Neue Schweizer Apple Maps ab sofort verfügbar

Im Laufe des heutigen Tages schaltet Apple in der «Karten»-App neues Kartenmaterial für die Schweiz und Liechtenstein online. Auch die drei Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg kommen ab heute in den Genuss neuer Karten. Apple hat die dem neuen Material zugrundeliegenden Daten selbst über die letzten Jahre gesammelt.

Stefan Rechsteiner

Inhaltsverzeichnis

  1. Detailliertere Karten

  2. Look Around (Umsehen)

  3. AR-Walking

  4. Sehenswürdigkeiten als 3D-Modelle

  5. Kommende Neuerungen

  6. Bald weitere Länder

Apple hatte bereits seit Anfang November bei ausgewählten «Karten»-Nutzerinnen und -Nutzern testweise neues Material für die fünf Länder aufgeschaltet. Der definitive Rollout der neuen Karten an alle Apple-Maps-nutzenden Personen dürfte nun heute in der zweiten Tageshälfte starten. Spätestens am morgigen Freitag werden dann alle die neuen Karten und damit einhergehend alle neuen Funktionen ausprobieren und fortan nutzen können.

Vorher und nachher am Beispiel von Basel (Apple )

Auszuprobieren gibt es vieles, so sind alle fünf Länder gänzlich mit komplett neuem Kartenmaterial ausgestattet worden. Neben dem neuen Kartenmaterial mit detaillierteren Informationen und Abbildungen sind auch mehr als 90 Sehenswürdigkeiten in detailgetreuen 3D-Modellen verfügbar. Alle Länder lassen sich mit «Look Around (Umsehen)» entdecken und in einigen Städten gibt es auch das eindrückliche «AR Walking».

Detailliertere Karten

Das ganze der «Karten»-App zugrundeliegende Material wurde von Apple von Grund auf neu aufgebaut. Der Mac-Hersteller ist mit allerlei Sensoren ausgestatteten Fahrzeugen während Monaten alle Strassen abgefahren und ist auch zu Fuss verschiedene Fussgängerzonen mit Rucksäcken abgelaufen (macprime berichtete ausführlich). Das Resultat dieser Datensammlung ist jetzt in Apples Karten-App zu sehen.

Die neuen Karten bieten detailliertere und genauere Abbildungen von Strassenverläufen, Gebäuden, Pärke, Flüssen und Seen, Naherholungsgebieten und vielem mehr. Die Navigation mit Apple Maps soll dadurch nicht nur genauer, sondern auch schneller funktionieren, so Apple.

Mit der neuen technischen Grundlage soll Apple künftig in der Lage sein, schneller auf Neuerungen zu reagieren und das Kartenmaterial schneller zu aktualisieren.

Gebäude-Grundrisse sind neu dreidimensional abgebildet. In Ortschaften deuten gelb-orange eingefärbte Gebäude auf Gewerbegebiete hin – damit soll auf einen Blick sichtbar sein, wo es Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants etc. gibt.

Das neue Kartenmaterial in Luzern (Apple / melamedia )

Auf stärker befahrenen oder grösseren Strassen wird in Apple Maps neu auch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ausgewiesen.

Die von Apple «Siri Natural Language Guidance» genannte Funktion sorgt dafür, dass das Navigieren mit Apple Maps mit einer natürlicheren Aussprache vonstattengeht. Statt «In 100 Metern rechts abbiegen» gibt die Karten-App von Apple neu komfortablere Anweisungen wie «Beim nächsten Rotlicht rechts abbiegen».

In einigen Märkten können Karten-nutzende Personen sogar Blitzer eintragen lassen, um so andere Nutzende zu warnen. Diese Funktion ist jedoch je nach lokaler Rechtslage verfügbar oder gesperrt.

