciert. Dieses umschlingt das Air magnetisch, bietet sowohl für Vorder- wie Rückseite Schutz und ermöglicht das Aufstellen des iPad Air. Das iPad Air erkennt, wenn die Hülle geöffnet wird und erwacht dann automatisch aus dem Ruhezustand. Das «Smart Folio» gibts neben dem abgebildeten «Weiss» auch in «Schwarz», «Zitruspink», «Zyperngrün» und «Dunkelmarine».

Das neue iPad Air 4 im neuen Smart Folio – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Welches iPad darf es sein?

Beim von uns getesteten silbernen iPad Air handelte es sich um die Variante mit 256 GB Speicherplatz ohne Mobilfunk. Das Gerät wird ab Freitag für CHF 799.– im Handel erhältlich sein. Zusammen mit einem Apple Pencil (2. Generation) für CHF 149.– und einem Magic Keyboard für iPad Air für CHF 319.– kostet unsere Konfiguration 1267 Schweizer Franken. Wäre das iPad Air ein «Wi-Fi + Cellular»-Modell, würde es 140 Franken mehr kosten. Ein komplett und top ausgerüstetes iPad Air würde dann mit 1407 Franken zu Buche schlagen.

Mit 64 GB Speicherplatz statt unseren 256 kostet das iPad Air CHF 629.– oder 769.– (Cellular). Je nach Ausrüstung und Zubehör bewegt sich das iPad Air also zwischen 629 und 1407 Franken.

Auf den ersten Blick scheint, dass das in vielerlei Hinsicht besser ausgestattete iPad Pro in der 11-Zoll grossen Variante nicht viel mehr kostet. Beim direkten Gegenüberstellen sollten aber die gleichen Speicherplatz-Kapazitäten miteinander verglichen werden. Im direkten Preisvergleich mit 256 GB Speicherplatz kostet das neue iPad Air ohne Cellular 799 Franken, das iPad Pro aber 997 Franken. Ein Unterschied von fast 200 Franken.

Für diese 200 Franken gibts Face ID und eine TrueDepth-Kamera auf der Vorderseite, ein minimal grösseres Display, dieses aber mit dynamischer Bildwiederholungsfrequenz bis 120 Hz («ProMotion»), einen LiDAR-3D-Scanner, auf der Rückseite ein Dual-Kamera-System mit einer zusätzlichen Kamera mit Ultraweitwinkel-Objektiv, 50 Prozent mehr RAM, viel bessere Mikrofone sowie bessere und intelligentere Lautsprecher. Dies alles in einem minimal dünneren, dafür aber etwas schwereren Gehäuse. Wobei im iPad Air der brandneue «A14 Bionic» arbeitet, im Pro aber «nur» der «A12Z Bionic», der im Grunde genommen noch aus dem Jahr 2018 stammt. Und für Fans farbiger Geräte: Das Air gibt es in fünf verschiedenen Farben, das Pro nur in den zwei Tönen «Space Grau» und «Silber».

Unsere Kaufempfehlung gestaltet sich aktuell eigentlich ganz einfach: Wenn es möglichst günstig sein soll und weder die beste Leistung noch eine top Ausstattung zu den Kriterien gehören, dann ist man mit der neuen achten Generation «iPad» mit seinem 10.2-Zoll Retina Display, Home-Taste mit Touch ID und A12 Bionic am besten bedient. Dieses iPad gibt es mit 32 GB Speicherplatz ab günstigen 349 Franken oder mit 128 GB ab 449 Franken.

Muss es das Beste und Leistungsfähigste sein, was es aktuell von Apple zu kaufen gibt, dann sei das iPad Pro empfohlen. Mit 11-Zoll ab 878 Franken, mit 12.9-Zoll ab 1098 Franken. Am besten gleich mit einem Magic Keyboard (plus 319 oder 369 Franken). Aber nur, wenn es unbedingt jetzt noch ein neues iPad Pro werden soll. Mit der Einführung des «A14 Bionic» ist das Air derzeit mit einem leistungsfähigeren Prozessor ausgerüstet als die teureren iPad-Pro-Modelle. Gut möglich, dass Apple demnächst, spätestens wohl aber im Frühling auch das Pro mit dem A14 – oder bereits einem Nachfolger-Chip – ausrüsten wird.

Für alle jene, denen das normale iPad zu wenig ist und das Pro zu viel kostet, sei das iPad Air wärmstens empfohlen. Insbesondere auch Nutzern, die schon länger ein älteres iPad mit einem neuen ersetzen wollen.

In Szene gesetzt: Das neue iPad Air 4 (2020) – (macprime/Stefan Rechsteiner)

Fazit zum iPad Air

Das neue iPad Air überzeugt mit grandiosem Design, super Display, «Speed, Speed, Speed» dank des A14 Bionic, exzellenter Batterielaufzeit, einer guten Kamera und eindrücklichen Lautsprechern. Das neue iPad Air ist sehr empfehlenswert für alle ambitionierten Anwender, denen das Pro schlicht zu teuer ist. Dank dem A14 Bionic ist es gerüstet für die Zukunft. Zusammen mit diversen Pro-Features ist das neue iPad Air nicht nur für den ambitionierten, sondern auch für den Power-User sehr interessant. Es ist kompatibel mit dem grandiosen und sehr empfehlenswerten «Magic Keyboard» und bietet Unterstützung für den Apple Pencil 2, ohne dafür zum teuren iPad Pro greifen zu müssen. Das neue iPad Air bietet viel Pro für wenig Geld.

Oh und noch etwas: Touch ID in der Stand-by-Taste? Apple, das wollen wir bitte in allen Geräten haben! Merci. 👌🏼

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