Detailliertere Bodenbedeckung am Beispiel Tenero (Apple / melamedia )

Look Around (Umsehen)

Fast alle Strassen der Schweiz, des Fürstentum Lichtensteins und der drei Benelux-Staaten sind mit Apples 3D-Ansicht «Look Around (Umsehen)» kartografiert worden. Anders als bei Googles «Street View» wird bei der Nutzung nicht statisch von Bild zu Bild gewechselt, sondern die Bilder sind in Apple Maps dreidimensional aufbereitet. Es lässt sich so interaktiv durch eine «reale» 3D-Welt «fahren».

Zum Start fokussierte sich Apple auf die Strassen, aber teils wurden auch bereits Fussgängerzonen mit Look Around kartografiert – so unter anderem in Zürich, wo entsprechende Ansichten jedoch noch nicht verfügbar sind.

«Look Around (Umsehen)» am Beispiel der Albulastrasse unterhalb Filisur (Apple / melamedia )

Alle von den Kamera-Autos und -Rucksäcken fotografierten Personen und Autonummern sind von Apple anonymisiert worden. Apple selbst sieht sich bei diesen Bestrebungen sogar «Best in Class». Wer trotzdem auf ein Bild stösst mit unzureichend anonymisierten Sujets, kann dies Apple melden. Ebenso, falls gewünscht sein sollte, dass das eigene Haus nicht im Look-Around-Modus erkennbar sein sollte. Wer diesen Wunsch hat, kann sich per E-Mail bei Apple melden. Der Mac-Hersteller informiert auf einer Webseite stets über die Gebiete, in welchen die hauseigenen Datensammler unterwegs sind. Weitere Informationen zum Thema «Datenerhebung» für Apple Maps gibts in einem PDF von Apple.

AR-Walking

Vor einem Jahr führte Apple mit iOS 15 eine «Schritt-für-Schritt»-Gehhilfe in Augmented Reality ein. Mit der «AR Walking» genannten Funktion können Personen über «Erweiterte Realität» Schritt für Schritt zum gewünschten Ziel geführt werden. Dazu muss einfach das iPhone angehoben werden, um die Gebäude in der Umgebung zu scannen, und Apples Karten-App generiert darauf basierend eine detaillierte Wegbeschreibung im Kontext zur aktuellen Position in der realen Welt.

Ebendiese «AR Walking»-Funktion ist weltweit noch nicht an vielen Orten verfügbar. Ab heute gibt es sie aber auch in Brüssel, Amsterdam, Rotterdam, in der Region um Luxemburg-Stadt, in der Region um Vaduz sowie in den drei Schweizer Städten Zürich, Genf und Basel.

AR-Walking bei der Bond Street Station in London (Apple )

Sehenswürdigkeiten als 3D-Modelle

Wie einleitend erwähnt, sind in den neuen Karten über alle fünf Länder deren 90 Sehenswürdigkeiten als detailgetreue 3D-Modelle abgebildet. Wie viele davon in der Schweiz sind, ist von Apple nicht kommuniziert worden.

Im Fürstentum Liechtenstein ist das Schloss Vaduz das zum Start einzige «3D Landmark».

In der Schweiz sind, wie ein Test von uns kürzlich zeigte, unter anderem das Bundeshaus und das Berner Münster, der UNO-Hauptsitz am «Palais des Nations» in Genf, das Landesmuseum, das Grossmünster und das Fraumünster in Zürich, das Münster in Basel, sowie die beiden UNESCO-Weltkulturerbe Stiftsbezirk St. Gallen und die drei Burgen von Bellinzona detailliert abgebildet.

Die zur mittelalterlichen Wehranlage von Bellinzona gehörenden drei Burgen sind UNESCO-Weltkulturerbe und neu detailliert in 3D in Apples Maps zu sehen. (Apple / melamedia )

Kommende Neuerungen

Apple gibt sich darin bestrebt, die Karten stets aktuell halten zu wollen und auch stetig auszubauen.

In naher oder ferner Zukunft dürften auch weitere Schweizer Sehenswürdigkeiten in 3D abgebildet werden – Potenzial dafür gibt es hierzulande schliesslich genug. Beispielsweise lässt sich in der Top-Tourismus-Stadt Luzern kein 3D-Modell finden oder auch das berühmte Landwasserviadukt bei Filisur ist bisher nur ein «(Eisenbahn-)Strich in der Landschaft». Auch viele andere historische Bauten fehlen bisher noch.

Weiter gibt es die in einigen anderen Märkten verfügbaren Fahrrad-Karten vorerst noch nicht in der Schweiz und Liechtenstein und ebensowenig in den ebenfalls neu ausgestatteten Benelux-Staaten. Die Grundlage dafür dürfte nun aber mit der neuen Karten-Technologie gelegt sein.

Die neuen Karten dienen auch als Basis für viele weitere Neuerungen, die über kurz oder lang auch hierzulande in Apple Maps eingeführt werden dürften. Als Beispiel: In ein paar wenigen Metropolen dieser Welt hat Apple bereits vor gut einem Jahr die nächste Karten-Generation gestartet – diese sind noch detaillierter, es werden auch Höhendifferenzen berücksichtigt und alles ist noch mehr in 3D abgebildet.

Weiterhin nur in Bern und Basel gibt es auch die 3D-Flugansicht «Flyover» – diese wurden in den beiden Städten bereits 2015 respektive 2016 eingeführt.

Problem entdeckt?

Apple sei bestrebt, alle Karten möglichst aktuell zu halten. Das Material soll täglich aktualisiert werden. Der Mac-Hersteller arbeitet dafür mit lokalen Behörden und Unternehmen zusammen. Auch Rückmeldungen von nutzenden Personen sind für die Aktualität der Karten wertvoll, so bietet Apple mit der Funktion «Problem melden» direkt in der Karten-App eine Möglichkeit, falsche Informationen korrigieren zu lassen.

Bald weitere Länder

2018 begann Apple damit, neues Kartenmaterial aufzuschalten – beginnend im Apple-Heimatland USA 🇺🇸, sind neuen Karten in der Zwischenzeit auch in Andorra 🇦🇩, Australien 🇦🇺, Deutschland 🇩🇪, Frankreich 🇫🇷, Kanada 🇨🇦, Irland 🇮🇪, Italien 🇮🇹, Monaco 🇲🇨, Neuseeland 🇳🇿, Portugal 🇵🇹, San Marino 🇸🇲, Singapur 🇸🇬, Spanien 🇪🇸, Vatikan Stadt 🇻🇦 und im Vereinigten Königreich 🇬🇧 verfügbar gemacht worden.

Neben der Schweiz 🇨🇭, Liechtenstein 🇱🇮, Belgien 🇧🇪, Niederlande 🇳🇱 und Luxemburg 🇱🇺 testete Apple in den vergangenen Wochen und Monaten auch in Israel 🇮🇱, Palästina 🇵🇸 und Saudi-Arabien 🇸🇦 neues Kartenmaterial. In diesen drei Ländern indes bereits seit Mitte August.

Teils seit Jahren ist Apple auch mit Fahrzeugen in Schweden 🇸🇪, Slowenien 🇸🇮, Kroatien 🇭🇷, Japan 🇯🇵, Malta 🇲🇹, Finnland 🇫🇮, Norwegen 🇳🇴, Ungarn 🇭🇺, Hongkong 🇭🇰, Polen 🇵🇱, Tschechien 🇨🇿, Österreich 🇦🇹, Taiwan 🇹🇼, Griechenland 🇬🇷, Dänemark 🇩🇰 und Mexiko 🇲🇽 unterwegs respektive unterwegs gewesen.

Mit Österreich, Skandinavien, Polen, Ungarn, Tschechien und die Balkanhalbinsel dürften wohl 2023 noch viele weitere europäische Länder in den Genuss der neuen Apple-Karten kommen.

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